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Von Oliver Recklies
Methoden zur Kreditrisikoquantifizierung
Exkurs: Das interne Rating im Kreditprozess
Der Kreditnehmer und Hinweise für seine zukünftigen Möglichkeiten
Exkurs: Das interne Rating (IRB)
Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht hat Anfang 2001 einen überarbeiteten Vorschlag zur Revision der internationalen
Eigenkapitalregelungen der Kreditinstitute vorgestellt. Aufgrund der aufgekommenen Diskussionen zur Nutzung bankinterner Ratings wird der kurz auch als „Basel II“ bezeichnete Entwurf erst in 2005 (01.01.2005) die seit 1988 gültigen Bestimmungen („Baseler Eigenkapitalübereinkunft“) und ihre Ergänzungen („Baseler Marktrisikopapiere“ aus 1993/1994/1996) ersetzen.
Hintergrund der neuen Regelungen sind die nicht mehr zeitgemäßen Vorschriften, die von einer pauschalen (8%igen) Unterlegung der Kredite mit Eigenkapital ausgehen. Experten hatten in der Vergangenheit immer wieder auf die fehlende Marktgerechtigkeit sowie den fehlenden Anreiz zu einem effizienten Einsatz von Kapital unter Berücksichtigung der eingegangenen Risiken hingewiesen.
Die Berechnung der Eigenkapitalunterlegung nach den neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung erfolgt dabei dann auf dieser neuen Grundlage:
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Bei der risikogewichtete Aktiva wird eine veränderte Berechnungsmethodik angewandt, wobei das operationale Risiko ein neu zu unterlegendes Risiko darstellt.
Zukünftig wird die pauschale Hinterlegung mit Eigenkapital durch eine Berücksichtigung der Risiken des einzelnen Kreditengagements ersetzt. Zur Ermittlung und Bewertung der Risiken wird dabei auf sogenannte Ratings zurückgegriffen. Das Problem dabei: Im angelsächsischen Raum sind Ratings von Unternehmen gang und gäbe. In Deutschland sind Ratings bisher nur für größere Unternehmen von Bedeutung gewesen, die als Emittenten von Wertpapieren auftreten wollten und sich über die Ausgabe von Anleihen fremdfinanziert haben. Daneben verfügten die Kreditinstitute in Deutschland über eine Vielzahl von bankinternen Verfahren, um ihre Kreditnehmer bewerten zu können. Diese Verfahren besaßen aber bisher keinen offiziellen Charakter. Durch eine Änderung des Baseler Entwurfs sind nun die bankinternen Ratings unter bestimmten Voraussetzungen auch für die Bewertung der Kreditrisiken zugelassen.
Als problematisch kann sich in Zukunft auch erweisen, dass langfristige Kredite mit einer höheren Kapitalunterlegung belastet werden. Hintergrund ist die Überlegung, dass bei länger laufenden Krediten die Gefahr des Ausfalls ansteigt. Das Problem hier: In Deutschland sind die Laufzeiten der Kredite im internationalen Vergleich länger.
Zur Risikoquantifizierung sind nach dem gegenwärtigen Entwurf aus Basel drei verschiedene Varianten möglich:
Bei der Standardmethode werden feste „risikosensitive“ Bonitätsgewichtsklassen eingesetzt und dabei auf die Ergebnisse eines externen Ratings zurückgegriffen. Beim internen Rating sind der sog. Basisansatz (die Bank schätzt nur die Ausfallwahrscheinlichkeit aufgrund der Bonitätseinstufung – die Bankenaufsicht schreibt alle anderen Parameter vor) und die fortgeschrittene Methode (die Bank schätzt ggf. alle notwendigen Parameter) zu unterscheiden. Die Kreditrisikomodelle werden derzeit von der Bankenaufsicht noch nicht anerkannt.
Die Bonitätssituation des Kreditnehmers und die sich daraus ggf. ergebende Ausfallwahrscheinlichkeit des Kredites kann aufgrund der neuen Regelung von einer Rating-Agentur oder von dem Kreditinstitut selbst ermittelt werden. Aufgrund der historischen Entwicklungen in Deutschland ist allerdings davon auszugehen, dass die Banken in Deutschland hauptsächlich interne Rating-Verfahren einsetzen und externe Ratings die Ausnahme bleiben.
Auf internationaler Ebene sind die drei Agenturen Moodys, Standard & Poors und Fitch die Keyplayer für das Rating von Unternehmen. Für mittelständische Unternehmen kommt aber aufgrund der Kostensituation ein Rating nur in bestimmten Fällen bzw. ab einer bestimmten Größenordnung der Kapitalmarkttransaktion in Frage, da die Kosten für ein Erstrating schnell TDM 100 erreichen können. Für die laufende Aktualisierung kommen noch einmal weitere Kosten hinzu (Fitch berechnet dafür eine Grundgebühr von TEUR 35). Dabei gibt es aber in Deutschland auch andere Lösungen: Die im Sommer 2000 gegründete Creditreform Rating erstellt Ratings für kleinere Unternehmen schon ab TDM 10.
Das bankeninterne Rating als Besonderheit der Ratingverfahren wird den Unternehmen aller Voraussicht nach nicht gesondert berechnet, sondern als allgemeiner Aufwand auf alle Kreditnehmer umgelegt. Insbesondere bei guten Bonitäten wird eine Kostenüberwälzung nur schwer durchsetzbar sein.
Grundsätzlich weisen auch die derzeitigen Informationen über die zukünftigen Kalkulationsschemen auf folgendes hin:
Das von den Banken vorgenommene Rating kann insgesamt unter drei verschiedenen Aspekten betrachtet werden:
Im Überblick können diese wie folgt zusammengefasst werden:
Generelle Verwendung | Allgemeine Qualitätsmerkmale | § Bewertung der Attraktivität der Kundenbeziehung § Festlegung der Häufigkeit der Kreditüberprüfung § Bewertung von Portfoliobestandteilen bei der Verbriefung (Securitization) § Beurteilung der Effektivität des Beurteilenden |
Qualitative Verlustmerkmale | § Kontrolle von Einzelengagements und des Portfolios § Bestimmung der Höhe der Eigenkapitalunterlegung § Analyse der Kreditverlustrückstellung § Preisgestaltung der Kredit-/Geschäftslinie und Rentabilitätsprüfung | |
Ermittlung des Ratings | Faktoren, die das Rating beeinflussen | § Finanzanalyse § Branchenanalyse § Qualität und Verfügbarkeit der Daten § Externe Bewertungen § Analytische Instrumentarien / Modelle § Management § Bedingungen der Fazilität § Sonstige Aspekte |
Bewertungskriterien | § Schriftliche / formelle Elemente § Subjektive / informelle Elemente § Eigene Erfahrungen und Einschätzung des Beurteilers | |
Permanente Beobachtungsprozesse | Linienüberprüfung (Kredit-Wiedervorlagen) | § Regelmäßige Überprüfung der Ratings im Zuge der fortlaufenden Kontrolle des Engagements § Periodische Überprüfung der Kundenbeziehung § Bezweckt die Überprüfung der Rentabilität / Sinnhaftigkeit sowie des Zustands der Kreditlinie |
Problemmanagement | § Häufige Überprüfung der Ratings bei Krediten mit gegenwärtigen oder zu erwartenden Problemen der Kreditbedienungskapazität § Bezweckt die Kontrolle der Kundenbeziehung und die Identifizierung des besten Weges zur Kreditverbesserung oder des Ausstiegs zu den geringsten Kosten | |
Permanente Kontrolle des Rating-Verfahrens | § Stichprobenkontrolle: Vergleich der Stichprobe mit Krediten schlechterer Risikostufen § Kontrolle der Bonitätsstufen anhand von ex-post-Vergleichen der Rating-Klassifizierungen mit Kreditausfällen § Verbesserung der Rating-Verfahren § Negative Konsequenzen für den ursprünglichen Beurteiler bei ständigen Abweichungen |
Anderseits besteht für den Kreditnehmer die Möglichkeit, stärker als bisher durch eigene Vorgabe und entsprechendes Verhalten erheblichen Einfluss auf die Kreditkonditionen zu nehmen. Dazu gehören insbesondere die folgenden Maßnahmen:
Die Auswertung des Ratings wird somit zukünftig eine zentrale Rolle im Kontakt Firmenkunde – Bank spielen. Der Kreditkunde sollte in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeit nutzen, sein eigenes Rating zu erfragen, das Ergebnis zu besprechen und sich nach dem Zustandekommen des Ratingergebnisses zu erkundigen. Hier können sich schon erste Ansatzpunkte für die zukünftige Verbesserung ergeben, so dass bei Einleitung von Maßnahmen mittelfristig die Finanzierungskosten des Unternehmen reduziert werden können. Die Kreditvergabe wird somit für Banken und Unternehmen zum betriebswirtschaftlichen Beratungsgespräch.
Um das interne Ratingverfahren zur Kreditrisikoquantifizierung einsetzen zu können, muss ein Kreditinstitut die folgenden Mindestanforderungen erfüllen:
© Oliver Recklies, September 01
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