Starke Einbußen in Nordamerika
Besonders deutlich macht sich die
Wirtschaftskrise auf dem nordamerikanischen Medienmarkt bemerkbar.
In den USA und Kanada sinken die Branchenerlöse im laufenden Jahr um
voraussichtlich 7,1 Prozent auf gut 463,2 Milliarden US-Dollar.
Damit liegt der Umsatz nur knapp über dem Niveau von 2005. Auf Sicht
der kommenden fünf Jahre ist in der Region lediglich mit einem
durchschnittlichen Wachstum von 1,3 Prozent auf gut 532 Milliarden
US-Dollar im Jahr 2013 zu rechnen.
In der Region Europa, Mittlerer Osten und
Südafrika (EMEA) erwarten die Experten für 2009 einen Umsatzrückgang
um 3,7 Prozent auf 502,9 Milliarden US-Dollar. Überdurchschnittlich
hoch ist das Minus in Großbritannien, das besonders unter den Folgen
der Immobilien- und Finanzmarktkrise leidet. Hier dürfte der Umsatz
der Medien- und Unterhaltungsindustrie in den Jahren 2009 und 2010
um insgesamt 7,2 Prozent auf gut 85,5 Milliarden US-Dollar sinken.
Auch Deutschland ist mit einem prognostizierten Erlösrückgang um 5,3
Prozent auf knapp 90,5 Milliarden US-Dollar bis Ende 2010 stärker
betroffen als die meisten anderen europäischen Länder. Am
drastischsten kommt der wirtschaftliche Abschwung in Russland zum
Tragen, wo nach zweistelligen Wachstumsraten in den Vorjahren die
Ausgaben für Medien- und Unterhaltung in den nächsten zwei Jahren um
11,4 Prozent fallen werden.
Schwellenregionen mit höheren
Wachstumsraten
Bis 2013 erwarten die Experten für die
EMEA-Region ein jährliches Umsatzplus von 2,7 Prozent auf dann 595,8
Milliarden US-Dollar. Deutlich höher sind die Wachstumsraten in den
Schwellenregionen, jedoch können die Medienmärkte auch hier erst ab
2012 wieder an die zweistelligen Zuwächse der vergangenen Jahre
anknüpfen. In der Region Asien-Pazifik dürfte der Branchenumsatz bis
2013 um jährlich 4,5 Prozent auf knapp 412,8 Milliarden US-Dollar
zulegen, in Lateinamerika um 5,1 Prozent auf rund 72,6 Milliarden
US-Dollar.
Kein Wachstum ohne Digitalisierung
Die Verbreitung digitaler Inhalte über
das Internet ist der entscheidende Wachstumstreiber der kommenden
Jahre. Allein für den stationären und mobilen Internet-Zugang werden
die Konsumenten im Jahr 2013 rund 333,6 Milliarden US-Dollar
ausgeben. Dies entspricht etwa 20 Prozent der gesamten
Endverbraucheraus-gaben in der Medien- und Unterhaltungsbranche. Im
Jahr 2008 lag dieser Anteil erst bei 15 Prozent.
"Für die Medien- und Unterhaltungsindustrie ist
die fortschreitende Digitalisierung angesichts der Wirtschaftskrise
eine große Herausforderung. Doch trotz sinkender Umsätze darf die
Branche Investitionen in neue Geschäftsmodelle nicht aufschieben.
Wie schnell das Internet etablierte Strukturen verändern kann, zeigt
die Entwicklung in der Musikindustrie", betont Mackenroth.
Während CDs und andere Tonträger im Jahr 2008
immerhin noch einen Umsatz von annähernd 22 Milliarden US-Dollar
brachten, dürften die Erlöse bis 2013 auf 11,3 Milliarden US-Dollar
fallen. Demgegenüber wird der Umsatz mit Musik-Downloads zwischen
2009 und 2013 um voraussichtlich 14,2 Prozent pro Jahr auf rund 14,8
Milliarden US-Dollar zulegen. Der Anteil physischer Tonträger am
Gesamtumsatz sinkt damit auf 43 Prozent im Jahr 2013; 2008 lag er
noch bei 74 Prozent. Es wird also auch in den kommenden Jahren nicht
gelingen, die Einbrüche auf dem physischen Musikmarkt durch digitale
Musik zu kompensieren.
