| |
Kennzahlen zur
Kundenrückgewinnung - Teil 2 von 3
zurück zu Teil 1
Kennzahlen zur
Kundenrückgewinnung
Rückgewinnungsmanagement muss sich rechnen und einen Beitrag zur
ökonomischen sowie zur ideellen Wertschöpfung leisten. Es kommt also
nicht nur darauf an, dass am Ende der Aktion ein Mehrertrag in der Kasse
ist, sondern auch, dass das Unternehmen seinen Ruf am Markt weiter
verbessern konnte. So muss selbstverständlich überprüft werden, ob die
Ziele, die mit der Rückgewinnungsaktion verbunden waren, auch erreicht
wurden. Aber übertreiben Sie nicht! Kundenrückgewinnung ist eine Sache
für Menschenversteher – und nicht für Kostenrechner. Überbordende
Bürokratie züchtet uninspirierte, angepasste, stromlinienförmige
Mitarbeiter, die sich wie die berühmten russischen Puppen lieber im
Verborgenen halten. Somit fehlt es hinten und vorne an neuen, frischen
Ideen, die gerade bei der Kundenrückgewinnung und anschließenden
Reloyalisierung so dringend gebraucht werden.
Kontrolle also ja, aber so
wenig wie nötig. Ein paar Kennzahlen machen durchaus Sinn, denn sie
bewerten die Rentabilität der durchgeführten Rückgewinnungsprogramme.
Die Ursachenübersicht:
Hierzu lassen sich Berichte erstellen, die die Abwanderungs- bzw.
Kündigungsgründe mengenmäßig erfassen und optisch aufbereiten. Den
einzelnen Gründen kann der entgangene Umsatz bzw. Deckungsbeitrag
zugeordnet werden. Auch die Kosten, die für die jeweilige
Fehlerbehebung, Nachbesserung, Ersatzlieferung, Wiedergutmachung usw.
anfielen, können entsprechend zugeordnet werden. So entsteht eine
Prioritätenliste für die anschließenden Präventiv-Maßnahmen.
Die Rückgewinnungsrate:
das ist die Anzahl der wieder gewonnenen Kunden geteilt durch die Anzahl
der kontaktierten Kunden. Wer die Eingabe in Datenbanken scheut: Hier
reicht bereits eine einfache Strichliste. Optisch ansprechend
aufbereitete Unterlagen machen mehr her als Excel-Tabellen, vor allem,
wenn es gilt, die Geschäftsleitung vom unternehmerischen Nutzen der
Aktion zu überzeugen.
Die Veränderung der
Verweildauer: das ist die frühere durchschnittliche Verweildauer der
Kunden im Verhältnis zur neuen durchschnittlichen Verweildauer. Dies
lässt sich nach verschiedenen Kriterien (Branche, Alter, Geschlecht,
Berufsgruppe o. ä.) weiter spezifizieren. Jede Verbesserung wirkt sich
positiv auf die Erträge aus. Kunden werden in vielen Branchen ja erst im
Laufe der Zeit, und zwar von Jahr zu Jahr, immer wertvoller. Bei
Versicherungen und Kreditkarten-Instituten zum Beispiel übersteigen die
Kunden-Gewinnungskosten die Erträge der ersten zwei bis drei Jahre.
Die Veränderung der
Kundenfluktuation: das ist die Fluktuationsrate 1 (vor Beginn der
Aktivitäten) verglichen mit der Fluktuationsrate 2 (danach, zu einem
festgelegten Zeitpunkt errechnet). Wenn beispielsweise eine Firma pro
Jahr im Durchschnitt 25 Prozent ihrer Kunden verliert, heißt das, dass
die Kunden im Durchschnitt vier Jahre bleiben, sich also der komplette
Kundenstamm alle vier Jahre erneuert. Diese Zahlen lassen sich für
einzelne Kundengruppen, für den Gesamtbetrieb, für einzelne Bereiche
oder bei Filialisten für die einzelnen Niederlassungen ermitteln und
vergleichen.
Die Veränderung des
Kundenwerts: das ist der frühere Kundenwert im Vergleich zum
zukünftigem Kundenwert. Dieser setzt sich aus dem 'Lifetime Value' und
dem 'Recommendation Value' zusammen. Der 'Lifetime Value' ist,
vereinfacht ausgedrückt, der kumulierte zukünftige Ertrag (abgezinst)
plus Kosteneinsparungen. Hinzugerechnet werden sollte der Referenzwert
oder ‚Recommendation Value’ eines Kunden, das heißt, in welchem Maße es
gelingt, durch seine Empfehlungen neue Kunden zu gewinnen.
Der Rückgewinnungsgewinn
(oder wie man so schön englisch sagt: Return on Customer Recovery):
Das sind die Rückgewinnungskosten im Verhältnis zum
Rückgewinnungsertrag. Dabei muss der Anteil der erfolgreichen
Rückgewinnung die Fehlschläge mitfinanzieren. Im Rückgewinnungsertrag
soll nicht nur der zurück gewonnene Umsatz berücksichtigt werden,
vielmehr sollen auch ideelle Werte wie Imagezugewinn, positive
Mundpropaganda, Lerngewinne etc. mit einbezogen sein.
Die Nachkalkulation der
Rückgewinnungskosten: das sind budgetierte Kosten zu tatsächlichen
Kosten. Was hierbei manchmal vergessen wird: Das entscheidende Ziel ist
nicht, sein Budget einzuhalten, sondern die maximal möglichen Ergebnisse
zu erzielen. Sollten die budgetierten Gelder dafür nicht reichen, muss
eben nachbudgetiert werden. Und wenn sich herausstellt, dass die
Ergebnisse aus der Rückgewinnung deutlich besser sind als die aus der
Neukunden-Akquise, sind die Budgets logischerweise umzuschichten.
Die
Abwanderungsbewegungen: Hierbei wird aufgezeichnet, zu welchen
Wettbewerbern die Kündiger abgewandert sind und welche jeweiligen
Wechselgründe dazu angegeben wurden. Ebenso kann erfasst werden, welche
Kunden man weshalb von der Konkurrenz (zurück) gewonnen hat. So lassen
sich Umverteilungsströme darstellen und nützliche Erkenntnisse gewinnen.
Gerade Mitarbeiter im Rückgewinnungsmanagement verfügen aufgrund ihrer
tief gehenden Kundengespräche über exzellente Wettbewerbskenntnisse.
Dies kann für die interne Marktforschung, für das Quality Management und
die Entwicklungsabteilung sehr hilfreich sein.
Weiter auf Seite 3
|