China erstmals auf Platz Eins
China wird mit 47 Prozent erstmals als attraktivstes Zielland für Investitionen
angesehen, auf dem zweiten Platz folgt Indien, das sich im Vergleich zu 2007 vom
dritten auf den zweiten Platz verbessert und aktuell von 30 Prozent der
Befragten als Top-Standort angesehen wird. Russland steigt vom fünften auf den
dritten Platz. 21 Prozent der Befragten bezeichnen Russland als einen der
attraktivsten Investitionsstandorte der Welt – im Vorjahr lag der Anteil der
Nennungen nur bei 12 Prozent.
Die USA haben hingegen erheblich an Attraktivität verloren: Während 2007 noch
33 Prozent der Befragten die USA als Top-Standort bezeichnet hatten, schrumpft
der Anteil der USA-Nennungen 2008 auf nur noch 18 Prozent. „Die US-Wirtschaft
befindet sich zurzeit in einer Schwächephase: Immobilienkrise, Finanzkrise und
die drohende Rezession belasten den Standort“, stellt Englisch fest.
„Andererseits: Durch den schwachen Dollar können Unternehmen in den Vereinigten
Staaten sehr günstig für den Export z. B. nach Europa produzieren. Wenn die
Finanzkrise überwunden ist und der Dollar so schwach bleibt, könnten wir eine
Renaissance des Produktions- und damit Investitionsstandorts USA erleben“,
prognostiziert Englisch.
Schwellenländer entwickeln sich zu Top-Investitionsstandorten
Die Veränderungen im weltweiten Standortranking zeigen, dass Investoren
zunehmend auf Schwellenländer setzen: Erstmals taucht keine der etablierten
Industrienationen in den Top-3 des Rankings auf. Stattdessen machen die
Schwellenländer China, Indien und Russland die drei ersten Plätze unter sich
aus.
„China, Indien und Russland sind weiter auf dem Vormarsch“, kommentiert
Englisch. „Diese Länder bieten das, was Investoren suchen: große unerschlossene
Märkte und damit erhebliche Wachstumspotenziale. Da können die etablierten
großen Industrienationen wie die USA und Deutschland schlichtweg nicht
mithalten“.
Lob für Deutschlands Infrastruktur
Deutschland kann nach Meinung der befragten Manager besonders bei der Qualität
der Verkehrswege und der Telekommunikationsnetze sowie bei der Qualifikation der
Beschäftigten punkten. Alle drei Bereiche werden allerdings etwas schlechter
beurteilt als im Vorjahr. Ebenfalls eine abfallende Tendenz ist bei der
Bewertung von Forschung und Entwicklung festzustellen: 2006 bezeichneten noch 73
Prozent der Befragten Deutschland in diesem Punkt als attraktiv, 2007 waren es
70 Prozent, aktuell liegt der Wert bei 67 Prozent.
Zu den Schwächen des Standorts Deutschland zählen aus Sicht der befragten
Manager insbesondere die mangelnde Flexibilität des Arbeitsrechts und die hohen
Arbeitskosten. „Deutschland hat nach wie vor bei den Arbeitskosten international
einen Wettbewerbsnachteil“, urteilt Englisch. „Allerdings sehen die Investoren,
dass die Produktivität in Deutschland überdurchschnittlich steigt und die realen
Lohnstückkosten – anders als in vielen anderen europäischen Ländern – sogar
sinken.“
Für Unternehmen mit einem hohen Anteil der Arbeitskosten an der
Gesamtwertschöpfung sei dennoch Deutschland im Vergleich etwa zu den
osteuropäischen Ländern oft kaum konkurrenzfähig. Englisch betont aber:
„Niedrige Löhne sind nicht allein ausschlaggebend bei der Standortwahl. Billig
ist nicht automatisch gut – das wissen die Investoren“.