Auch für die Filmindustrie gewinnt das Internet
dank steigender Übertragungsbandbreiten an Bedeutung. Zwar ist der
Umsatz mit Film-Downloads mit voraussichtlich knapp 390 Millionen
US-Dollar im laufenden Jahr noch gering, bis 2013 ist jedoch ein
rasanter Anstieg um jährlich 37,7 Prozent auf gut 1,4 Milliarden
US-Dollar zu erwarten. Die Erlöse aus dem Online-Verleih dürften
zwischen 2009 und 2013 um durchschnittlich 18,2 Prozent auf gut 6,7
Milliarden US-Dollar ansteigen. Der Umsatz aus dem Verkauf von DVDs
wächst demgegenüber nur noch leicht um 2,2 Prozent pro Jahr auf
knapp 38,8 Milliarden US-Dollar, der konventionelle Verleih
stagniert bis 2013 bei Erlösen von rund 17,6 Milliarden US-Dollar.
Auf dem Buchmarkt hat die digitale Revolution mit
der Ankunft von "Kindle" und anderen elektronischen Lesegeräten
ebenfalls begonnen. Von 2009 bis 2013 dürfte der Umsatz mit
digitalen Büchern um durchschnittlich 30,6 Prozent auf knapp 4,1
Milliarden US-Dollar steigen. Die Erlöse aus dem Verkauf von
gedruckten Büchern und Hörbüchern legen hingegen kaum noch zu und
erreichen in fünf Jahren rund 114,4 Milliarden US-Dollar.
Werbemarkt in tiefem Tal
Nach dem deutlichen Einbruch der
Werbeeinnahmen 2009 und einem weiteren erwarteten Rückgang 2010
steigen die Erlöse in den kommenden Jahren nur allmählich wieder an.
Am stärksten betroffen sind Zeitungs- und Zeitschriftenwerbung mit
weltweit mehr als 15-prozentigen Erlöseinbußen in diesem und immer
noch einstelligen Rückgängen im nächsten Jahr. Auf Sicht der
kommenden fünf Jahre sinkt der Werbeumsatz aller Medien um
durchschnittlich 0,5 Prozent auf rund 467,3 Milliarden US-Dollar.
Positiv entwickeln sich die Einnahmen aus Online-Werbung, die um
jährlich 7,7 Prozent auf 86,7 Milliarden US-Dollar zulegen werden.
Außenwerbung, Online-Werbung und Werbung in Videospielen sind die
einzigen Werbesegmente, die in den nächsten fünf Jahren wachsen
werden.
"In einem stagnierenden Markt gewinnt die
Internet-Werbung stetig an Bedeutung. Auf das stationäre und mobile
Internet werden 2013 rund 19 Prozent aller Werbeeinnahmen entfallen
- 2008 waren es noch zwölf Prozent, im Jahr 2004 erst vier Prozent.
Werbefinanzierte Medien müssen sich auf diese Entwicklung einstellen
und ihre Inhalte online verfügbar machen, oder aber alternative
Erlösquellen erschließen", kommentiert Mackenroth.
Die TV-Branche beispielsweise erzielte noch 2006
den größeren Teil ihrer Einnahmen durch Werbung. Im Jahr 2013 jedoch
wird der Werbeumsatz mit voraussichtlich 168,4 Milliarden US-Dollar
kaum über dem Niveau von 2008 liegen, während die Erlöse aus Pay-TV,
Video on Demand und anderen Gebührenmodellen um jährlich 6,3 Prozent
steigen und 2013 gut 252,3 Milliarden US-Dollar erreichen dürfte.
Quelle:
Pressemitteilug der PricewaterhouseCoopers AG
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft vom 16.06.2009