Zukunftsperspektiven für die Unternehmensberatung
1
Triebkräfte
in der Branche. 1
2
Künftige
Entwicklungen. 2
2.1
Märkte und Marktsegmente 2
2.2
Die
Marktteilnehmer3
2.3
Personal4
2.4
Strukturelle Probleme. 5
3
Entscheidende
Erfolgsfaktoren 5
Die
Unternehmensberatung ist eine der dynamischsten Branchen Deutschlands. Sie ist
derzeit nicht nur durch hohe Wachstumsraten sondern auch durch erhebliche
Umwälzungen und Veränderungen geprägt. Dieser Artikel untersucht die Ursachen
für die Veränderungen in der Branche und zeigt zu erwartende künftige
Entwicklungen auf. Abschließend wird kurz dargestellt, welche Faktoren künftig
eine erfolgreiche Unternehmensberatungsgesellschaft ausmachen werden.
Eine
Marktanalyse zur gegenwärtigen Situation der Branche ist in dem Artikel
"Unternehmensberatung in Deutschland" veröffentlicht.
1
Triebkräfte in der Branche
Die
wesentlichsten Triebkräfte in der Beratungsbranche sind die Veränderungen,
denen die Mandanten ausgesetzt sind, der zunehmende Wettbewerb in der Branche
und die Entwicklung der Informationstechnologie und Telekommunikation.
In
der heutigen Zeit erfahren nahezu alle Wirtschaftszweige massive Veränderungen.
Die Entwicklungen auf den Gebieten der Informationstechnologie und
Telekommunikation können ganze Branchenstrukturen umbrechen – Branchengrenzen
weichen auf und bieten Branchenfremden Eintrittsmöglichkeiten, neue
Geschäftsmodelle und –prozesse entstehen, Liefer- und Leistungsketten werden aufgebrochen
und neu zusammengesetzt. Diese Veränderungen führen zu einem steigenden
Beratungsbedarf bei den Mandanten in Bezug auf die künftige strategische
Ausrichtung und die Implementierung neuer Lösungen. Für die Berater bedeutet
dies, dass sich auf diesen neuartigen Beratungsbedarf vorbereitet sein müssen.
Sie müssen die neusten Trends und Entwicklungen in Wirtschaft und Technologie
noch schneller aufnehmen als ihre Mandanten, und sie in verkaufbare Lösungen
umsetzen. Durch die Vielzahl der betroffenen Branchen und der dort
stattfindenden Veränderungen wird das Beratungsgeschäft immer dynamischer und
komplexer. Dieser Dynamik müssen die Berater durch höhere Flexibilität
entgegentreten.
Der
in vielen Branchen anhaltende Globalisierungstrend hat ebenfalls Auswirkungen
auf die Unternehmensberatung. Die Mandanten benötigen nicht nur Beratung bei
ihren Globalisierungsbemühungen, sie wünschen i.d.R. auch eine Beratung aus
einer Hand für all ihre internationalen Aktivitäten. Damit müssen die Berater
ihren Mandanten folgen und weltweite Netzwerke aufbauen.
Der
zunehmende Wettbewerb in der Branche bedeutet, dass sich kein Beratungshaus auf
seine erreichte Position oder seine geschaffene Nische verlassen kann. Sie
müssen ständig den Markt beobachten, neue Geschäftsmöglichkeiten identifizieren
und ihre Position gegenüber den Wettbewerbern neu beurteilen und ggf.
modifizieren.
Informationstechnologie
und Telekommunikation verändern nicht nur die Geschäftsprozesse der Mandanten,
sondern auch der Berater. Wissensaustausch, Informationsverarbeitung und das Schlagwort Knowledge-management sind Trends, die gerade in dieser
wissensbasierten Branche von besonderer Bedeutung sind. Die neuen Technologien
bieten hier leistungsfähige Lösungen an. Außerdem ermöglichen sie bei Bedarf
die Schaffung virtueller Teams, die Aufträge unabhängig von Raum und Zeit
gemeinsam bearbeiten können.
Auch
für kleinere Beratungshäuser sind diese Technologien ein Weg, die
größentypischen und regionalen Beschränkungen zu überwinden. Sie ermöglichen
neue Arten der Kooperation in virtuellen Netzwerken mit anderen Beratern.
2
Künftige Entwicklungen
2.1
Märkte und Marktsegmente
Für
den Gesamtmarkt der Unternehmensberatung kann ein weiteres Wachstum erwartet
werden. Die technologischen und politischen (Liberalisierung etc.)
Entwicklungen bringen für die Unternehmen in allen Branchen ständige
Veränderungen. Diese externen Veränderungen erfordern kontinuierliche
Anpassungen und Veränderungen im Unternehmen und schaffen somit neuen
Beratungsbedarf.
