Immerhin rechnen 67 Prozent der befragten Verbraucher mit Unfallrisiken,
hervorgerufen durch die Verarbeitung minderwertiger Materialien. Schäden für
ihre Gesundheit schließen 61 Prozent der Befragten nicht aus, 48 Prozent
erwarten finanzielle Risiken. Ferner sind sich 74 Prozent der befragten
Verbraucher bewusst, dass in die Herstellung und den Vertrieb von gefälschten
Produkten kriminelle Banden involviert sind, und 79 Prozent der Befragten sind
sich im Klaren darüber, dass Arbeits- und Umweltbedingungen vernachlässigt
werden. Trotz des Bewusstseins verführt der günstige Preis des „falschen
Schnäppchens“ zum Kauf.
Unternehmen fordern bessere Verbraucheraufklärung sowie schärfere
strafrechtliche Sanktionen für die Täter
„Die Zahlen machen einmal mehr deutlich, dass eine umfassende Aufklärung der
Verbraucher entscheidender Hebel für die Bekämpfung von Marken- und
Produktpiraterie bleibt. Gerade jüngere Menschen müssen für das Thema
sensibilisiert werden“, sagt Christoph Kannengießer, Hauptgeschäftsführer des
Markenverbandes. Dies fordern auch 70 Prozent der befragten Unternehmen. Genauso
wichtig ist ihnen ein schärferes Strafrecht: „Es ist dringend erforderlich, die
Abschreckung der Piraten durch eine Verschärfung der strafrechtlichen Sanktionen
zu erhöhen. Bislang stehen die wirtschaftlichen Vorteile der Herstellung und des
Handels mit Plagiaten in keinem Verhältnis zum Risiko, das die Täter eingehen.
Die Politik muss hier zügig handeln und beispielsweise Mindeststrafen
einführen“, so Kannengießer.
Markenschutz muss systematischer organisiert werden
Um sich vor Produkt- und Markenpiraterie besser zu schützen, müssen auch die
Konsumgüterhersteller den Schutz ihrer Marke selbst systematischer organisieren.
So hat zwar die Mehrzahl der europäischen Markenproduzenten umfangreiche
Maßnahmen zur Abwehr von Plagiaten ergriffen. Doch handelt es sich zumeist um
auf wenige Abteilungen beschränkte Einzelmaßnahmen, die in den
Unternehmensabläufen kaum verankert sind: “Für einen erfolgreichen Markenschutz
sollten die Einzelmaßnahmen in einem Prozess verbunden und kontinuierlich auf
ihre Wirksamkeit überprüft werden. Dieser Prozess sollte fester Bestandteil des
Risikomanagements werden“, sagt Peter Schommer, Partner bei Ernst & Young und
Leiter der Branchengruppe Retail & Wholesale.
Trotz der hohen Betroffenheit nehmen die Hersteller bislang überwiegend noch
keine systematische Bewertung der durch Produkt- und Markenpiraterie
hervorgerufenen Schäden vor. Auch ist das Management der Risiken durch Produkt-
und Markenpiraterie häufig nicht professionell genug: Zwar sind strategische
Entscheidungen zum Markenschutz in 77 Prozent der befragten Unternehmen
inzwischen Chefsache. Für deren Umsetzung sind aber zumeist immer noch einzelne
Abteilungen – in aller Regel die Rechtsabteilung – zuständig: 72 Prozent der
Unternehmen haben juristische Maßnahmen zum Schutz der Marke bereits umgesetzt.
Für einen wirksamen und umfassenden Schutz vor Plagiaten reicht das aber nicht
aus: „Wer es den Fälschern wirklich schwer machen möchte, muss die gesamte
Wertschöpfungskette einschließlich Vertrieb im Blick behalten. Sonst ist zwar
das Schiff gut gesichert, aber der Zugang stünde den Piraten immer noch weit
offen“, sagt Schommer.
Download und Bestellung der Studie
Sie haben die Möglichkeit, die
Studie als Download (PDF - 2,3 MB, 51 Seiten) zu
lesen. Weitere Informationen finden Sie unter
Consumer Products & Retail.
Quelle: Pressemitteilung der Ernst & Young AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Steuerberatungsgesellschaft vom 04.09.2008