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Mittelständler wollen neue Jobs
schaffen – Fachkräftemangel kostet 30 Milliarden Euro
Ernst & Young-Umfrage
„Mittelstandsbarometer“ - Der Aufschwung im Mittelstand hält an /
Unternehmen wollen mehr Mitarbeiter einstellen und stärker investieren /
Nur jeder vierte Mittelständler kann freie Stellen problemlos besetzen /
Jeder zweite befürchtet daher Umsatzeinbußen / Fachkräftemangel führt zu
Umsatzeinbußen in Milliardenhöhe
Der deutsche Mittelstand ist weiter im
Aufwind und setzt auf einen anhaltenden Wirtschaftsboom: 92 Prozent der
Mittelständler sind mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden, jeder
zweite bezeichnet sie sogar als uneingeschränkt gut. Und 52 Prozent der
Unternehmer erwarten sogar eine weitere Verbesserung der eigenen
Geschäftslage. Angesichts der guten Konjunkturaussichten will der
Mittelstand mehr Mitarbeiter einstellen. Dabei stoßen die Unternehmen
aber zunehmend auf Probleme: drei von vier mittelständischen Unternehmen
haben Schwierigkeiten, neue und ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu
finden. Und jeder zweite Mittelständler fürchtet Umsatzeinbußen aufgrund
des Mangels an Top-Fachkräften. Insgesamt drohen dem Mittels-tand
Umsatzeinbußen von 30 Milliarden Euro jährlich. Das sind Ergebnisse des
„Mittelstandsbarometers 2011“ der Prüfungs- und Beratungs-gesellschaft
Ernst & Young. Die Studie wird halbjährlich durchgeführt, ihr liegt eine
Umfrage unter 3.000 mittelständischen Unternehmen in Deutschland
zugrunde, die im Dezember 2010 durchgeführt wurde.
Die deutschen Mittelständler sind
derzeit so zufrieden und zuversichtlich wie seit dem Boom-Jahr 2007
nicht mehr: Der Anteil der Befragten, die eine weitere Verbesserung
ihrer Geschäftslage erwarten, steigt im Vergleich zu Juli 2010 von 43
auf 52 Prozent. Eine Verschlechterung der eigenen Situation erwarten
nach wie vor nur fünf Prozent. Und auch die Konjunkturerwartungen werden
immer optimistischer: 61 Prozent der Unternehmer erwarten eine
Verbesserung der Wirtschaftslage in Deutschland (Juli 2010: 59 Prozent)
– einen Abschwung bezeichnen nur noch sechs Prozent der Befragten als
wahrscheinlich.
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Jobmotor Mittelstand
läuft wieder rund – deutlicher Abbau der Arbeitslosigkeit in Sicht
Auftragseingänge und Auslastung steigen, die Zeichen stehen
weiter auf Wachstum – das führt auch zu anhaltend positiven Impulsen für
den Arbeitsmarkt. Nur noch sechs Prozent der Unternehmen wollen im
kommenden Halbjahr die Zahl der Beschäftigten reduzieren, der Anteil der
Unternehmen, die zusätzliche Mitarbeiter einstellen wollen, liegt
hingegen inzwischen bei 27 Prozent. Per Saldo ist daher mit einem
deutlichen Anstieg der Beschäftigtenzahl im deutschen Mittelstand zu
rechnen, der sogar stärker ausfällt, als im Boomjahr 2007. „Der Jobmotor
Mittelstand läuft wieder rund“, beobachtet Englisch. „Die Unternehmen
haben großes Vertrauen in die Stärke der deutschen Wirtschaft und wollen
in den kommenden Monaten weiter zahlreiche neue Jobs schaffen. Das
deutsche Jobwunder hält also unvermindert an“.
Besonders im Norden und der Mitte
Deutschlands wollen die Mittelständler in den kommenden Monaten kräftig
Personal einstellen: In Bremen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Hessen
sollen die Belegschaften am stärksten wachsen. Aber auch in
Baden-Württemberg und Bayern wollen überdurchschnittlich viele
Unternehmen zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Im Osten Deutschlands
ist hingegen mit einem verhalteneren Zuwachs an Arbeitsplätzen zu
rechnen.