Auch
wenn sich das Marktwachstum etwas abschwächen wird, kann weiterhin mit
Wachstumsraten gerechnet werden, die deutlich über denen des
Bruttoinlandsprodukts liegen. Allerdings wird es weiterhin erhebliche
Verschiebungen zwischen den einzelnen Marktsegmenten bzw. Beratungsfeldern
geben. Die traditionelle Strategieberatung wird stagnieren, dafür aber immer
mehr mit der IT-Beratung verschmelzen. Neben dem IT-Bereich (einschließlich E-Business und
E-Commerce) werden die Hauptwachstumsgebiete im
Knowledge-Management, Organisational Learning, Personalmanagement, Change
Management und der Entwicklung globaler Strategien liegen.
Grundsätzlich
ist eine Verschiebung von der traditionellen Beratung zur Implementierung zu
erwarten. Das beinhaltet auch die Erwartung der Mandanten, dass der Berater bei
größeren Projekten einen Anteil am Risiko übernimmt. Dadurch kommt es zu
Veränderungen in der Honorarstruktur. Feste Stundensätze und vorab verhandelte
Honorarsätze werden teilweise durch flexible ergebnisabhängige Zahlungen oder
sogar Kapitalanteile ersetzt. Gerade dynamisch wachsende Start-ups entwickeln
eine neue Kultur - Leistung gegen Eigenkapital – sei es Venture Capital gegen
Unternehmensanteile oder Arbeitsleistung gegen Aktienoptionen. Ähnliche
Entwicklungen sind auch für Beratungsleistungen zu erwarten.
Der
Markt für Unternehmensberatung ist nur bedingt abhängig von
Konjunkturschwankungen. Ob im Aufschwung oder in der Rezession – Unternehmen
werden immer externe Beratung benötigen um ihr Wachstum zu gestalten oder sich
in einem rückläufigen Markt zu restrukturieren. "Das Einzige, was das
Geschäft mit der Veränderung wirklich bedrohen könnte, ist, dass die Welt in
eine Periode der Statik verfällt. Was passiert, wenn die Dinge aufhören, sich
zu verändern?" (Mick James in "Management Consultancy – a
handbook of best practice", 1998, Kogan Page Limited, London, S. 458)
Bei
den insgesamt guten Wachstumsaussichten der Branche bestehen auch künftig für
alle Marktteilnehmer gute Chancen. Branchenkenner gehen davon aus, dass der
Trend der Spezialisierung bei kleineren Unternehmen und der Ausrichtung als
Generalist bei großen Unternehmen anhalten wird.
Unter
den großen Beratungsgesellschaften wird die Konzentration eintreten, um
Marktanteile und Marktposition zu festigen. Dabei haben die Unternehmen zwei
Optionen. Die Big Five (Beratungs- und Prüfungsunternehmen) können sich
weiter zusammenschließen, so dass am Ende der Dekade noch drei große Konzerne
bestehen werden. Die Big Five haben darüber hinaus die Möglichkeit, speziell in
neuen Marktsegmenten durch Unternehmenszukäufe zu wachsen. Attraktive
Übernahmekandidaten sind insbesondere spezialisierte mittelgroße
Beratungshäuser mit einem gefestigten Kundenstamm und einer sehr guten
Reputation in ihrem Marktsegment. Ferner bestünde die Möglichkeit, dass sich
andere größere Beratungsfirmen zusammenschließen und somit in die Gruppe der
dominanten Big's aufschließen. Alle diese aufgezeigten Optionen führen zu einer
weiteren Konzentration in der Gruppe der führenden Beratungsfirmen. Der
Wettbewerbsdruck in dieser Gruppe wird zunehmen, da es stets nur eine begrenzte
Zahl Top-500-Mandanten geben wird. Weitere Marktanteile werden die Marktführer
dann hauptsächlich in den traditionellen Tätigkeitsfeldern der mittelgroßen
Beratungsfirmen zu gewinnen suchen. Damit erhöht sich wiederum der Wettbewerbs-
und Konzentrationsdruck auf diese Gruppe.
Wie
bereits dargestellt, werden sich viele der kleineren Beratungsgesellschaften
weiter spezialisieren. Eine Spezialisierung kann eine stabile Marktposition in
der jeweiligen Nische sichern. Sie kann aber auch – insbesondere bei sehr
dynamischen Marktentwicklungen – zu Verlierern führen, die nicht in der Lage
sind, schnell genug auf die geänderten Verhältnisse zu reagieren.
Im
Ergebnis dieser beiden Trends ist eine starke Polarisierung des Marktes zu
erwarten – zwischen großen weltweit agierenden Beratungskonzernen und kleinen
spezialisierten Nischenanbietern. Dadurch wird eine bestimmte mittelständisch
geprägte Kundengruppe von beiden Gruppen der Beratungsunternehmen nur
unzureichend bedient werden. Dieses mittlere Marktsegment entwickelt sich somit
wieder zu einer interessanten Zielgruppe. Es bestehen drei
Entwicklungsmöglichkeiten: die großen Beratungsfirmen könnten für sie effektive
Prozesse entwickeln, um auch dieses Segment bearbeiten zu können; die kleinen
Firmen könnten Netzwerke bilden, um die komplexen Bedürfnisse der
mittelständischen Mandanten durch die ad hoc-Formierung virtueller größerer
Beratungsgruppen zu bedienen; es könnte zu einer Renaissance echter
mittelständischer Unternehmensberatungen kommen.
Eine
weitere Entwicklung unter den Unternehmensberatungen wird durch neu eintretende
Marktteilnehmer hervorgerufen. Ein weiterhin hohes Marktwachstum und Chancen
für ein Cross-selling der verschiedensten Leistungen wird viele
Nicht-Beratungsgesellschaften in diesen Markt locken. IT-Firmen wie IBM haben
den Weg aufgezeigt. Banken werden höchstwahrscheinlich folgen. Einige von ihnen
haben bereits Tochtergesellschaften zur Unternehmensberatung gegründet (z.B:
DMC Dresdner Management Consulting, einer Tochter der Dresdner Bank AG). Noch
sind diese Banken-Töchter vorrangig auf Vermittlung der Mutterhäuser für
Bankkunden tätig - meist zur Vermeidung von Ausfällen oder Begutachtung von
Unternehmenskonzepten der Kunden. Die Kundenbasis und Finanzkraft der
Mutterhäuser können diesen Beratungsgesellschaften einen exzellenten
Marktzutritt verschaffen. Auch Telekommunikationsfirmen bieten heute schon
Beratung und Hilfe bei der Konzeption unternehmensinterner Datennetze an.
Letztlich kann nahezu jedes Unternehmen, das über Expertenwissen auf einem bestimmten
Gebiet verfügt, dieses als Beratungsleistung mit seinen eigentlichen Produkten
bündeln oder auch unabhängig von diesen verkaufen. Selbstverständlich wird auch
weiterhin mit Markteintritten von einzelnen Beratern und kleinen Gesellschaften
zu rechnen sein.
Diese
Eintrittswelle von neuen Marktteilnehmern wird einen doppelten Effekt haben.
Zum Einen verschärft sie den Wettbewerb und wird letztlich zu weiteren
Unternehmenszusammenschlüssen führen. Aber auch einige Zusammenbrüche werden
gerade in der Gruppe der kleineren Beratungsfirmen die Folge sein. Weiterhin
kann nicht gewährleistet werden, dass wirklich alle Marktteilnehmer die von der
Allgemeinheit unterstellte Qualität erbringen. Gerade unter den Neueinsteigern
werden auch schwarze Schafe sein, die mit ihren Qualitätsproblemen den Ruf der
gesamten Branche beeinträchtigen könnten.
2.3
Personal
Die
Personalrekrutierung wird trotz der zu erwartenden Konzentrationswelle ein
Problem bleiben. Anders als in den meisten Branchen führen Fusionen bei Beratern
nicht unbedingt zu Entlassungen. Sie sind vielmehr die Grundlage für weiteres
Wachstum und dieses kann nur mit zusätzlichem Personal erreicht werden. Daher
werden gerade die großen Firmen aggressiv um die "High–potentials"
werben. Das Ergebnis könnte durchaus ein Preiskrieg sein, der die
Personalkosten nach oben treibt und die Loyalität der so umworbenen Berater
senkt.
Kleinere
Firmen, die ihre Mitarbeiter nicht mit dem Scheckbuch für sich überzeugen
können, werden ihr Handicap bei der Gewinnung wirklich guter Mitarbeiter durch
Schaffung neuer Unternehmenskulturen und Arbeitsstile überwinden können. Ihre
Chance ist es, damit eher unternehmerisch eingestellte und auf die persönliche
Entfaltung bedachte Angestellte anzuziehen.
Insgesamt
ist für den Bereich des Personalwesens mit einer Flexibilisierung und
Individualisierung der Arbeitsformen zu rechnen.
