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Pressemitteilung - Pressemitteilung im Managementportal

 

 

Staatsfonds gewinnen an Gewicht im Transaktionsmarkt

Fondsvermögen wachsen steil / Asien und Ölförderländer bestimmen das Bild / Investitionen vor allem in USA und Großbritannien / Finanzsektor und kapitalintensive Branchen als wichtigste Anlageziele

Staatsfonds spielen eine immer wichtigere Rolle auf dem Markt der weltweiten Firmenbeteiligungen und -übernahmen. Bereits in absehbarer Zeit könnte ihre Bedeutung fast an die der Private-Equity-Fonds heranreichen, die in den Boomjahren 2006 und 2007 einen Anteil von nahezu einem Fünftel am weltweiten Transaktionsvolumen der Mergers & Acquisitions (M&A) hatten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young.

Im Jahr 2005 wurden bei geschätzten 120 Transaktionen etwa 21 Milliarden US-Dollar investiert. Im Jahr 2007 gab es etwa 140 Transaktionen. Das Investitionsvolumen lag mit etwa 155 Milliarden US-Dollar siebenmal höher als 2005. Erst 2005 hatte der Anteil der Staatsfonds-Transaktionen am weltweiten M&A-Markt die 1-Prozent-Marke überschritten. Damit wurden die Staatsfonds als Mitspieler-Gruppe im M&A-Markt erstmals wirklich sichtbar. Im Jahr 2007 hatten Staatsfonds bereits einen Anteil von etwa 3,5 Prozent am weltweiten M&A-Transaktionsvolumen. Doch ihr Wachstum in diesem Aktionsfeld hat sich jüngst weiter stark beschleunigt: Im ersten Quartal 2008 lag der Anteil der Staatsfonds am Markt für Fusionen und Übernahmen bereits bei 5,5 Prozent. „Staatsfonds spielen eine immer wichtigere Rolle im M&A-Markt“, stellt Joachim Spill, Vorstandsmitglied bei Ernst & Young, fest. „Ihre Bedeutung wird auch in den kommenden Jahren kontinuierlich weiter steigen“.

 

 

 

An Mitteln dazu fehlt es nicht: Allein die zehn größten Fonds verwalten Vermögenswerte von 3,15 Billionen US-Dollar, die Top 45 kommen insgesamt auf mehr als 3,9 Billionen Dollar. Auch hier expandieren die Staatsfonds mit zunehmender Geschwindigkeit. Lag das Durchschnittswachstum der Fondsvermögen in den vergangenen zehn Jahren noch bei 13 Prozent, so erreichte es in den letzten fünf Jahren bereits 20 Prozent. Geht es in diesem Tempo weiter, dann werden die 45 größten Fonds bis 2015 ein Vermögen von insgesamt 14 Billionen US-Dollar verwalten. Doch selbst auf der unteren Wachstumslinie von 13 Prozent im Jahresdurchschnitt kämen sie auf runde 9 Billionen.

 

 

Nicht nur das Gesamtvolumen der Fondsvermögen wächst rasant. Gleichzeitig vergrößert sich auch noch der Anteil der Direktinvestitionen und alternativen Anlagen an diesem Volumen. Lag er bisher bei rund 5 Prozent, so dürfte er langfristig auf 10 Prozent zusteuern. In den Jahren bis 2015 sind Direktinvestitionen der Staatsfonds von kumuliert 1 Billion US-Dollar zu erwarten. Zum Vergleich: Im bisherigen Spitzenjahr 2007 erreichten die Direktinvestitionen ein Volumen von 155 Milliarden Dollar. „Wir gehen davon aus, dass sich die bisher dreijährige heiße Phase der exponentiellen Zunahme der Investitionsvolumina dem Ende zuneigt“, so Spill.

Fonds aus Singapur besonders aktiv
Bisher haben sich insbesondere die Fonds und Staatsunternehmen aus Singapur als Investoren hervor getan. An den Direktinvestitionen der Jahre 2005 bis 2008 (Stand: Mai) waren sie allein mit 41 Prozent beteiligt, gefolgt von den Vereinigten Arabischen Emiraten, allen voran Dubai, mit 25 Prozent und Bahrain mit 9 Prozent. China erreichte bereits einen Anteil von 8 Prozent.

