„Die deutsche Biotechnologie-Branche ist auf einem stabilen Wachstumskurs“,
kommentiert Siegfried Bialojan, Leiter des Industriesektors Biotech bei Ernst &
Young, die Ergebnisse. „Dieser basiert vor allem auf der fundierteren und
reiferen Produktentwicklung und solideren Geschäftsmodellen, die sowohl Finanz-
als auch strategische Investoren überzeugen”, so Bialojan.
Vermeintlich gegen den Branchentrend verlief die Entwicklung bei den 19
börsennotierten deutschen Biotech-Unternehmen: Der Umsatz fiel um 19 Prozent
zurück, während die Zahl der Mitarbeiter um 12 Prozent zurückging. Allerdings
waren hier vor allem Einzelereignisse ausschlaggebend, die die grundsätzlich
positive Entwicklung der börsennotierten Firmen verdecken.
Deutliche Fortschritte bei der Produktentwicklung: Sechs Medikamente in der
Zulassung, 17 in der klinischen Phase III
Insgesamt ist die Zahl der Wirkstoffe in der Medikamentenentwicklung bei den
deutschen Biotech-Unternehmen von 322 auf 316 gesunken. In der klinischen
Prüfung – also in den Phasen I bis III – befinden sich aber derzeit mit 129
Wirkstoffen mehr Projekte als im Vorjahr (124).
In der Zulassungsphase sind aktuell sechs Wirkstoffe – im Vorjahr waren es
zwei. „Die Branche ist bei der Produktentwicklung inzwischen deutlich
vorangekommen“, kommentiert Julia Schüler, Autorin der Studie und
Industriespezialistin Biotechnologie bei Ernst & Young. „Zu allen sechs
Medikamenten im Zulassungsprozess wird eine Entscheidung seitens der Behörden
noch in diesem Jahr erwartet, was einen signifikanten Durchbruch bedeuten kann.
Inzwischen ist aber insgesamt ein solides Portfolio an Wirkstoffen vorhanden,
die in den entscheidenden Testphasen stehen und nun ihren zukünftigen Wert unter
Beweis stellen können“.
Weniger Neugründungen, weniger Fusionen und Übernahmen
Mit zehn Neugründungen wurde im Jahr 2007 die geringste Neugründungsrate in der
Geschichte der deutschen Biotech-Industrie festgestellt nach 31 beziehungsweise
27 Neugründungen in den Jahren 2005 und 2006. Den zehn neu gegründeten
Biotech-Unternehmen standen 12 Unternehmen gegenüber, die in die Insolvenz
gingen oder aufgelöst wurden. Weitere Abgänge resultieren aus Fusionen und
Übernahmen.
Auch die Zahl der Transaktionen (Fusionen und Übernahmen) hat sich im Jahr
2007 gegenüber den Vorjahren weiter verringert. Nach 20 Fusionen und Übernahmen
im Jahr 2005 und 15 Transaktionen im Jahr 2006 gab es im Jahr 2007 nur sieben
Transaktionen mit Beteiligung deutscher Biotech-Firmen.
Auch wenn die Zahl der Allianzen (Kooperationen und Lizenzvereinbarungen) im
Jahr 2007 gegenüber dem Vorjahr von 73 auf 60 gesunken ist, so erhielt die
Werthaltigkeit der abgeschlossenen Vereinbarungen eine viel größere Bedeutung:
Im Jahr 2007 wurden in der deutschen Biotech-Industrie Verträge in einer
Größenordnung abgeschlossen, die alles Bisherige übertrifft – insgesamt 675
Millionen Euro (Vorjahr: 159 Mio. Euro) an sofortigen und zukünftigen Zahlungen
konnten sich vier deutsche Biotech-Unternehmen im vergangenen Jahr sichern1.
„Die erfolgreichen Abschlüsse deutscher Biotech-Unternehmen“, so Schüler,
„untermauern den Fortschritt der Unternehmen in der Produktentwicklung und sind
wichtige Treiber des gegenwärtig guten Kurses der Branche.“
Deutlich mehr Risikokapital für Biotech-Unternehmen
Im Jahr 2007 hat sich die Eigenkapitalfinanzierung der deutschen
Biotechnologie-Branche leicht verbessert. Insgesamt wurden 456 Millionen Euro an
Eigenkapital aufgenommen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem
Wachstum um fünf Prozent. Insbesondere im Bereich der Risikokapitalfinanzierung
war ein deutliches Wachstum zu verzeichnen: um 50 Prozent von 213 auf 319
Millionen Euro. Anders stellte sich die Situation am Kapitalmarkt dar. Während
es im Vorjahr vier Börsengänge von Biotech-Unternehmen und zwölf
Sekundärfinanzierungen gab, wagte im Jahr 2007 kein einziges Biotech-Unternehmen
den Schritt aufs Parkett. Bei acht Sekundärfinanzierungen nahmen die
börsennotierten Biotech-Unternehmen insgesamt 137 Millionen Euro auf. Damit sank
das Volumen des am Kapitalmarkt aufgenommenen Eigenkapitals von 220 auf 137
Millionen Euro.
„Das Börsenfenster, das sich in den Jahren 2004, 2005 und 2006 geöffnet
hatte, scheint derzeit wieder völlig geschlossen“, stellt Bialojan fest.
„Glücklicherweise konnte aber die dadurch entstandene Lücke durch
Risikokapitalfinanzierungen zum Teil aufgefangen werden“.
Wie auch in Deutschland hat sich in Europa die Finanzierungssituation der
Biotech-Branche verbessert. Insgesamt flossen 5,5 Milliarden Euro (plus 18
Prozent) an zusätzlichem Eigenkapital in die Branche. Die größte Rolle spielten
dabei Sekundärfinanzierungen (3,5 Milliarden Euro – plus 44 Prozent) vor
Risikokapitalfinanzierungen (1,2 Milliarden Euro – minus 21 Prozent). 2007
gingen 22 europäische Biotech-Unternehmen an die Börse (Vorjahr: 33 Börsengänge)
und erzielten dabei Emissionserlöse von insgesamt 737 Millionen Euro (plus 9
Prozent).
[1] Diese Zahlen beziehen sich nur auf Transaktionen, deren Wert bekannt
gegeben wurde.
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Quelle: Pressemitteilung der Ernst & Young AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Steuerberatungsgesellschaft