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Ernst & Young-Umfrage "Mittelstandsbarometer 2009"

Die Krise erreicht den Mittelstand - Geschäftslage eingetrübt / Pessimistischer Ausblick / Konjunktureinbruch erwartet / Mittelständler wollen Investitionen reduzieren und Beschäftigung abbauen

Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise hat den Mittelstand erreicht. Die Unternehmen erwarten nicht nur eine Verschlechterung ihrer eigenen Situation, sie wollen auch weniger investieren als im Vorjahr und weniger Mitarbeiter einstellen. Per Saldo ist sogar ein Rückgang der Beschäftigung in deutschen mittelständischen Unternehmen zu erwarten. Das sind Ergebnisse des „Mittelstandsbarometers 2009“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Der Studie liegt eine Umfrage unter 3.000 mittelständischen Unternehmen in Deutschland zugrunde, die im Dezember 2008 durchgeführt wurde.

Die Geschäftslage im deutschen Mittelstand hat sich im Vergleich zum Vorjahr zwar eingetrübt, dennoch macht die Mehrheit der Unternehmen derzeit noch gute Geschäfte: 79 Prozent der Mittelständler bewerten ihre Lage positiv – vor einem Jahr lag der Anteil bei 89 Prozent. Besonders gut ist die Stimmung in Hamburg, wo 90 Prozent der Unternehmen ihre wirtschaftliche Situation als gut bezeichnen. Besonders stark von der Krise getroffen scheint hingegen Baden-Württemberg zu sein: Hier sank der Anteil der Zufriedenen von 93 auf 73 Prozent.

Zahl der Pessimisten wächst
Nur jeder sechste Mittelständler erwartet eine Verbesserung seiner Wirtschaftslage, jeder dritte geht hingegen von einer Verschlechterung aus. Vor allem die Unternehmen in Baden-Württemberg und Berlin sind pessimistisch: hier erwarten 43 bzw. 42 Prozent eine negative Geschäftsentwicklung. Für die deutsche Wirtschaft insgesamt sehen die meisten Unternehmer schwarz: 82 Prozent der Befragten erwarten einen Konjunkturabschwung, nur vier Prozent hoffen auf eine Verbesserung der konjunkturellen Lage. „Noch stemmt sich der deutsche Mittelstand gegen die Krise. Viele Unternehmen erwarten einen Konjunktureinbruch, hoffen aber, dass sie selber verschont bleiben – diese Hoffnung wird sich allerdings oft als trügerisch erweisen“, so Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young.

 

 

 

Insgesamt habe der Standort Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen, insofern gehe die deutsche Wirtschaft gut gerüstet in den Abschwung, ist Englisch überzeugt. „Die deutsche Wirtschaft ist sehr robust. Viele Unternehmen – gerade im Mittelstand – haben ihre Hausaufgaben gemacht und sind auch international hervorragend aufgestellt. Sie werden in diesem Jahr durch ein Tal der Tränen gehen. Wer aber diese Krise überlebt, hat alle Chancen, anschließend daraus gestärkt hervorzugehen. Wer allerdings schon vor der Krise Probleme hatte, wird Schwierigkeiten haben, die kommenden Monate zu überleben.“

 

Der aktuelle Abschwung trifft vor allem Unternehmen, die bislang als relativ krisenresistent galten, stellt Englisch fest: „Auffallend ist, dass gerade die Unternehmen, die in den vergangenen Jahren besonders erfolgreich gewirtschaftet haben, nämlich große, international tätige Industrieunternehmen, jetzt besonders stark betroffen sind. Die Krise hat gerade die deutsche Industrie mit großer Wucht getroffen: Viele Unternehmer berichten von einem Absturz, wie sie ihn noch nie erlebt hätten.“

Beschäftigungsrückgang zu erwarten
Zwar planen immerhin noch 15 Prozent der Unternehmen, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen, deutlich mehr Unternehmen aber – 24 Prozent – wollen die Zahl der Beschäftigten reduzieren. Per Saldo ist daher mit einem Rückgang der Beschäftigtenzahl im deutschen Mittelstand zu rechnen. Auf Basis der Befragungsergebnisse ist insbesondere in Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern mit einem deutlichen Beschäftigungsrückgang zu erwarten, während es wohl nur in Hamburg und Sachsen per Saldo ein Beschäftigungszuwachs geben könnte.

Auch an den Investitionen wollen die Unternehmen sparen: Jeder sechste Mittelständler will seine Investitionen steigern, während deutlich mehr – knapp jeder Vierte – weniger investieren wollen. Vor allem Industrieunternehmen planen, die Investitionen zurückzufahren. Nur die Unternehmen in Sachsen, Hamburg und dem Saarland wollen mehr investieren als im Vorjahr, während vor allem die Unternehmen in Schleswig-Holstein, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern das Investitionsvolumen deutlich reduzieren wollen.

Mittelstand hofft auch mehr öffentliche Investitionen
Das Vorhaben der Bundesregierung, dem Konjunkturabschwung mit zusätzlichen öffentlichen Investitionen zu begegnen, dürfte die Zustimmung der Mittelständler finden: 92 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass eine Steigerung der öffentlichen Investitionen den Mittelstand in Deutschland deutlich stärken würde – im Vorjahr lag der Anteil nur bei 69 Prozent. Ebenfalls deutlich gestiegen ist der Anteil derer, die einen verstärkten Schutz vor ausländischen Konkurrenten fordern – von 43 auf 78 Prozent.

„Auch wenn es verständlich ist, dass die Unternehmen in der aktuellen Lage nach mehr Schutz vor ausländischer Konkurrenz rufen: Protektionismus kann nicht die Antwort auf die aktuelle Krise sein“, so Englisch. „Denn kaum jemand profitiert von einem freien weltweiten Warenverkehr so sehr wie Deutschland“.

Deutlich gesunken ist hingegen der Anteil der Unternehmen, die eine Lockerung des Kündigungsschutzes fordern: von 75 auf 42 Prozent.

Download der Studie
Sie haben die Möglichkeit, hier die Studie als Download (PDF - 1 MB, 26 Seiten) zu lesen.

Quelle
Pressemitteilung der Ernst & Young AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft vom 30.01.2009

 

 

 

 

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Stand: 01. November 2010