Die Investitionen konzentrierten sich in erster Linie auf den Finanzsektor und kapitalintensive Branchen. Gut ein Drittel floss allein in den Finanzbereich, 11 Prozent gingen in den Transportsektor und 10 Prozent in Versorgungsunternehmen. Die beliebtesten Zielregionen waren die USA, die gut ein Viertel der SWF-Investitionen auf sich vereinigten, und Großbritannien mit 20 Prozent.

Deutschland bislang nicht im Visier der Staatsfonds
Nach Deutschland flossen nur 3 Prozent des Anlagevolumens. Hier konnten seit 2005 lediglich neun Transaktionen identifiziert werden. Vier davon entfielen auf die Dubai Holding – darunter die größte, der Kauf von 2,2 Prozent der Deutschen Bank für 1,8 Milliarden Dollar –, vier weitere auf die staatsfondsähnliche Investcorp aus Bahrain. In einem Fall kam die Government of Singapore Investment Corp. (GIC) zum Zuge. Anders als bei den weltweiten Investitionen lag der Schwerpunkt – trotz des Top-Deals – weniger im Finanzbereich als im technischen Umfeld, wie es auch von den Private-Equity-Unternehmen bevorzugt wird.

Staatsfonds verfolgen langfristige Anlagestrategien
Staatsfonds entstehen überwiegend in Ländern, in denen der Staat starke wirtschaftliche Kontrollfunktionen ausübt oder bestimmte Export-Branchen direkt kontrolliert. So sitzen die ältesten SWF in erdölexportierenden Ländern wie den arabischen Emiraten; 1990 hat sich auch Norwegen dazu gesellt. Singapur, China, Japan und Russland investieren mit ihren Staatsfonds ebenfalls in die internationalen Märkte. Die Fonds speisen sich in der Regel aus Leistungsbilanzüberschüssen, die das Maß der nötigen Währungsreserven überschreiten.

Die Staatsfonds folgen keiner einheitlichen Ausrichtung. Einige – wie der saudi-arabische SAMA – haben eher zentralbankähnliche Funktionen. Andere, so der norwegische Pensionsfonds GPFG oder der GIC aus Singapur, sollen staatliche Pensionsverpflichtungen absichern. Ein dritter Typus wie die malaysische KNB hat die Aufgabe, die jeweilige nationale Wirtschaft zu fördern. Der „klassische“ Staatsfond investiert losgelöst von den staatlichen Reserven und mit einer gewissen Risikobereitschaft weltweit. Daneben agieren dann noch Staatsbetriebe, die als Vehikel der Akquisition im In- und Ausland dienen. Dazu zählen beispielsweise der saudische Petrochemiekonzern SABIC oder Singapore Power, die sich nicht zuletzt mit Beteiligungen im Staatsauftrag einen Namen gemacht haben.

Dieses heterogene Erscheinungsbild der Staatsfonds, ihre geringe Transparenz, ihr weitgehend unreglementierter Status und ihre ungeheure Kapitalkraft haben bei den Wettbewerbern im Markt Unsicherheit ausgelöst. Andere Investoren befürchten, die Staatsfonds könnten Marktregeln verletzen und damit Marktmechanismen schädigen, sie könnten als Investoren in Staatsbesitz nicht-ökonomische Ziele verfolgen und möglicherweise sogar als Mittel der Protektion eingesetzt werden.

Doch Joachim Spill, Partner bei Ernst & Young, stellt fest: „Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich Staatsfonds zumeist mit Minderheitsbeteiligungen begnügen und in aller Regel auch eine langfristige Anlagestrategie verfolgen. Wir haben bisher keine Fälle beobachten können, in denen sie sich marktwidrig oder in ihren Beteiligungen unverantwortlich verhalten hätten – eher im Gegenteil.“ In der Realität habe die Mehrheit der Fonds derzeit weder die Anteilsquoten noch die personellen Mittel, um in größerem Umfang Einfluss auf ihre Investitionen zu nehmen.

Download der Studie
Sie haben die Möglichkeit, die Studie hier als Download (PDF - 1 MB, 21 Seiten) zu lesen.

 

Quelle: Pressemitteilung der Ernst & Young AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft vom 08.08.2008 

 

 

 

 

 

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Stand: 13. Dezember 2014