Dabei dürften immer mehr Unternehmen
allerdings Probleme haben, ihre Vakanzen rasch zu füllen: Immerhin 73
Prozent der Mittelständler berichten von Schwierigkeiten bei der Suche
nach neuen Mitarbeitern. Jeder neunte bezeichnet es sogar als sehr
schwierig, ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden – und eine
Entspannung der Lage ist nicht in Sicht: Die Mehrheit der deutschen
Mittelständler (64 Prozent) erwartet, dass es in den kommenden drei
Jahren (noch) schwieriger wird, geeignete Fach- und Führungskräfte zu
finden.
Fachkräftemangel kostet
Milliarden Immer mehr Unternehmen müssen Aufträge ablehnen,
weil ihnen Personal fehlt. So befürchtet die Hälfte der befragten
mittelständischen Unternehmen (51 Prozent), dass ein Mangel an
Top-Fachkräften zu Umsatzeinbußen für das eigene Unternehmen führen wird
– 15 Prozent der befragten Unternehmen prognostizieren sogar erhebliche
Einbußen von mehr als fünf Prozent. Der deutschen Wirtschaft entsteht
durch nicht realisierte Umsätze ein erheblicher Schaden: Auf Basis der
Befragungsergebnisse lässt sich für den gesamten deutschen Mittelstand
(Unternehmen mit Umsätzen von 5 bis 250 Millionen Euro) hochrechnen,
dass es zu Einnahmeausfällen bzw. nicht realisierten Umsätzen in Höhe
von 30 Milliarden Euro im Jahr kommt.
Besonders stark betroffen ist der
Mittelstand in Nordrhein-Westfalen mit einem entgangenen Umsatz von 8,4
Milliarden Euro, gefolgt von Bayern (6,6 Milliarden Euro) und
Baden-Württemberg (3,5 Milliarden Euro).
„Der Schaden, der durch den
Fachkräftemangel verursacht wird, ist bereits heute beträchtlich“,
kommentiert Englisch. „Er wird aber in Zukunft noch deutlich steigen und
sich zu einem erheblichen Problem für die deutsche Wirtschaft
auswachsen“. Der deutsche Mittelstand sei besonders betroffen, so
Englisch: „Gerade die mittelständischen Unternehmen drohen im
verschärften Wettbewerb um ein knapper werdendes Arbeitskräftepotenzial
ins Hintertreffen zu geraten“. Große Unternehmen hätten bessere
Voraussetzungen, über eine professionelle Personalentwicklung geeignete
Arbeitskräfte aus den eigenen Reihen zu rekrutieren oder neue
anzuwerben: „In großen Konzernen gibt es Spezialisten in den
Personalabteilungen, die sich um die Personalsuche kümmern – in kleinen
Betrieben macht das der Chef häufig nebenher mit“, stellt Englisch fest.
Zum anderen könnten Großunternehmen durch ihre höhere Bekanntheit
leichter Mitarbeiter für offene Stellen gewinnen. „Hochqualifizierte
Absolventen zieht es vor allem zu den namhaften Top-Konzernen – die
Mittelständler haben da immer öfter das Nachsehen“, beobachtet Englisch.
„Kleinere Unternehmen werden es zukünftig immer schwerer haben, sich
gegen die großen Konzerne zu behaupten und Top-Fachkräfte für sich zu
gewinnen“.
Keine Strategie gegen
Fachkräftemangel Nach Englisch‘ Meinung unterschätzen viele
Unternehmer das Problem noch: „Der aktuelle Mangel an Fachkräften ist
nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was wir in zehn Jahren erleben
werden. Die meisten Mittelständler ahnen noch gar nicht, was da auf sie
zukommen wird – und viele haben noch keinen Plan, wie sie dem Problem
begegnen könnten“. Dabei sei es wichtig, schnellstmöglich Strategien
gegen den Mangel an qualifizierten Mitarbeitern zu entwickeln. „Die
Unternehmen müssen schleunigst gegensteuern. Es reicht nicht, über
fehlende Fachkräfte zu klagen und nach der Politik zu rufen“, so
Englisch. „Mittelständler, die heute kein Konzept haben, wie sie ihren
zukünftigen Bedarf an Fachkräften decken können, drohen mittelfristig
ins Abseits zu geraten“.
