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Oxytocin: Dem Geheimnis von Treue und
Verbundenheit auf der Spur
von Anne M. Schüller
Verbundenheit entsteht durch Zuneigung (im wahrsten Sinne des
Wortes) und durch gemeinsames Handeln mit positivem Ausgang. Damit geht
auch ein Gefühl einher, das wir Vertrauen nennen. Begleitet werden diese
Prozesse durch einen körpereigenen Botenstoff namens Oxytocin.
Das auch gerne Kuschelhormon genannte
Oxytocin erhöht unser Glücks- und Genusspotenzial. Es ist
neurochemischer Balsam für unsere Seele. Es wirkt entspannend und
gesundheitsfördernd. Es wird cerebral immer dann verstärkt hergestellt,
wenn es zu einer Begegnung kommt, die feste Bindungen einleiten soll. Es
macht Liebende unzertrennlich, bindet Eltern an ihre Kinder und schafft
soziale Beziehungen. Es fördert sogar das Verteidigen der eigenen
Gruppe, falls diese angegriffen wird.
Oxytocin fokussiert auf das Miteinander
und erhöht die Bereitschaft, Vertrauen zu schenken. Es kann sogar
beschädigtes Vertrauen wieder heilen. Es verstärkt das Wir-Gefühl und
macht uns großzügig. Es hemmt den Aggressionstrieb und lässt Stress nur
so dahin schmelzen. Es fördert die Offenheit, zwischenmenschliche
Kontakte zuzulassen und macht uns friedliebend. Es macht uns auch
emphatisch. Dabei hilft der Botenstoff, den Blick für die Gemütslage
anderer zu schärfen, indem deren Gesichtsausdruck und Stimmlage
interpretiert werden.
Oxytocin verleiht Sozialkontakten ein gutes Gefühl
Früher galt Oxytocin als Schwangerschaftshormon, das die Wehen einleitet
und für eine enge Mutter-Kind-Bindung sorgt. Heute wissen wir: Oxytocin
kann sehr viel mehr. Es fungiert als Vermittler und verbindet
Sozialkontakte mit einem guten Gefühl. Unter seinem Einfluss wird das
Angstzentrum herunter gefahren. Vor allem aber sorgt es dafür, dass
lohnendes Verhalten wiederholenswert erscheint.
„Ohne Oxytocin könnten soziale Spezies
nicht überleben“, betont der Psychologe Markus Heinrichs, der an der
Züricher Universität zu diesem Thema forschte und jetzt an der
Universität Freiburg lehrt. Im Rahmen seiner Studien kam zutage, dass
Paare unter der Gabe von Oxytocin weniger stritten und der für
Stressreaktionen zuständige Cortisol-Spiegel niedriger war. Oxytocin
fördert wohl auch, wie andere Studien nahelegen, das Sozialverhalten von
Autisten.
Mit der hormonähnlichen Substanz
vorbehandelte Männer konnten sich im Rahmen eines pharmakologischen
Experiments leichter in die emotionale Lage anderer hineinversetzen.
Außerdem erzielten sie schnellere Lernerfolge als unter normalen
Umständen. Auf diesen Zusammenhang stießen Forscher der Universität Bonn
und des Babraham-Instituts Cambridge. Oxytocin kann übrigens als
Nasenspray verabreicht werden. Als ‚Liquid Trust‘ ist es zu kaufen. Es
funktioniert, so Heinrichs, aber nicht, wenn es im Raum zerstäubt wird.
Oxytocin fördert
(Kunden-)Treue
Ob Oxytocin auch die Treue beim
Menschen fördert? Zumindest bei Präriewühlmäusen wurde diese These
bestätigt. Sie haben, im Gegensatz zu ihren treulosen Vettern aus dem
Gebirge, den Bergwühlmäusen, eine hohe Anzahl an Rezeptoren, an denen
Oxytocin andocken kann. Wurde ihnen dieses injiziert, so entwickelten
sie ein hohes Bindeverhalten.
„Bewusst oder unbewusst tendieren wir
dazu, unser Verhalten so zu organisieren, dass es in uns zu einer
Ausschüttung dieser Substanz kommen möge“, so der Neurobiologe Joachim
Bauer, und weiter: „Personen, die durch ihre Zuwendung, durch ihre
Anerkennung oder Liebe unsere Oxytocin-Produktion stimuliert haben,
werden zusammen mit der Erinnerung an die mit ihnen erlebten guten
Gefühle in den Emotionszentren unseres Gehirns abgespeichert.“
Deshalb freuen wir uns, wenn wir gute
Freunde und angenehme Kunden sehen – und diese freuen sich auf uns.
Deshalb gehen wir auch für favorisierte Anbieter und unsere
Lieblingsmarken durchs Feuer. Und den ungeliebten laufen wir davon.
Social Networks und
Oxytocin
Oxytocin könnte sogar für
das Erfolgsphänomen Sozial Media mitverantwortlich sein. Um diese These
zu untermauern, ließ Adam Penenberg, Autor des Buchs Viral Loop, seinen
Oxytocin-Spiegel während des Twitterns messen. Schon nach zehn Minuten
war der Wert um 13,2 Prozent gestiegen. Gleichzeitig waren seine
Stresshormon-Werte gesunken. (Quelle: Medianet vom 17. August 2010) Das
digitale Interagieren mit Anderen scheint also ähnlich positive
Auswirkungen zu haben wie ein gutes Gespräch oder ein Treffen mit
Freunden.
Auch wenn die Wissenschaft mit
Untersuchungen zum Thema Oxytocin noch am Anfang steht: Denkt man das
Ganze betriebswirtschaftlich weiter, dann sollte das Wegrationalisieren
von zwischenmenschlichen Beziehungen endlich ein Ende haben. Vielmehr
müssten Unternehmen alles daransetzen, ein intensives, vertrauensvolles
und freundschaftliches Offline- und Online-Miteinander zu ihren Kunden
aufzubauen. Und sie müssten das Stammkunden-Pflegen in den Vordergrund
rücken. Die Kunden werden dies nämlich mit Treue belohnen. Und im
Internet erzählen sie der ganzen Welt davon.
Das Buch zum Thema
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Anne M. Schüller
Erfolgreich verhandeln
– erfolgreich verkaufen Wie Sie Menschen und Märkte gewinnen
BusinessVillage 2009, 224 Seiten ISBN-13: 978-3-938358-95-5 |
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