Nicht nur alternde Belegschaften verlangen einen Bewusstseinswandel: Auch die
Tatsache, dass geburtenschwache Jahrgänge die Talentverfügbarkeit auf dem
Arbeitsmarkt verschärfen, ist Teil des demografischen Wandels und muss verstärkt
in der Unternehmensführung beachtet werden. Wollen Unternehmen auch in Zukunft
wettbewerbsfähig bleiben und weiter wachsen, müssen sie das entstehende
Kapazitätsrisiko managen. Hier besteht noch hoher Nachholbedarf, was das auf
Schlüsselpositionen bezogene "Finding, keeping and winning talents" betrifft.
Nur die Hälfte gestaltet Arbeitsplätze altersgerecht
Auch bei der altersgerechten Arbeitsplatzgestaltung liegt noch einiges im Argen,
denn gerade altersgerecht gestaltete Arbeitsplätze sind ein entscheidender
Faktor, wenn es darum geht, Mitarbeiter zu binden und ihre Leistungsfähigkeit zu
erhalten. 42 Prozent der Unternehmen organisieren die Arbeitsplätze eigenen
Angaben zufolge nicht nach alters- und bedarfsgerechten Gesichtspunkten. Die
übrigen Unternehmen nennen Ergonomie und Arbeitsplatzgestaltung als die
häufigsten Maßnahmen zur altersgerechten Arbeitsorganisation. Stattdessen setzen
die Unternehmen für das Thema Gesundheit stark auf Gesundheitschecks und
Eigeninitiative der Mitarbeiter. 81 Prozent der Befragten geben an, die
Gesunderhaltung der Belegschaft gezielt zu fördern. Gesundheitschecks und
präventive Maßnahmen wie beispielsweise Rückenschulung und Ernährungsberatung
sind dabei die am häufigsten genannten Maßnahmen. Wie wichtig das Thema
Gesundheit ist, hat das im Rahmen der Studie gefragte Unternehmen ZF
Friedrichshafen berechnet: "Die Kosten eines um ein Prozent geringeren
Gesundheitsstandes haben wir mit einer Ersparnis im einstelligen
Millionenbereich kalkuliert."
Kein Top-Thema im Top-Management
Als größte Hürde für das Demografiemanagement nennen die von PwC befragten
Unternehmen fehlendes Bewusstsein beim Top-Management. Zwar geben die befragten
Unternehmen gleichzeitig an, dass mehr als drei Viertel der Führungskräfte für
das Thema Demografiewandel sensibilisiert sind, doch diese sitzen offensichtlich
primär auf unteren Führungsebenen. Im Top-Management ist das Thema der Studie
zufolge noch nicht ausreichend angekommen. Als weitere große Hürden sehen die
Befragten das mangelnde Budget sowie die Einstellung des Unternehmens.
Ausgeprägtes Demografiemanagement bei Henkel
Während viele Unternehmen das Thema zwar erkannt haben aber erst handeln wollen,
wenn das Problem akut wird, hat der Wandel der Altersstruktur bei dem im Rahmen
der Studie befragten Konsumgüterkonzern Henkel bereits jetzt einen hohen
Stellenwert. Um die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter möglichst lange zu
erhalten, setzt der Konzern, der auch Gründungsmitglied der Initiative "Demografienetzwerk"
ist, auf ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze in Zusammenarbeit mit dem
Werksarzt, auf regelmäßige Arbeitsplatzbegehungen sowie auf den Dialog mit
betroffenen Mitarbeitern. Gleichzeitig stellt sich der Konzern auf den zu
erwartenden Mangel an Nachwuchs ein. Ein ausgeprägtes Wissensmanagement mit
altersgemischten Teams, Wissensdatenbanken und "round tables" älterer und
jüngerer Führungskräfte sorgt dafür, dass Wissen aktiv transportiert wird.
Außerdem kooperiert Henkel intensiv mit Schulen der Region - auch in der
Lehrerausbildung - um sicherzustellen, dass potenzielle Auszubildende die bei
Henkel benötigten Fähigkeiten vermittelt bekommen. Initiativen an Universitäten
ermöglichen einen frühzeitigen Kontakt zu zukünftigen Ingenieuren und
Führungskräften.
Während Henkel recht gut gerüstet ist, schieben zu viele Unternehmen das
Problem noch auf die lange Bank. Dabei besteht Handlungsbedarf: Prognosen des
Statistischen Bundesamtes zufolge sinkt die Einwohnerzahl Deutschlands von
aktuell rund 82 Millionen auf 77 Millionen im Jahr 2030. Wenn nur noch wenige
qualifizierte Nachwuchskräfte am Markt verfügbar sind, werden beim "Kampf um
Talente" nur die Unternehmen bestehen, die sich mit langfristigen Strategien
bereits jetzt darauf vorbereiten. "Die Trägheit des demografischen Wandels birgt
zwar den Vorteil, dass die Veränderungen lange vorhersehbar sind", konstatiert
Leckebusch. "Ihr Nachteil jedoch liegt genauso darin, dass Unternehmen ihnen nur
durch langfristige Maßnahmen begegnen können."
Quelle: Pressemitteilung der PricewaterhouseCoopers AG
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft vom 19.08.2008