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Zum anderen entscheiden sich Großunternehmen mitunter bewusst auch dann für
China, wenn das Sourcing in Deutschland günstiger wäre. Ausschlaggebend sind
strategische Überlegungen. Kayser: "International agierende Konzerne kommen
allein schon aufgrund der Größe des lokalen Marktes nicht an China vorbei.
Außerdem achtet die chinesische Regierung bei Auftragsvergaben sehr wohl darauf,
dass ein Teil der Wertschöpfung im Inland erfolgt. Daher kann auch ein
unrentables Sourcing als Zukunftsinvestition lohnend sein."
Für die Studie wurden die (Chef-) Einkäufer und Logistikverantwortlichen von
203 Unternehmen mit Firmenmitgliedschaft im BME befragt, die Waren und andere
Vorleistungen aus China beziehen. Knapp ein Drittel der Befragten erzielt einen
Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Ebenfalls ausgewertet wurden die
Antworten von 370 weiteren Unternehmen, die bislang nicht in China einkaufen.
China hat die Nase vorn - andere Wachstumsmärkte schließen auf
Gut die Hälfte der Unternehmen beschafft in China seit mehr als fünf Jahren,
etwa 20 Prozent sind sogar schon länger als zehn Jahre im Land präsent. Sechs
Prozent der Befragten sind erst seit einem Jahr auf dem chinesischen
Beschaffungsmarkt engagiert. Peter Albrecht, Leiter des Bereichs Industrielle
Produktion bei PwC: "Dies ist ein Indiz dafür, dass die meisten Unternehmen, für
die globales Sourcing attraktiv ist, mittlerweile bereits im Reich der Mitte
vertreten sind." Von den in China aktiven Unternehmen gaben 75 Prozent an, dass
Sourcing aus China weiter an Bedeutung gewinnt. Allerdings sehen sie auch
Beschaffung in Osteuropa und Indien mit 67 bzw. 65 Prozent im Aufwind. Für eine
Verlagerung nach Deutschland gibt es demgegenüber kaum Hinweise. Nur fünf
Prozent glauben an eine wieder wachsende Bedeu-tung des Standorts, 30 Prozent
erwarten weitere Verlagerungen ins Ausland.
Großunternehmen kaufen oft zu teuer ein
Die befragten Unternehmen zahlen bei Produktgruppen, die sie nach eigenen
Angaben am kostengünstigsten beschaffen, durchschnittlich rund 19 Prozent
weniger als in Deutschland, im schlechtesten Fall knapp 2 Prozent mehr. Im
Durchschnitt liegt der Preisvorteil bei 10 Prozent. Die Fracht- und anderen
Logistikkosten, wie Versicherungen, Prüfkosten, Verzollung, Anlieferung,
Lagerung, Reklamations- und Managementkosten machen dabei etwa ein Drittel der
gesamten Beschaffungskosten aus. Dr. Holger Hildebrandt,
BME-Hauptgeschäftsführer: "Wer bei der Beschaffung in China vor allem den Preis
im Blick hat, sollte den gesamten Logistikprozess von der Produktion bis zur
Anlieferung an die Rampe bereits im Vorfeld analysieren - und nach Anlauf fest
im Griff behalten."
Bemerkenswert ist, dass große Unternehmen im Durchschnitt kleinere
Kostenvorteile erzielen. So sparen Befragte mit mehr als 2.000 Mitarbeitern
durch die Beschaffung in China bei kostengünstigen Produktgruppen
durchschnittlich 21 Prozent, während sie bei anderen durchschnittlich sogar bis
zu 5 Prozent mehr bezahlen als in Deutschland. Demgegenüber kaufen Unternehmen
mit weniger als 500 Mitarbeitern in China stets zwischen 23 und knapp 5 Prozent
günstiger ein als in Deutschland.
Kostensenkungspotenziale liegen brach
Auch Abstimmungsfehler können dafür verantwortlich sein, wenn sich die
Beschaffung in China nicht auszahlt. Zum Beispiel die Logistikabteilung nicht an
Sourcing-Entscheidungen beteiligt wird. "Das kann fatale Folgen haben: Bestellt
beispielsweise der Einkäufer zwar beim günstigsten Zulieferer, der jedoch weitab
vom nächsten Hafen produziert, zehren die Logistikkosten schnell den
ursprünglichen Preisvorteil auf", erläutert Peter Albrecht.
Zudem nutzen bei ihren Beschaffungsaktivitäten nur zwei von drei Unternehmen
Logistik-Controlling. Die Konsequenz: Jedes dritte Unternehmen kann weder die
exakten Logistikkosten in China noch den Kostenvorteil gegenüber der Beschaffung
in Deutschland oder anderen Märkten beziffern. Kayser: "Angesichts der hohen
Bedeutung der Fracht- und Logistikkosten ist dies ein schwerwiegender Fehler.
Ohne Kostencontrolling ist das Risiko viel zu hoch, in China letztlich teurer
einzukaufen als in Deutschland." Dr. Hildebrandt bringt die Erfahrungen der
Mitgliedsfirmen des BME auf den Punkt: "Logistik kann sich bei Beschaffung in
China als entscheidender Wettbewerbsfaktor erweisen oder aber auch als die
eigentliche Schwachstelle. Kurze und schlechte Vorbereitung, aber auch eine
indifferente Beratung sind Faktoren, die Einkaufserfolge relativieren."
Auch die zahlreichen Möglichkeiten des Zoll- und Steuermanagements, wie zum
Beispiel Logistikparks und Zollverfahren mit wirtschaftlicher Bedeutung, schöpft
mehr als Dreiviertel der Unternehmen nicht aus. Und schließlich gibt es auch
beim Qualitätsmanagement Optimierungspotenzial. Obwohl die Mehrzahl der
Unternehmen bereits seit Jahren in China einkauft, erfüllen die chinesischen
Anbieter häufig nicht die geforderten Standards. Bei der Qualitätskontrolle
beauftragen deutsche Unternehmen daher bevorzugt deutsche Anbieter. Rund vier
von zehn Unternehmen berichten über "erhebliche" Kosten für die
Qualitätsprüfung. Damit ist der Aufwand für die Qualitätssicherung nach Ansicht
der Befragten der zweitwichtigste Kostenblock hinter den reinen Frachtkosten.
Kayser: "Ein Lösungsansatz ist stärkere Kontrolle der Lieferanten. Das geht von
systematischer Betreuung vor Ort bis hin zur strategischen Beteiligung am
Unternehmen."
Quelle: Pressemitteilung der PricewaterhouseCoopers AG
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