|
Können
Unternehmen denn twittern?
Von Wolfgang
Hünnekens
Nein. Aber Menschen können twittern und damit schnell
zu einem echten „Ich-Sender“ werden. Zu distanzierten, unnahbaren
Unternehmen kann und möchte wahrscheinlich niemand Kontakt haben. Zu
Unternehmen, die menschlich sind, schon. Noch gehören twitternde Manager
eher zur Ausnahme. Sie zeigen sich ihren Kunden und Interessenten als
Mensch. Wie Sie und ich. Das ist sympathisch.
Barack Obama hat während des Wahlkampfs zur
US-Präsidentschaft intensiv mit seinen Wählern (und denen, die es werden
sollten) kommuniziert. Über seinen Twitter-Account war er immer und
überall für jeden erreichbar. Das hat ihn für sehr viele Menschen nahbar
und sympathisch gemacht. Barack Obama ist Präsident der Vereinigten
Staaten geworden. Sicher nicht nur wegen seiner Aktivitäten bei Twitter,
aber auch deswegen.
Inzwischen sind etliche Unternehmen beziehungsweise
Menschen aus diesen Unternehmen dieser Idee gefolgt und twittern mit
ihren Kunden. Sobald ein Unternehmen (im wahrsten Sinne) menschlich
wird, ist es nahbar, ansprechbar und transparent. Natürlich nur dann,
wenn auch ein Nutzen für seine Follower entsteht.
Der amerikanische Computerhersteller Dell war einer
der Pioniere in diesem Bereich. Seit 2008 ist Dell mit mehreren Accounts
bei Twitter aktiv. Neben Beratung und Support steht natürlich auch der
Vertrieb seiner Produkte auf dem Plan. Wenn allerdings auch indirekt.
Weit über eine halbe Million Follower hat Dell bei Twitter. Über die
Twitter-Accounts kommen diese Menschen auf die Unternehmenswebsite und
kaufen Dell-Produkte. Innerhalb eines Jahres konnte Dell so einen Umsatz
von über drei Millionen Dollar generieren.
Sind Sie
immer noch der Meinung, dass Twitter Kinderkram ist?
Der US-Kabelnetzbetreiber Comcast betreibt über Twitter einen
erheblichen Teil seines Kundendienstes. Kunden wenden sich bei Problemen
über Twitter direkt an einen Mitarbeiter, der unmittelbar darauf
reagiert, hilft oder sofort einen Servicetechniker losschickt.
Natürlich hat die
schnelle Kommunikation über Twitter nicht nur positive Seiten für
Unternehmen. Gerade Comcast musste das schmerzhaft erfahren, als einer
jener Servicetechniker vom Kunden dabei ertappt wurde, dass er auf dem
Sofa des Kunden ein Schläfchen hielt, statt den Internetanschluss in
Ordnung zu bringen. Comcast musste mit ansehen, wie sich die (mit einem
Handy-Video belegte) Nachricht in Windeseile über Twitter weltweit
verbreitete.
Ob Ihr Unternehmen
nun in einem solchen Sozialen Netzwerk wie Twitter aktiv ist oder nicht
– es wird über Sie gesprochen. Mit Ihnen oder ohne Sie.
Das Beste, was Sie zunächst tun können, ist wenigstens
dabei zu sein. Ansprechbar zu sein und sich an einer Diskussion zu
beteiligen. Je direkter und persönlicher Sie in die Kommunikation
eingebunden sind, umso positiver wird der Effekt für Sie und Ihr
Unternehmen sein.
Auch in Deutschland erkennen Unternehmen zunehmend die
Notwendigkeit und den Nutzen von Twitter. Allerdings müssen viele
Unternehmen (und auch deren Agenturen) erst lernen, mit diesem Medium
richtig umzugehen.
„Hau-drauf“-Werbung wird in Sozialen Netzwerken sehr
schnell als solche enttarnt und führt eher zu gegenteiligen Effekten für
das Unternehmen.
Firmen wie Lufthansa, Vodafone, Volkswagen oder
Daimler, aber auch politische Parteien und Wahlkampf-Kandidaten sind
dabei, Twitter in ihre Marketing-Strategien einzubinden und als Kanal zu
nutzen.
Wenn Sie wollen, dass Twitter auch für Sie
„funktioniert“, müssen Sie sich als „Ich-Sender“ allerdings engagieren.
Kontinuierlich und persönlich. Sie müssen eine regelrechte Beziehung zu
Ihren Followern aufbauen. Sie sollten erst zuhören und dann mitmachen.
Geben Sie ihnen das authentische Gefühl, am Prozess beteiligt zu sein,
sich einbringen zu können. Das dauert seine Zeit, kostet viel Mühe und
manchmal auch Nerven. Wenn Sie es richtig machen, kommt früher oder
später aber der ROE, der Return on Engagement!
Die Freiheit des Mediums wird andererseits deutlich,
wenn Menschen selbiger beraubt werden. Nach der Präsidentenwahl im Iran
2009 beispielsweise wurden viele Kommunikationskanäle im Land gekappt
und Journalisten erhielten zeitweilig ein Verbot, aus dem Land von den
entstehenden Unruhen zu berichten. Das hinderte viele Bürger nicht
daran, über ihr Mobiltelefon aktuelle Meldungen und Zustandsberichte zu
twittern, so dass die Weltöffentlichkeit über diese „Ich-Sender“ trotz
Nachrichtensperre mit authentischen Informationen versorgt werden
konnte.
Wenn Sie wollen, dass Twitter auch für Sie
„funktioniert“, müssen Sie sich als „Ich-Sender“ allerdings engagieren.
Kontinuierlich und persönlich. Sie müssen eine regelrechte Beziehung zu
Ihren Followern aufbauen. Sie sollten erst zuhören und dann mitmachen.
Geben Sie ihnen das authentische Gefühl, am Prozess beteiligt zu sein,
sich einbringen zu können. Das dauert seine Zeit, kostet viel Mühe und
manchmal auch Nerven. Wenn Sie es richtig machen, kommt früher oder
später aber der ROE, der Return on Engagement!
Damit Ihr Twitter-Account über die Twitter-Community
hinaus bekannt wird, sollten Sie jede nur denkbare Möglichkeit nutzen,
ihn zu bewerben. Der Getränkehersteller Pepsi hat dazu seine eigene
Strategie: Immerhin sind rund 7.000 Follower dabei.
Also los, fügen Sie Ihre Twitter-URL in Ihre
E-Mail-Signatur und in das Briefpapier ein, drucken sie auf
Visitenkarten (auf Ihre persönlichen Karten oder eigene Twitter-Karten),
integrieren sie in Ihre Werbung und kleben kleine Aufkleber damit auf
Ihre Briefumschläge und setzen Sie den blauen Vogel auf Ihre letzte
PowerPoint-Folie. Jetzt! Nun sind Sie zumindest ein wenig mit Twitter
und seiner Funktionsweise vertraut.
>> Teil 2 >>
|