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Pressemitteilung - Pressemitteilung im Managementportal

 

 

Deutschland bleibt Top-Standort in Westeuropa

Sechster Platz im weltweiten Standortranking / Russland und Polen erstmals vor Deutschland / Deutschland bleibt aus Sicht internationaler Unternehmen aber attraktivster westeuropäischer Standort / USA verlieren erheblich an Attraktivität / Deutschland wird als Innovationsstandort geschätzt

Deutschland kann sich aus Sicht ausländischer Manager als führender Standort in Westeuropa behaupten, rutscht aber im Ranking der weltweit attraktivsten Standorte vom vierten auf den sechsten Platz. Erstmals können sich in diesem Jahr Russland und Polen vor Deutschland platzieren. Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young zur Attraktivität des Wirtschaftsraums Europa. Befragt wurden Entscheider von 834 internationalen Unternehmen. Vertiefende Fragen zum Standort Deutschland richteten sich an weitere 205 ausländische Unternehmen.

Im Vergleich zu 2007 verliert Deutschland unter den befragten Managern an Attraktivität: Nur noch zehn Prozent bezeichnen Deutschland als einen der drei Top-Standorte weltweit – im Vorjahr lag der Anteil noch bei 18 Prozent. Dennoch kann sich Deutschland – als einziges westeuropäisches Land – weiter in der Gruppe der zehn attraktivsten Standorte der Welt behaupten. Großbritannien und Frankreich finden sich nicht mehr in dieser Liste wieder.

 

 

 

"Angesichts der enormen wirtschaftlichen Dynamik von Länden wie China, Indien und Russland verliert Deutschland relativ gesehen an Attraktivität“, stellt Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young, fest. „Dennoch: Aus Sicht der Investoren ist Deutschland das einzige westeuropäische Land, das im weltweiten Standortwettbewerb in der ersten Liga mitspielt. Die Unternehmen honorieren, dass Deutschland sich wieder als Wachstumslokomotive in Europa etabliert hat. Das hätte noch vor wenigen Jahren kaum jemand erwartet“, so Englisch.

 

 

China erstmals auf Platz Eins
China wird mit 47 Prozent erstmals als attraktivstes Zielland für Investitionen angesehen, auf dem zweiten Platz folgt Indien, das sich im Vergleich zu 2007 vom dritten auf den zweiten Platz verbessert und aktuell von 30 Prozent der Befragten als Top-Standort angesehen wird. Russland steigt vom fünften auf den dritten Platz. 21 Prozent der Befragten bezeichnen Russland als einen der attraktivsten Investitionsstandorte der Welt – im Vorjahr lag der Anteil der Nennungen nur bei 12 Prozent.

Die USA haben hingegen erheblich an Attraktivität verloren: Während 2007 noch 33 Prozent der Befragten die USA als Top-Standort bezeichnet hatten, schrumpft der Anteil der USA-Nennungen 2008 auf nur noch 18 Prozent. „Die US-Wirtschaft befindet sich zurzeit in einer Schwächephase: Immobilienkrise, Finanzkrise und die drohende Rezession belasten den Standort“, stellt Englisch fest. „Andererseits: Durch den schwachen Dollar können Unternehmen in den Vereinigten Staaten sehr günstig für den Export z. B. nach Europa produzieren. Wenn die Finanzkrise überwunden ist und der Dollar so schwach bleibt, könnten wir eine Renaissance des Produktions- und damit Investitionsstandorts USA erleben“, prognostiziert Englisch.

Schwellenländer entwickeln sich zu Top-Investitionsstandorten
Die Veränderungen im weltweiten Standortranking zeigen, dass Investoren zunehmend auf Schwellenländer setzen: Erstmals taucht keine der etablierten Industrienationen in den Top-3 des Rankings auf. Stattdessen machen die Schwellenländer China, Indien und Russland die drei ersten Plätze unter sich aus.

„China, Indien und Russland sind weiter auf dem Vormarsch“, kommentiert Englisch. „Diese Länder bieten das, was Investoren suchen: große unerschlossene Märkte und damit erhebliche Wachstumspotenziale. Da können die etablierten großen Industrienationen wie die USA und Deutschland schlichtweg nicht mithalten“.

Lob für Deutschlands Infrastruktur
Deutschland kann nach Meinung der befragten Manager besonders bei der Qualität der Verkehrswege und der Telekommunikationsnetze sowie bei der Qualifikation der Beschäftigten punkten. Alle drei Bereiche werden allerdings etwas schlechter beurteilt als im Vorjahr. Ebenfalls eine abfallende Tendenz ist bei der Bewertung von Forschung und Entwicklung festzustellen: 2006 bezeichneten noch 73 Prozent der Befragten Deutschland in diesem Punkt als attraktiv, 2007 waren es 70 Prozent, aktuell liegt der Wert bei 67 Prozent.

