Slywotzky beschreibt drei Disziplinen, die das Management ständig optimieren
kann: Ermittlung der wirklichen Erfolgschancen, Erkennen der frühesten
Warnzeichen und ständiger Vergleich des Risikoprofils des eigenen Business
Designs mit denen anderer Unternehmen. Zudem plädiert er bei
Neugeschäftsprojekten für geringe finanzielle Risiken, kleine, aber schnelle
Schritte und das Einziehen möglichst vieler Sicherheitsnetze.
Die sieben zentralen Unternehmensrisiken und -chancen
1. Wichtige Projekte misslingen: Die Erfolgschancen wichtiger Projekte wie die
Entwicklung neuer Produkte werden meist stark überschätzt. Doch durch bewährte
Techniken, etwa die
Stepping-Stone-Technik, können sie positiv beeinflusst werden. So stellt die
Version 1.0 eines Microsoft-Programms die erste für den Markt geeignete Fassung
dar. 2.0 ist durch die
Erfahrungen mit dem Vorgänger deutlich besser und Version 3.0 schließlich weit
überlegen.
2. Die Kundenprioritäten ändern sich: Kunden wählen nach neuen
Kriterien aus, ihre Situation ändert sich, sie haben weniger Geld, es gibt neue
attraktive Angebote – die Gründe,
warum Kunden plötzlich ausbleiben, sind vielfältig. Wer den Markt laufend
beobachtet, Kundenforschung und Kaufanalysen betreibt und einen ständigen Strom
an Pilotprodukten im
Markt hat, kann seine Risiken minimieren und gleichzeitig neue Chancen nutzen.
3. Die Branche steht an einem Scheideweg: Von Analog- zu Digitalkameras, von
der VHSKassette zur DVD, von Versicherungsmaklern zum Direktverkauf – wenn sich
die bestehenden
Technologien oder Business Designs einer Branche stark verändern, überstehen 80
Prozent der Firmen diesen Übergang nicht. Viele setzen auf eine bestimmte
Technologie, doch sollten
immer parallele Alternativen und Umstiegsszenarien entwickelt werden.
4. Bedrohung durch einen großen Wettbewerber: In vielen Branchen tauchen
große Player auf, die sich durch den dichten Wettbewerb drängeln und schnell die
Spielregeln verändern –
siehe Amazon, Ebay und Google. Auch China oder Indien bündeln günstiges Personal
und eine verbesserte Infrastruktur zu starker Wettbewerbskraft. Wer eine solche
Bedrohung
erkennt, sollte einen neuen Weg suchen und das anbieten, was der Wettbewerber
nicht kann.
5. Der Markenwert erodiert: Eine Marke steht für bestimmte Werte, doch können
diese durch Veränderungen im Angebotsumfeld oder bei den Kundenprioritäten ins
Negative umschlagen. Bei erodierendem Markenwert muss der Markenkern neu
definiert und das Unternehmen auf einen neuen Kurs gebracht werden. Samsung,
Ende des letzten Jahrzehnts noch ein Synonym für billig, schaffte die
Neupositionierung zu einer High-End-Marke innerhalb kurzer Zeit.
6. Die Profitabilität schwindet: Auch innovative und wachstumsstarke Branchen
wie die Unterhaltungselektronik leiden unter zunehmender Konkurrenz, steigender
Kundenmacht und
sinkenden Gewinnspannen. Entscheidend kann die Kooperation mit Wettbewerbern
sein, vor allem bei Aktivitäten, die kaum Differenzierung bieten. Das spart
Geld, die Gewinnspannen
steigen und die freigesetzten Mittel können für differenzierende Angebote
verwendet werden.
7. Das Unternehmen hat seine Wachstumsgrenzen erreicht: Manche Unternehmen
stoßen an ihre Wachstumsgrenze und beginnen zu stagnieren, obwohl Umsatz und
Ertrag noch gut
sind. Hier hilft es, den Kunden genau zu kennen und daraus eine Quelle neuer
Nachfrage zu erzeugen. 1995 fand Procter & Gamble heraus, dass niemand für Staub
und kleine
Schmutzteilchen den schweren Staubsauger benutzt. So wurde Swiffer – ein
handlicher Reiniger mit elektrostatischer Anziehungskraft – fünf Jahre nach
Markteinführung ein Produkt
mit einem Umsatz von einer Milliarde US-Dollar.
Der Autor
Adrian J. Slywotzky ist Partner der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Er hat
bereits zahlreiche Bücher und Aufsätze veröffentlicht. In den USA gilt Slywotzky
laut Industry Week als „Peter Drucker des 21. Jahrhunderts“. Auf Deutsch
erschienen bisher „Strategisches Business Design“ (1997), „Die Gewinnzone“
(1998), „Die 30 besten Strategien für mehr Gewinn“ (1999), „Value Nets“ (2000),
„Get Digital!“ (2001) und „Wachsen ohne Wachstumsmärkte“ (2005).
Das Buch
Adrian J. Slywotzky: „Upside. Sieben Strategien, um Herausforderungen in
unternehmerische Chancen zu verwandeln“
269 Seiten
39,90 Euro
Campus Verlag GmbH, Frankfurt/Main 2008
ISBN-13: 978-3593386294 |
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Quelle: Pressemitteilung von OLiver Wyman GmbH