Warnsignale für den Standort Deutschland
Die schwächeren Beurteilungen Deutschlands bei der Qualifikation der
Arbeitskräfte und der Qualität von Forschung und Entwicklung sind Warnsignale
für den Standort, so Englisch: „Der Hochtechnologie- und Hochlohnstandort
Deutschland kann nur dann international wettbewerbsfähig bleiben, wenn wir
massiv in Bildung und Ausbildung investieren. Wir können nicht billiger sein als
Osteuropäer oder Chinesen, aber wir können besser sein.“ Noch sei die Lage in
Forschung und Entwicklung kein akutes Problem, urteilt Englisch, aber:
„Deutschlands Position als Qualitäts- und Innovationsführer ist nicht in Stein
gemeißelt“.
Deutschland eines der innovativsten Länder der Welt
Weltweit gilt Deutschland als innovativer Standort: 83 Prozent der befragten
Manager internationaler Unternehmen bewerten die Innovationsfähigkeit in
Deutschland positiv – jeder fünfte sehr positiv. Im Vergleich mit anderen
Ländern schneidet Deutschland außerordentlich gut ab: In der „Weltrangliste“ der
innovativsten Länder steht Deutschland hinter den USA und China auf dem dritten
Rang – 31 Prozent der Befragten bezeichnen Deutschland als einen von drei
besonders innovativen Standorten. 50 Prozent entscheiden sich für die USA, 34
Prozent für China. Dicht hinter Deutschland rangieren Japan und Indien – weit
abgeschlagen dahinter europäische Länder wie Großbritannien und Frankreich.
Insgesamt werden asiatische Länder von 65 Prozent der Befragten genannt,
westeuropäische nur von 52 Prozent. „Die Befragungsergebnisse zeigen, wie eng
inzwischen das Rennen zwischen den wichtigen High-Tech-Standorten ist und welche
Bedeutung Asien aus Sicht der Unternehmen heute schon hat“.
Wie groß die Herausforderung ist, vor der die etablierten Industrieländer
einschließlich Deutschlands stehen, zeigen die Ergebnisse zu der Frage, wo aus
Sicht der Befragten die „Googles“ oder „Microsofts“ der Zukunft entstehen werden
– also Unternehmen, die es schaffen, sich innerhalb kürzester Zeit als
Weltmarktführer im Software/Hochtechnologie-Bereich zu etablieren. Hier spielt
Deutschland nach Meinung der Befragten ganz klar in der zweiten Liga: Die USA,
China und Indien werden demnach die Heimat solcher zukünftiger Giganten sein.
Nur 12 Prozent der Befragten glauben, dass Deutschland entsprechende Potenziale
hat. „Man traut den Deutschen den nötigen Unternehmergeist nicht zu – und
tatsächlich fehlt es in Deutschland an einer Kultur des Unternehmertums bzw. der
Selbständigkeit, die auch eine Kultur des möglichen Scheiterns einschließt“,
stellt Englisch fest.
Sympathien größer als tatsächlich erfasste Direktinvestitionen
Die von den Managern in der Umfrage gefühlte Attraktivität des Standorts
Deutschland deckt sich nicht ganz mit den für die Studie erhobenen Zahlen zu
Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen in Europa. Danach konnte
Deutschland 2007 nur acht Prozent der ausländischen Direktinvestitionen in
Europa auf sich vereinigen. Damit lag Deutschland mit deutlichem Abstand hinter
Großbritannien (Marktanteil: 19 Prozent) und Frankreich (15 Prozent).
Das schwache Abschneiden Deutschlands in dieser Statistik ist allerdings
wesentlich auf Probleme bei der Erfassung von Investitionsprojekten
zurückzuführen: „Wir haben in Deutschland im Bereich der Direktinvestitionen
eine hohe Dunkelziffer. Das liegt nicht zuletzt daran, dass wir eine andere
Offenlegungskultur haben, eine wesentlich schlechtere als beispielsweise die
angelsächsischen Länder. Viele Investitionsprojekte bleiben unveröffentlicht.“
Download
Sie haben die Möglichkeit, die Studie
hier als Download (PDF - 1,4 MB, 40 Seiten) zu
lesen.
Quelle: Pressemitteilung der Ernst & Young AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft