Nicht nur das Gesamtvolumen der Fondsvermögen wächst rasant. Gleichzeitig
vergrößert sich auch noch der Anteil der Direktinvestitionen und alternativen
Anlagen an diesem Volumen. Lag er bisher bei rund 5 Prozent, so dürfte er
langfristig auf 10 Prozent zusteuern. In den Jahren bis 2015 sind
Direktinvestitionen der Staatsfonds von kumuliert 1 Billion US-Dollar zu
erwarten. Zum Vergleich: Im bisherigen Spitzenjahr 2007 erreichten die
Direktinvestitionen ein Volumen von 155 Milliarden Dollar. „Wir gehen davon aus,
dass sich die bisher dreijährige heiße Phase der exponentiellen Zunahme der
Investitionsvolumina dem Ende zuneigt“, so Spill.
Fonds aus Singapur besonders aktiv
Bisher haben sich insbesondere die Fonds und Staatsunternehmen aus Singapur als
Investoren hervor getan. An den Direktinvestitionen der Jahre 2005 bis 2008
(Stand: Mai) waren sie allein mit 41 Prozent beteiligt, gefolgt von den
Vereinigten Arabischen Emiraten, allen voran Dubai, mit 25 Prozent und Bahrain
mit 9 Prozent. China erreichte bereits einen Anteil von 8 Prozent.
Die Investitionen konzentrierten sich in erster Linie auf den Finanzsektor
und kapitalintensive Branchen. Gut ein Drittel floss allein in den
Finanzbereich, 11 Prozent gingen in den Transportsektor und 10 Prozent in
Versorgungsunternehmen. Die beliebtesten Zielregionen waren die USA, die gut ein
Viertel der SWF-Investitionen auf sich vereinigten, und Großbritannien mit 20
Prozent.
Deutschland bislang nicht im Visier der Staatsfonds
Nach Deutschland flossen nur 3 Prozent des Anlagevolumens. Hier konnten seit
2005 lediglich neun Transaktionen identifiziert werden. Vier davon entfielen auf
die Dubai Holding – darunter die größte, der Kauf von 2,2 Prozent der Deutschen
Bank für 1,8 Milliarden Dollar –, vier weitere auf die staatsfondsähnliche
Investcorp aus Bahrain. In einem Fall kam die Government of Singapore Investment
Corp. (GIC) zum Zuge. Anders als bei den weltweiten Investitionen lag der
Schwerpunkt – trotz des Top-Deals – weniger im Finanzbereich als im technischen
Umfeld, wie es auch von den Private-Equity-Unternehmen bevorzugt wird.
Staatsfonds verfolgen langfristige Anlagestrategien
Staatsfonds entstehen überwiegend in Ländern, in denen der Staat starke
wirtschaftliche Kontrollfunktionen ausübt oder bestimmte Export-Branchen direkt
kontrolliert. So sitzen die ältesten SWF in erdölexportierenden Ländern wie den
arabischen Emiraten; 1990 hat sich auch Norwegen dazu gesellt. Singapur, China,
Japan und Russland investieren mit ihren Staatsfonds ebenfalls in die
internationalen Märkte. Die Fonds speisen sich in der Regel aus
Leistungsbilanzüberschüssen, die das Maß der nötigen Währungsreserven
überschreiten.
Die Staatsfonds folgen keiner einheitlichen Ausrichtung. Einige – wie der
saudi-arabische SAMA – haben eher zentralbankähnliche Funktionen. Andere, so der
norwegische Pensionsfonds GPFG oder der GIC aus Singapur, sollen staatliche
Pensionsverpflichtungen absichern. Ein dritter Typus wie die malaysische KNB hat
die Aufgabe, die jeweilige nationale Wirtschaft zu fördern. Der „klassische“
Staatsfond investiert losgelöst von den staatlichen Reserven und mit einer
gewissen Risikobereitschaft weltweit. Daneben agieren dann noch Staatsbetriebe,
die als Vehikel der Akquisition im In- und Ausland dienen. Dazu zählen
beispielsweise der saudische Petrochemiekonzern SABIC oder Singapore Power, die
sich nicht zuletzt mit Beteiligungen im Staatsauftrag einen Namen gemacht haben.
Dieses heterogene Erscheinungsbild der Staatsfonds, ihre geringe Transparenz,
ihr weitgehend unreglementierter Status und ihre ungeheure Kapitalkraft haben
bei den Wettbewerbern im Markt Unsicherheit ausgelöst. Andere Investoren
befürchten, die Staatsfonds könnten Marktregeln verletzen und damit
Marktmechanismen schädigen, sie könnten als Investoren in Staatsbesitz
nicht-ökonomische Ziele verfolgen und möglicherweise sogar als Mittel der
Protektion eingesetzt werden.
Doch Joachim Spill, Partner bei Ernst & Young, stellt fest: „Die Erfahrung
hat gezeigt, dass sich Staatsfonds zumeist mit Minderheitsbeteiligungen begnügen
und in aller Regel auch eine langfristige Anlagestrategie verfolgen. Wir haben
bisher keine Fälle beobachten können, in denen sie sich marktwidrig oder in
ihren Beteiligungen unverantwortlich verhalten hätten – eher im Gegenteil.“ In
der Realität habe die Mehrheit der Fonds derzeit weder die Anteilsquoten noch
die personellen Mittel, um in größerem Umfang Einfluss auf ihre Investitionen zu
nehmen.
Download der Studie
Sie haben die Möglichkeit, die Studie
hier als Download (PDF - 1 MB, 21 Seiten) zu
lesen.
Quelle: Pressemitteilung der Ernst & Young AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Steuerberatungsgesellschaft vom 08.08.2008