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In Indien beispielsweise steigen die Löhne in der IT-, der
Versicherungs- und der Finanzbranche um rund 17 Prozent im Jahr – und das bei
einer Mitarbeiterfluktuation von bis zu 30 Prozent. Ein anderes Problem: Zwar
beeindruckt die absolute Anzahl der Universitätsabsolventen – allein in China
gibt es jährlich 20 Millionen Hochschulabgänger –, aber ihre Qualifikationen
lassen häufig zu wünschen übrig. So berichtet Infosys, dass von 13 Millionen
Bewerbern gerade 2 Prozent in Frage kamen. Bildungsexperten schätzen, dass von
rund 1.200 indischen MBA-Programmen sich nur 50 mit westlichen Topschulen
messen können. In China ist langjährige Berufserfahrung häufig Mangelware: 85
Prozent der Bewerber für Managementpositionen besitzen weniger als fünf Jahre
Berufserfahrung.
Von westlichen Mustern abweichen
Grundsätzlich müssen sich Unternehmen, die ihre Tätigkeit in Schwellenländern
ausweiten wollen, von der Vorstellung lösen, die Planung und Umsetzung der
Personalstrategie vom Westen aus nach westlichen Mustern steuern zu wollen. Aus
diesem Grund sollten auch Expatriates nur dort eingesetzt werden, wo ihre
Fähigkeiten unbedingt gebraucht werden. Stattdessen müssen die Unternehmen
lokale Führungskräfte aufbauen und diesen auch Entscheidungskompetenzen
zugestehen. So hängt bei Schlumberger die Anzahl an Führungskräften aus einer
Region immer vom dort erwirtschafteten Umsatz ab. Werden 20 Prozent der Umsätze
in Asien erwirtschaftet, sollen folglich 20 Prozent der Manager des
Erdölunternehmens aus Asien kommen.
Neue Wege in der Nachwuchssuche
Bei ihrer Nachwuchssuche sollten Unternehmen auch weniger prestigeträchtige
Universitäten berücksichtigen. Tata Consultancy Services bietet Fortbildungen
für Lehrkräfte an und schickt eigene Mitarbeiter als Gastdozenten an weniger
renommierte Universitäten. Auf diese Weise erhöht der indische IT-Provider nicht
nur seinen Bekanntheitsgrad, sondern verbessert gleichzeitig die Qualität und
Praxisnähe der universitären Ausbildung. Andere Unternehmen, wie der indische
IT-Dienstleister Wipro, konzentrieren sich vor allem auf die interne Aus- und
Weiterbildung in einer Firmenakademie. Auch ein den lokalen Gegebenheiten
angepasstes Gehaltspaket ist eine wichtige Voraussetzung, um die Besten der
Besten anziehen und dauerhaft halten zu können. So gehören in Russland
beispielsweise ein Firmenwagen und ein vom Arbeitgeber gesponsertes
Hypothekendarlehen zu jedem attraktiven Vergütungspaket.
Angesichts des starken Wirtschaftswachstums in den Schwellenländern müssen
die Unternehmen schnell ein lokales, leistungsstarkes Managementteam aufbauen.
Verkürzte Karrierepfade sind dabei wichtig: Statt der üblichen 15 Jahre dauert
der Aufstieg in eine Führungsposition dort häufig nur 5 Jahre. Um die künftigen
Führungskräfte auch für globale Aufgaben fit zu machen, setzen Unternehmen wie
der indische Industriegüterhersteller Mahindra & Mahindra auf internationale
Transfers der Mitarbeiter in verschiedene Unternehmensfunktionen und ‑abteilungen.
Mehr und höher qualifiziertere Mitarbeiter einstellen als benötigt
Auch auf globaler Ebene sollten alle Führungskräfte eines Konzerns bestens mit
den Entwicklungen der Schwellenländer vertraut sein und sich für die
Weiterentwicklung der Geschäftstätigkeit in diesen Regionen engagieren. "Das
erfordert unter Umständen eine Personalstrategie, die ebenso kühn ist wie die
langfristigen Wachstumspläne", sagt Strack. Schnell wachsende Unternehmen
sollten mehr Mitarbeiter einstellen, als sie auf kurze Sicht brauchen, und auch
gezielt eigentlich überqualifizierte Kräfte rekrutieren. Um die Zahl der
Mitarbeiter in China bis 2015 von 1.000 auf 5.000 zu steigern, stellte
beispielsweise Air Liquide ein spezielles Personalbudget bereit. Insgesamt
bewilligte der französische Gashersteller im Jahr 2004 seiner chinesischen
Niederlassung 10 Prozent der gesamten Investitionsausgaben, obwohl in China
gerade einmal 1 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet wurde, und avancierte damit
zum Magneten für die ambitionierten chinesischen Universitätsabsolventen.
Entscheidungen auf höchster Ebene
Damit sich die Personalabteilungen in ihrer Arbeit auf die wichtigen
strategischen Entscheidungen konzentrieren können, sollten diese von den
Routineaufgaben abgekoppelt werden – beispielsweise indem wie bei LG.Phillips
administrative Aufgaben in Shared-Services-Center ausgelagert werden. Eine
langfristige weltweite Personalstrategie zu definieren, sieht BCG-Experte Strack
jedoch nicht nur als Aufgabe der Personaler, sondern auch des Vorstands an:
"Talentmanagement ist zu wichtig, um nur ein Punkt unter vielen auf der
HR-Agenda zu sein. Unternehmen müssen ihre Mitarbeiter genauso sorgfältig
managen wie ihre Finanzen. Langfristig hängt ihr Überleben davon ab."
Download Studie "Aligning Talent for Global Advantage
Quelle: Pressemitteilung der The Boston Consulting Group (BCG)
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