Um rechtzeitig gegenzusteuern, sei
Kreativität gefragt, so Englisch: „Ob stärkere innerbetriebliche
Weiterbildung, Kooperationen mit Hochschulen oder anderen
Mittelständlern aus der Region, flexible Arbeitszeiten, Stärkung der
eigenen Attraktivität als Arbeitgeber durch die Einrichtung eines
Betriebskindergartens – es gibt viele Möglichkeiten, wie Unternehmen
ihre Attraktivität steigern können“. Fest stehe: „Der Fachkräftemangel
könnte die deutsche Wirtschaft Milliarden kosten. Und am stärksten
betroffen wird der Mittelstand sein“.
Als Hauptursachen des derzeitigen
Mangels an Fachkräften identifizieren die Unternehmer Defizite im
deutschen Bildungs- bzw. Ausbildungs-system: 85 Prozent der Befragten
sind der Meinung, dass die Bewerberprofile und die spezifischen
Anforderungen der Unternehmen nicht zusammen passen. 74 Prozent sind der
Ansicht, dass die bestehenden Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten nicht
ausreichend sind. Zum Teil ist das Problem aber auch hausgemacht:
Immerhin 65 Prozent der Unternehmer sehen eine mangelnde Bereitschaft
von Unternehmen, ältere Fachkräfte zu beschäftigen. Und 45 Prozent geben
an, dass eine mangelnde Toleranz aufseiten der Unternehmen gegenüber
fremden Religionen und Kulturen dazu führe, dass erhebliche Potenziale
nicht genutzt werden.
Steigende Energie- und
Rohstoffpreise machen Sorgen Trotz der aktuell guten
Geschäftslage blicken viele Mittelständler sorgenvoll in die Zukunft.
Besonders die stark gestiegenen Rohstoffpreise bereiten vielen
Unternehmern Kopfzerbrechen: 66 Prozent der Befragten sehen in der
Entwicklung der Rohstoffpreise eine Gefahr für das eigene Unternehmen –
bei den Industrieunternehmen liegt der Anteil sogar bei 82 Prozent. Kein
anderes Thema – weder die steigenden Energiepreise (64 Prozent) oder die
Staatsverschuldung (55 Prozent) noch die drohende Inflation (39 Prozent)
– bereitet dem deutschen Mittelstand derzeit so große Sorgen. „Viele
Unternehmen leiden derzeit sehr stark unter den Preissteigerungen für
Rohmaterialien und Vorprodukte“, beobachtet Englisch. „Die Unternehmen
können auf diese Preissteigerungen kaum aus eigener Kraft reagieren und
sie nur in sehr begrenztem Umfang an ihre Kunden weitergeben. Das
Ergebnis sind sinkende Margen oder gar rote Zahlen – trotz guter
Auslastung und voller Auftragsbücher“. „Der ganz große Preisschub kommt
noch“, erwartet Englisch. „Die wachsende Nachfrage aus Ländern wie China
oder Indien und die langsame Konjunkturerholung in den Industrieländern
wird dazu führen, dass sich die Preisspirale weiter dreht – Deutschlands
Mittelständler werden sich wohl an extreme Preissprünge gewöhnen müssen.
Und sie werden Wege finden müssen, sich dagegen abzusichern.“
Download der Studie
Lesen Sie die Ergebnisse des Ernst
& Young Mittelstandsbarometers Deutschland - Januar 2011 (376
KB, 34 Seiten) und erfahren Sie mehr über die einzelnen Bundesländer-Ergebnisse.
Quelle: Pressemitteilung der Ernst &
Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft vom 24.01.2011
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