2.4
Strukturelle Probleme
Die
großen Beratungsgesellschaften werden sich strukturellen Problemen
gegenübersehen, deren Basis bereits heute gelegt ist. Sie ergeben sich u.a. aus
ihrer Struktur als Partnerschaften. Diese Rechtsform erschwert die Aufnahme
größerer Summen an Eigenkapital. In der Vergangenheit war dies für eine mehr
personal- als kapitalintensive Branche kein Problem. In der heutigen Zeit
gewinnen jedoch IT-Systeme und Knowledge-Management-Systeme erheblich an
Bedeutung. Ihre Implementierung ist mit Kosten verbunden, die auf herkömmliche
Weise kaum noch getragen werden können. Daher ist zu erwarten, dass zumindest
einige der größren Beratungsfirmen eine Änderung der Rechtsform und
Börsennotierung in Betracht ziehen werden. Auch die fortschreitende
Globalisierung ist für Unternehmensberatungen nicht ganz unproblematisch. Die
globale Beratungsfirma benötigt einerseits intern eine einheitliche Kultur und
vereinheitlichte Abläufe, um Synergieeffekte nutzen zu können. Andererseits
erwarten die Mandanten eine Kundennähe, die nur durch Anpassung an lokale
Gegebenheiten und Kulturen erreicht werden kann. Ähnliche Integrationsprobleme
werden sich auch bei weiteren Fusionen ergeben. Die Bewältigung solcher
Post-Merger-Probleme kann u.U. erhebliche Managementkapazitäten binden und den
Fokus zu sehr nach innen richten. Wenn dadurch die Kundenfokussierung abnimmt,
ergäben sich gute Marktchancen für innovativere und proaktivere
Marktteilnehmer.
Darüber
hinaus kommt es für die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften
zunehmend zu Problemen in Bezug auf Vorschriften zur beruflichen
Unabhängigkeit. Die enge Verknüpfung von Prüfung und Beratung und das aktive
Cross-selling erweisen sich nun als Hemmschuh. Eine führende Rolle in dieser
Entwicklung spielt hier die amerikanische Börsenaufsicht SEC. Die jüngste
Entwicklung zeigt bereits, dass die führenden Firmen ihre Beratungsaktivitäten rechtlich
von Prüfungsgeschäften der Mutterhäuser abspalten, indem sie diese entweder
verkaufen oder in die rechtliche Selbständigkeit entlassen. Die
Beratungsgeschäfte erhalten dadurch weit mehr Unabhängigkeit auch in Bezug auf
ihre Marketing- und Akquise-Aktivitäten. Ihr Marktauftritt dürfte somit
aggressiver werden.
3
Entscheidende
Erfolgsfaktoren
Ausgehend
von der gegenwärtigen Situation der Branche und den zu erwartenden
Entwicklungen sind die folgenden Faktoren von entscheidender Bedeutung für den
Erfolg eines jeden Beratungsunternehmens:
·
Wissen und
Knowledge-Management
Die Branche ist in hohem Maße angewiesen auf das Wissen und die Erfahrungen der
Mitarbeiter. In einer Umwelt, die durch zunehmende Komplexität gekennzeichnet
ist, ist es entscheidend, den Austausch und die Verbreitung des vorhandenen
Wissens im ganzen Unternehmen zu ermöglichen. Nur dadurch kann eine optimale
Ausnutzung der Ressource Wissen und eine Besetzung jedes Projektes mit den am
besten geeigneten Mitarbeitern gewährleistet werden.
·
Innovation
Innovation beinhaltet die stetige Beobachtung der Umwelt. Für
Beratungsunternehmen ist es wichtig, schnellstmöglich Lösungen für neu
entstehende Probleme oder Trends zu entwickeln, um diese parat zu haben, wenn
die Mandanten ihren Beratungsbedarf in dieser Angelegenheit erkennen. Nur die
kontinuierliche Annahme und Umsetzung der neusten Entwicklungen in Wirtschaft
und Technologie wird künftig noch zu den Fähigkeiten und Kenntnissen führen,
die an Mandanten verkauft werden können.
·
Qualität /
Reputation
Die Beratungsbranche ist eine Dienstleistungsbranche. Daher ist sie in hohem
Maße abhängig davon, wie die Mandanten die Qualität ihrer Arbeit beurteilen.
Hohe Qualität und eine entsprechende Reputation sind entscheidende
Voraussetzungen um neue Mandanten zu gewinnen und mit bestehenden Mandanten
eine dauerhafte Beziehung aufzubauen.
·
Netzwerke /
Allianzen
Gerade kleinere und spezialisierte Unternehmensberatungen benötigen ein
Netzwerk an Partnerunternehmen. Durch Empfehlungen können neue Aufträge
gewonnen werden. Wichtiger wird in Zukunft jedoch sein, dass sich verschieden
ausgerichtete Beratungsfirmen im Bedarfsfall zu Kooperationen
zusammenschließen, um auch umfangreichere oder vielschichtigere Aufträge
annehmen zu können.
© Dagmar Recklies 2001
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