Mittelstand sieht Konjunkturwende - Ernst & Young-Umfrage „Mittelstandsbarometer 2009“ Geschäftslage weiter verschlechtert, aber vorsichtig optimistischer Ausblick / Kein weiterer Investitionsrückgang zu erwarten / Finanzierung über Hausbanken wird schwieriger / Insolvenzen werden in der zweiten Jahreshälfte zunehmen / Mittelständler begrüßen Krisenmanagement der Bundesregierung Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise hinterlässt deutliche Spuren im deutschen Mittelstand. Gut jedes dritte Unternehmen klagt über schlechte Umsätze, ebenso viele über Schwierigkeiten bei der Finanzierung. Aufgrund der Krise könnte jedes siebte mittelständische Unternehmen im Lauf des kommenden Halbjahres in existentielle Schwierigkeiten geraten. Allerdings sehen wieder mehr Unternehmen Licht am Ende des Tunnels: 29 Prozent hoffen auf eine kurzfristige Verbesserung ihrer Lage, nur 12 Prozent befürchten eine Verschlechterung. Und jeder dritte Mittelständler glaubt, dass sich die Konjunktur in Deutschland in der zweiten Jahreshälfte erholt – der Anteil der Konjunkturpessimisten sinkt deutlich von 82 auf 27 Prozent. Das sind Ergebnisse des „Mittelstandsbarometer Sommer 2009“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Die Studie wird halbjährlich durchgeführt, ihr liegt eine Umfrage unter 700 mittelständischen Unternehmen in Deutschland zugrunde, die im Juli 2009 durchgeführt wurde. Zahl der Optimisten wächst wieder – aber jeder siebte Mittelständler gefährdet Das Schlimmste ist nach Ansicht der Unternehmen überstanden: Der Anteil der Befragten, die eine Verschlechterung der konjunkturellen Lage erwarten, geht im Vergleich zum Januar dieses Jahres stark von 82 auf 27 Prozent zurück. Der Anteil der Optimisten steigt von vier auf 32 Prozent. Damit haben sich erstmals seit Januar 2007 die Konjunkturerwartungen nicht weiter verschlechtert, die Konjunkturoptimisten sind wieder leicht in der Überzahl. „Nachdem wir in den vergangenen Monaten einen beispiellosen Absturz der Wirtschaft erlebt haben, scheint sich die Lage nun zu stabilisieren – allerdings auf sehr niedrigem Niveau“, stellt Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young, fest. Die Mehrheit der Unternehmen ist trotz der schlechten Wirtschaftslage in einer stabilen Verfassung: 88 Prozent der Befragten bezeichnen die Lage ihres Unternehmens als stabil. Vor allem in der Industrie und im Handel sind allerdings überdurchschnittlich viele Unternehmen (jeweils 15 Prozent) nach eigener Aussage aktuell in Schwierigkeiten. Sollte keine Verbesserung der Wirtschaftslage eintreten, könnten zahlreiche Unternehmen gefährdet sein: Bei jedem siebten Unternehmen (15 Prozent) würde demnach eine sechsmonatige Fortdauer der Krise zu existentiellen Problemen führen, nur jedes dritte Unternehmen sieht sich derzeit gefeit gegen die Auswirkungen der Krise. „Die Unternehmen stemmen sich mit drastischen Kostensenkungen, Kurzarbeit und häufig sogar mit Einsatz ihres Privatvermögens gegen die Krise. Aber die Zeit wird knapp: Bei immer mehr Mittelständlern droht bald das Geld auszugehen“, berichtet Englisch. Trotzdem: Insgesamt hoffen die Mittelständler, eher gestärkt als geschwächt aus der Krise hervorzugehen: 30 Prozent der Mittelständler erwarten, gestärkt, nur 12 Prozent befürchten eine langfristige Schwächung. „Viele Unternehmen – gerade im Mittelstand – haben ihre Hausaufgaben gemacht und sind auch international hervorragend aufgestellt. Sie gehen in diesem Jahr durch ein Tal der Tränen. Wer aber diese Krise überlebt, hat alle Chancen, anschließend daraus gestärkt hervorzugehen. Wer allerdings schon vor der Krise Probleme hatte, wird Schwierigkeiten haben, die kommenden Monate zu überleben“, prognostiziert Englisch. Mittelständler sehen Ende der Krise erst Mitte 2011 Trotz der erhofften mittelfristigen Erholung der Konjunktur – ein Ende der Krise ist vorerst nicht in Sicht: Im Durchschnitt prognostizieren die Unternehmen eine 23-monatige Dauer der Krise. Nur jeder vierte Mittelständler glaubt, dass die Krise innerhalb des kommenden Jahres vollständig überwunden sein wird. Im Januar waren die Befragten noch davon ausgegangen, dass die Krise bereits im Oktober 2010 ausgestanden sein würde – nun sehen sie die vollständige Erholung der Wirtschaft erst für den Juni 2011 voraus. „Das Vertrauen der Unternehmen kehrt nur sehr langsam wieder zurück“, stellt Englisch fest. Dieses Vertrauen in eine positive Wirtschaftsentwicklung sei aber die Basis eines eventuellen Aufschwungs. „Immerhin: Der Negativtrend ist gestoppt, nun wird sich in den kommenden Monaten zeigen, ob der zaghafte Optimismus der Mittelständler gerechtfertigt ist. Noch steht ein eventueller Aufschwung auf sehr schwachen Füßen“. |