Europa: beruhigende Aussichten trotz nachlassendem Wachstum
Seit Anfang 2008 sind die Wachstumsprognosen der Eurozone mehrmals nach unten
korrigiert worden. Vor allem deren Kernländer Deutschland, Frankreich und
Italien erreichen unterdurchschnittliche Wachstumsraten. Allerdings profitieren
diese noch von der Nachfrage der neuen EU-Mitglieder und Asien, was die schwache
US-Nachfrage bislang kompensiert hat. Insgesamt sind die mittelfristigen
Aussichten für die EU nicht schlecht: Der Export, der vom harten Euro wenig
beeinträchtigt wurde, bleibt die starke Stütze der Wirtschaft. Ein Problem ist
allerdings die Binnennachfrage – es gilt Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung
kontinuierlich durch entsprechende Strukturreformen zu bekämpfen.
Wie autonom ist Asien?
Die Weltwirtschaft zeigt sich aufgrund immer engerer Verflechtung zunehmend
anfällig für Dominoeffekte – das wird angesichts der Finanzkrise deutlich.
Dennoch konnte sich Asien teilweise von der aktuellen Entwicklung abkoppeln.
Internationale Wirtschaftsexperten attestieren den asiatischen Volkswirtschaften
eine weitgehende Unabhängigkeit von der US-Wirtschaft – asiatische
Wirtschaftspolitiker sehen dies anders. So hat der schwache Dollar bis zum
Frühjahr in Indien etwa zwei Millionen Jobs in der Textilindustrie gekostet und
chinesische Exporteure leiden unter einem erstarkenden Yuan. Asien ist zwar
nicht völlig immun gegen die Krise, muss jedoch geringere Auswirkungen
befürchten als andere.
Inflation hat viele Väter
Weltweit gehören steigende Preise zu den größten Problemen der Volkswirtschaften
und Wirtschaftszonen. Die Gründe sind vielfältig: Sie reichen von enormer
Geldverfügbarkeit über währungspolitische Motive und überhitzte Konjunktur bis
hin zu langfristigen Veränderungen der Weltwirtschaft – wie den steigenden
Wohlstand neuer Märkte und die Verknappung billiger Arbeitskräfte. Um die
Inflation nachhaltig zu bekämpfen, wird der Einsatz konjunkturdämpfender Mittel
nicht zu umgehen sein.
Lebensmittel noch länger teurer
Die Grundnahrungsmittelnachfrage von Verbrauchern und Industrie wächst enorm.
Demgegenüber stehen weltweit weniger Anbaufläche, Naturkatastrophen sowie
steigende Ölpreise. Zahlreiche Länder haben sich zu Preisdeckelungen und
Exportverbot entschlossen, was kurzfristig wirkt, langfristig aber die Märkte
verzerrt und Anreize für eine erhöhte Produktion verhindert. Auch die
Subventionen für die Landwirte der Industrieländer tragen zur Marktverzerrung
und damit indirekt zur Fortsetzung der Krise bei. Insgesamt ist mit einer
langfristigen Hochpreisigkeit von Nahrungsmitteln zu rechnen. Es bleibt zu
hoffen, dass der Markt langfristig für eine Normalisierung der Lage sorgt, z.B.
durch eine Ausweitung der Anbauflächen und der Produktion.
Steigende Preise machen sich auch in den Neuen Märkten bemerkbar. In Indien
beträgt die Inflation über 11 Prozent. Weitere Faktoren wie die schwache
Infrastruktur sorgen dafür, dass das indische Wachstum gebremst wird. Zudem hat
die Royal Bank of India kürzlich den Zinssatz erhöht. „Mittelfristig wird die
indische Wirtschaft in moderatem Tempo weiter wachsen“, glaubt Dr. Elisabeth
Denison. In China sind die Aussichten eher mäßig. Hier zeigt sich das Phänomen,
dass Nahrungsmittel trotz festgelegter Energiepreise teurer werden – auf dem
Land mehr als in der Stadt. Eines der zentralen Probleme Chinas ist die sich
verteuernde Arbeit zusammen mit einem Fachkräftemangel. „Der Schlüssel zur
effektiven Problemlösung liegt in China jedoch vor allem bei der
Währungspolitik“, so das Resümee von Dr. Elisabeth Denison.
Den kompletten Bericht finden Sie
hier zum Download.
Quelle: Pressemitteilung der Deloitte & Touche GmbH - Deutschland (Deutsch)
vom 23.07.2008