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Bisher hat die
Forschung mehr zu den Problemen beigetragen als zu den Lösungen.
Egal, wie das gute
alte Grundmodell aus der Nachrichtentechnik in Tiefen-, Motivations-,
Wahrnehmungs-, Lern-, Erlebnis- und welche Psychologie auch immer
verpackt ist – es schlägt bei jeder Gelegenheit durch: Der Verkäufer
sendet, der Käufer empfängt und koppelt zurück.
Um diesen
Mechanismus geht es in der Forschung, die den Machern und Entscheidern
der bezahlten Kommunikation derzeit zur Verfügung steht. In erster Linie
ist das die Forschung für Marketing und Werbung. Wenn die Forschung in
Instituten stattfindet und der Theorie dient, trägt sie Bezeichnungen
wie Verhaltens-, Kommunikations- oder Verbraucherforschung. Wenn sie im
Unternehmen stattfindet und der Praxis dient, wird sie fast einstimmig
als Marktforschung bezeichnet. Weniger eindeutig ist, was das einzelne
Unternehmen unter Marktforschung versteht. Auf jeden Fall handelt es
sich um etwas, das über Wissen, Erfahrung, Intuition und ähnliche
Fähigkeiten der Marketing- und Kommunikationsleute hinausgeht, und das
man deshalb wissenschaftlich nennt.
Die gängige
Forschung für Werbung und verwandte Kommunikationsformen soll
herausfinden, wie man Menschen zu Zielgruppen zusammenfassen kann. Wie
Empfänger auf das reagieren, was der Sender sendet. Wie ein Reiz
variiert werden muss, damit sich eine Reaktion verändert. Es geht um die
Beziehung zwischen dem lernenden Pawlow und seinem lernenden Hund.
In der Forschung
haben wir eine exotische Situation: Zwischen Theorie, Praxis und
Forschung hat sich eine Dreiecksbeziehung herausgebildet, in der jeder
jedem zuarbeitet, und alle die Erkenntnisse aller verwerten. Jeder auf
der gleichen Grundlage, dem absenderlastigen, Reiz-Reaktion-bestimmten
Behaviorismus. Alle mit dem gleichen Ergebnis, der emotionalen
Bildkommunikation. Es trifft sich gut, dass es keine Rolle spielt, ob
die Bilderwelten nach den Strickmustern der Verhaltenstheorie oder nach
den
Spielregeln der
Kreativität entstehen. Bild statt Text, Form statt Inhalt, Auffallen
statt Interesse, Image statt Produkt. Die Werbung dreht sich um sich
selbst, und mit ihr jede Art von Kommunikation, die nach ihren
Strickmustern bestritten wird.
Die Theorie
betätigt die Praxis, die Praxis bestätigt die Theorie. Die Forschung
bestätigt beide und wird von beiden bestätigt. Die Kommunikation bleibt
bei den bekannten Strickmustern. Und bei den bekannten roten Zahlen.
Neues Denken,
neue Forschung.
Mit dem
geforderten Dreh um 180° verändert sich nicht nur unser
Kommunikationsmodell, sondern auch unsere Forschung.
Jetzt koppelt der
Verkäufer zurück auf das, was ihm der Käufer sendet. Die Forschung ist
für den Käufer die einzige Möglichkeit, dem Käufer zu sagen, was er von
ihm will. Und für den Verkäufer die einzige Möglichkeit, herauszufinden,
was er dem Käufer bieten muss. Das Geben und Nehmen auf Gegenseitigkeit
ist das einzige, was die beiden füreinander interessant macht – oder
eben nicht.
Die traditionelle
Forschung lässt die beiden entscheidenden Ereignisse der bezahlten
Kommunikation links liegen: Kontakt und Aktion.
Der Kontakt ist
kein Thema, denn er wird nicht von dem freilaufenden Käufer hergestellt,
sondern zwangsläufig durch den Forscher. Die meisten Menschen
beschäftigen sich mit einem Werbemittel nur dann, wenn sie es im Test
müssen. Freiwillig tun sie es, wenn man den Zahlen glauben darf, zu fünf
Prozent.
Die Aktion ist
kein Thema, denn alles dreht sich um die Aufmerksamkeit für die Form,
aber nicht um das Interesse für den Inhalt. Die Vorgaben kommen vom
Forscher und seinem Auftraggeber. Es ist wie beim Intelligenztest:
Intelligenz ist, was der Test ergibt. Zielgruppe, Aufmerksamkeit,
Bekanntheit, Einstellung oder Image ist, was die Marktforschung ergibt.
Der Mensch verhält sich als Testperson anders als in seinem Alltag.
Selbst bei der verdeckten Beobachtung ist er nicht der, der er ist,
sondern das, was sein Beobachter beobachten will. Forschungsergebnisse
sind Aussagen, die ohne Forschung nicht zustande gekommen wären. Die
Forscher nennen es „Laboreffekt“.
Nach dieser
Dramaturgie haben die Käufer keine Chance, zu sagen, was der Verkäufer
wissen muss.
Die Forschung sähe
anders aus, wenn ihre Dramaturgie von den Käufern käme. Die
Kommunikation auch.
Der Autor
Malte Altenbach,
gelernter Werbekaufmann und Diplom-Betriebswirt (FH), Kundenberater,
Kreativdirektor und Geschäftsführer in Werbeagenturen und
selbstständiger „Kreativer“, kennt das Kommunikationsgeschäft aus der
Arbeit für rund 200 Produkte, Dienstleistungen und Nonprofit-Projekte.
Auf allen Bereichen und Nachbarbereichen der Werbung, vom großen
Markenartikler bis zum mittelständischen Dienstleistungsbetrieb, vom
Investitionsgüter-Hersteller bis zum Ministerium.
Schon auf der
Werbefachschule hatte er seine Zweifel an dem, was Werbeleute über
Kommunikation lernen. Seitdem arbeitet er an einer effizienteren Theorie
für eine effizientere Praxis der bezahlten Kommunikation. Das Konzept
des Dritten Wegs zur Zielperson ist das Fazit aus mehreren Jahrzehnten
Erfahrung und Nachdenken.
Malte Altenbach
arbeitet in München und Heidelberg als Creative Consultant mit
Schwerpunkt Konzeption und Text.
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