Zu den Schwächen des Standorts Deutschland zählen aus Sicht der befragten Manager insbesondere die mangelnde Flexibilität des Arbeitsrechts und die hohen Arbeitskosten. „Deutschland hat nach wie vor bei den Arbeitskosten international einen Wettbewerbsnachteil“, urteilt Englisch. „Allerdings sehen die Investoren, dass die Produktivität in Deutschland überdurchschnittlich steigt und die realen Lohnstückkosten – anders als in vielen anderen europäischen Ländern – sogar sinken.“

Für Unternehmen mit einem hohen Anteil der Arbeitskosten an der Gesamtwertschöpfung sei dennoch Deutschland im Vergleich etwa zu den osteuropäischen Ländern oft kaum konkurrenzfähig. Englisch betont aber: „Niedrige Löhne sind nicht allein ausschlaggebend bei der Standortwahl. Billig ist nicht automatisch gut – das wissen die Investoren“.

Warnsignale für den Standort Deutschland
Die schwächeren Beurteilungen Deutschlands bei der Qualifikation der Arbeitskräfte und der Qualität von Forschung und Entwicklung sind Warnsignale für den Standort, so Englisch: „Der Hochtechnologie- und Hochlohnstandort Deutschland kann nur dann international wettbewerbsfähig bleiben, wenn wir massiv in Bildung und Ausbildung investieren. Wir können nicht billiger sein als Osteuropäer oder Chinesen, aber wir können besser sein.“ Noch sei die Lage in Forschung und Entwicklung kein akutes Problem, urteilt Englisch, aber: „Deutschlands Position als Qualitäts- und Innovationsführer ist nicht in Stein gemeißelt“.

Deutschland eines der innovativsten Länder der Welt
Weltweit gilt Deutschland als innovativer Standort: 83 Prozent der befragten Manager internationaler Unternehmen bewerten die Innovationsfähigkeit in Deutschland positiv – jeder fünfte sehr positiv. Im Vergleich mit anderen Ländern schneidet Deutschland außerordentlich gut ab: In der „Weltrangliste“ der innovativsten Länder steht Deutschland hinter den USA und China auf dem dritten Rang – 31 Prozent der Befragten bezeichnen Deutschland als einen von drei besonders innovativen Standorten. 50 Prozent entscheiden sich für die USA, 34 Prozent für China. Dicht hinter Deutschland rangieren Japan und Indien – weit abgeschlagen dahinter europäische Länder wie Großbritannien und Frankreich. Insgesamt werden asiatische Länder von 65 Prozent der Befragten genannt, westeuropäische nur von 52 Prozent. „Die Befragungsergebnisse zeigen, wie eng inzwischen das Rennen zwischen den wichtigen High-Tech-Standorten ist und welche Bedeutung Asien aus Sicht der Unternehmen heute schon hat“.

Wie groß die Herausforderung ist, vor der die etablierten Industrieländer einschließlich Deutschlands stehen, zeigen die Ergebnisse zu der Frage, wo aus Sicht der Befragten die „Googles“ oder „Microsofts“ der Zukunft entstehen werden – also Unternehmen, die es schaffen, sich innerhalb kürzester Zeit als Weltmarktführer im Software/Hochtechnologie-Bereich zu etablieren. Hier spielt Deutschland nach Meinung der Befragten ganz klar in der zweiten Liga: Die USA, China und Indien werden demnach die Heimat solcher zukünftiger Giganten sein. Nur 12 Prozent der Befragten glauben, dass Deutschland entsprechende Potenziale hat. „Man traut den Deutschen den nötigen Unternehmergeist nicht zu – und tatsächlich fehlt es in Deutschland an einer Kultur des Unternehmertums bzw. der Selbständigkeit, die auch eine Kultur des möglichen Scheiterns einschließt“, stellt Englisch fest.

Sympathien größer als tatsächlich erfasste Direktinvestitionen
Die von den Managern in der Umfrage gefühlte Attraktivität des Standorts Deutschland deckt sich nicht ganz mit den für die Studie erhobenen Zahlen zu Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen in Europa. Danach konnte Deutschland 2007 nur acht Prozent der ausländischen Direktinvestitionen in Europa auf sich vereinigen. Damit lag Deutschland mit deutlichem Abstand hinter Großbritannien (Marktanteil: 19 Prozent) und Frankreich (15 Prozent).

Das schwache Abschneiden Deutschlands in dieser Statistik ist allerdings wesentlich auf Probleme bei der Erfassung von Investitionsprojekten zurückzuführen: „Wir haben in Deutschland im Bereich der Direktinvestitionen eine hohe Dunkelziffer. Das liegt nicht zuletzt daran, dass wir eine andere Offenlegungskultur haben, eine wesentlich schlechtere als beispielsweise die angelsächsischen Länder. Viele Investitionsprojekte bleiben unveröffentlicht.“

Download
Sie haben die Möglichkeit, die Studie hier als Download (PDF - 1,4 MB, 40 Seiten) zu lesen.

 

Quelle: Pressemitteilung der Ernst & Young AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

 

 

 

 

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Stand: 17. Oktober 2010