|
Kennzahlen zur
Kundenrückgewinnung - Wie Sie Kundenrückgewinnungserfolge messbar machen
von Anne M. Schüller (www.anneschueller.de)
Nur 13 Prozent aller
Unternehmen betreiben ein systematisches Kundenrückgewinnungsmanagement.
Dies ist das Ergebnis einer telefonischen Befragung unter 300
Führungskräften der deutschen Wirtschaft im Auftrag der Anne Schüller
Marketing Consulting. Mit einer planmäßigen Reaktivierung ihrer
verlorenen Kunden haben sich 48 Prozent der befragten Unternehmen nach
eigenen Angaben noch nie, 39 Prozent höchstens punktuell befasst. Und
nur bei knapp einem Drittel der Befragten wird die
Kundenfluktuationsrate regelmäßig gemessen. Offensichtlich zeigen die
meisten Unternehmen keinerlei Interesse an ihren abwandernden Kunden und
lassen diese ohne jeglichen Rückholversuch einfach ziehen.
Angesichts steigender Kosten
für die Neukundengewinnung und deutlich nachlassender Kundenloyalität
ist dieses Ergebnis alarmierend. Untersuchungen und Praxisberichte
zeigen immer wieder, dass ein großer Teil der abtrünnigen Kunden bereit
wäre, zurückzukehren, würde man sich nur ernsthaft um sie bemühen,
etwaige Probleme aus der Welt schaffen und ihnen die Rückkehr ein wenig
versüßen. Hierzu benötigen Unternehmen definierte Prozesse, befähigte
Mitarbeiter und das notwendige Know-how.
Der 3. Weg zu neuen Kunden
Unternehmen können auf drei
Arten Umsatz generieren, und zwar
• durch loyale Kunden, also
solche, die dem Unternehmen und seinen Leistungen emotional verbunden
sind, die deshalb gerne immer wieder kaufen und zu aktiven Empfehlern
werden: Das ist die ergiebigste Art.
• durch neue Kunden, die zum
ersten Mal bei einem Unternehmen kaufen: Das ist die aufwendigste und
kostenintensivste Art.
• durch abgesprungene, also
ehemalige Kunden, die zurück gewonnen werden können: Das ist die am
wenigsten beachtete Art.
Im Ex-Kundenkreis schlummert
ein beträchtliches Ertragspotenzial. Es ist nicht nur kostengünstiger,
sondern häufig auch leichter, abgesprungene Kunden zurückzuholen, als
Neukunden zu gewinnen. Die planmäßig betriebene Kundenrückgewinnung kann
sich zu einem zentralen Wettbewerbsvorteil entwickeln. Denn die durch
systematische Rückgewinnungsaktionen gewonnenen Erkenntnisse helfen ja
nicht nur, den Kundenstamm zu vergrößern, sie bringen Unternehmen auch
dazu, zukünftig präventiv tätig zu werden, um Kundenverluste von vorne
herein zu vermeiden. Wer mehr als einmal Geschäfte mit Kunden macht, für
den lohnt es sich immer, Zeit und Geld in die Kundenreaktivierung zu
investieren. In vielen Punkten ist sie der Neukunden-Akquise deutlich
überlegen.
Jedoch werden
Kundenverluste, wenn überhaupt registriert, meist tabuisiert oder als
Bagatellschaden abgetan. Ein Computer fehlt beim Inventar: großes Trara!
Ein Kunde - und damit ein Vielfaches an Wert - fehlt am Ende des Jahres:
Schulterzucken! Da kann man nichts machen, passiert halt, suchen wir uns
eben Neue! Über seine abtrünnigen Kunden schweigt man sich besser aus.
Sie sind offensichtlich der lebende Beweis für eine Niederlage. Lieber
beschäftigt man sich mit zweifelhaften Siegen im Neukunden-Geschäft -
selbst wenn diese mit hohen Streuverlusten und beträchtlichem
finanziellen Aufwand teuer erkauft werden.
Der Prozess des
Kundenrückgewinnungsmanagements
Das
Kundenrückgewinnungsmanagement beginnt dort, wo alle
Loyalisierungsmaßnahmen erfolglos blieben, wenn also der Kunde die
Geschäftsbeziehung offiziell beendet bzw. das Unternehmen
stillschweigend verlassen hat. Im Einzelnen geht es darum, zu erkennen,
wer aus welchen Gründen abgewandert ist und wen man wie zurückholen kann
und will, um es im zweiten Anlauf besser zu machen. Der Prozess des
Rückgewinnungsmanagements lässt sich somit in fünf Schritten darstellen:
1. Identifizierung der
verlorenen bzw. 'schlafenden' Kunden
2. genaue Analyse der
Verlustursachen
3. Planung und Umsetzung von Rückgewinnungsmaßnahmen
4.
Erfolgskontrolle und Optimierung
5. Prävention bzw. Aufbau einer ‚2.
Loyalität’.
Alle Maßnahmen zielen auf
den fünften Schritt: der Prävention von Kundenverlusten. Denn noch
besser als verlorene Kunden zu reaktivieren ist es, erst gar keine zu
verlieren. Und bei den zurück gewonnenen Kunden gilt es, eine ‚2.
Loyalität’ aufzubauen, was bedeutet: Die Gründe (diesmal) zu bleiben
sind besser als die Gründe (wieder) zu gehen. Eine dritte Chance gibt es
so gut wie nie.
Weiter auf Seite 2
|