Marketing 2.0 - Der Kunde als Mitgestalter
eines neuen Marketing
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Der Kunde als Werber
Nicht länger durch klassische Werbekampagnen, sondern durch die sich
selbst organisierenden User-Schwärme werden heutzutage Marken und neue
Trends gemacht. Was diese brauchen? Guten Gesprächsstoff! „Statt Kunden
müssen Fans gewonnen werden, die die Markenbotschaft leben und
weitertragen. Dazu ist Werbung nicht das richtige Mittel“, sagt Hubertus
Bessau, Geschäftsführer des Senkrechtstarters Mymuesli, einem
Online-Anbieter von individuell zusammenstellbaren Müsli-Mischungen. Die
Blogging-Szene machte ihn bekannt. Dann sprang der Hype auf die Presse
über:
Meinungsstarke und gute vernetzte Expertenkunden, die
sogenannten ‚Market Mavens‘, sichern in Zukunft als Referenzgeber die
Reputation eines Unternehmens. Ihr Urteil beeinflusst das Kauf-Verhalten
ganzer Gruppen. Sie sind die wahren ‚Marktführer‘, Navigatoren in einer
zunehmend komplexen Business-Welt.
Die Suche nach passenden Multiplikatoren wird demnach
im Marketing der Zukunft eine viel größere Rolle spielen. Gerade bei
strategischen Überlegungen wird immer noch viel zu oft übersehen, dass
die effizientesten Wachstumstreiber all die Kunden sind, die die
Angebote eines Unternehmens regelmäßig weiterempfehlen.
Der Kunde als kostenloser Verkäufer
Empfehlungsmarketing ist der zweite Weg zu neuen Kunden. Der erste Weg,
die klassische Neukunden-Akquise, wird zunehmend beschwerlich.
Erstnutzer werden immer seltener. Und das Abjagen von Kunden der
Konkurrenz funktioniert fast nur noch über den Preis. Empfohlenes
Geschäft hingegen ist quasi schon vorverkauft.
Dies führt bei dem, der die Empfehlung erhalten hat,
zu einer positiven Wahrnehmung, zu zügigen Entscheidungen, zu
höherwertigen Abschlüssen und zu loyalerem Geschäftsgebaren. Und schnell
zu neuem Empfehlungsgeschäft. Es ist schon erstaunlich, wie viel Energie
Marktteilnehmer bisweilen investieren, um über ihre Lieblingsanbieter zu
reden und sie Anderen schmackhaft zu machen. So gilt: Wer nicht länger
empfehlenswert ist, ist auch bald nicht mehr kaufenswert.
Nicht worauf die Unternehmen so stolz sind, sondern
einzig und allein, was die Kunden über deren Produkte und Angebote,
Services und Marken, kurz über deren Performance sagen, was auf der
Straße hinter vorgehaltener Hand geredet, im Internet kommentiert oder
in den Medien an die große Glocke gehängt wird, entscheidet über das
Wohl und Wehe am Markt. Besser also, die Unternehmen hören gut hin - und
ermutigen ihre Kunden, sie in den höchsten Tönen zu loben. Denn das
Neukunden-Gewinnen ist leicht, wenn man viele Empfehler hat.
Empfehler geben dem Markt Orientierung und reduzieren
auf diese Weise Komplexität, Unsicherheit und Fehlentscheidungen. Diese
Prozesse beeinflussen das gesamte Marketing. Unternehmen müssen sich –
ob sie wollen oder nicht - daran gewöhnen, dass ihre Kunden die
Pressearbeit, den Vertrieb und sogar Innovationsprozesse immer öfter
selbst in die Hand nehmen. Das nennt man dann Consumer-to-Consumer-Marketing
(CtoC) – und es boomt.
Der Kunde als Gestalter
Das moderne Marketing entwickelt sich immer mehr zum
Mitmach-Marketing. Dieses ist nicht vorrangig auf Einsparpotenziale für
das Unternehmen ausgerichtet, vielmehr ist es nützlich und lustvoll für
den Kunden. Von progressiven Unternehmen wird der Konsument dabei
verstärkt in alle Stufen des Wertschöpfungsprozesses involviert und so
zum aktiven und kreativen Mitgestalter ‚seiner' Marke.
Anstatt ihn einseitig zu berieseln, gehen solche
Unternehmen mit dem Kunden eine Beziehung ein, in der dieser das Sagen
hat. Sie sorgen dabei nicht nur für einen 'Kick im Kopf', sondern vor
allem für einen 'Kick im Herzen'. Die Chancen stehen gut, dass derart
emotional eingebundene Kunden sich begeistert als aktive Empfehler
betätigen – kostenlos, aus eigenem Antrieb und gerne.
Das Outsourcing klassischer Unternehmensleistungen an
den Kunden ist in zahlreichen Varianten möglich: Umfragen, Abstimmungen
und Ratings, Prognose-Börsen, Diskussionsforen und Feedback-Systeme im
Internet, Ideen-Camps und Innovationsworkshops, User-Groups und
Community-Plattformen, Corporate Blogs, Firmen-Wikis, Mitmach-Brandlands
und so weiter und so fort.
Jedes Unternehmen kann auf seine Weise Ansatzpunkte
finden, um Kunden mitentscheiden zu lassen, wo es in Zukunft langgeht.
Bei Kunden schlummert das bislang am wenigsten genutzte
Kreativpotenzial. Und: Wer Kunden aktiv in seine Innovationsprozesse
einbindet, erhält bessere Lösungen. Bei IBM werden laut einer internen
Studie aus dem Jahr 2006 bereits 39 Prozent aller Ideen von Kunden
beigesteuert.
Die neuen ‚Sippen‘
Viele Marken haben heute lebendige Communities. Das sind
Konsumentengemeinschaften, denen man im Internet – und manchmal auch in
der realen Welt (Red Bull Flugtag) - eine Plattform zum Austoben bietet.
Integrative Marken stellen ihrer Gemeinde sowohl Themen als auch
Werkzeuge bereit, damit diese ‚Consumer Generated Content’ erzeugen
können. ‚Social Networking’ lässt eine neue Form von ‚Sippe’ entstehen
und dies wiederum fördert die Verbundenheit zur Marke.
So hat beispielsweise die Ferrero-Gruppe ihr früher
hartes Vorgehen gegen Nutella-Fans, die ohne vorherige Erlaubnis etwa
das Nutella-Logo in ihren Blogs verwendeten, völlig aufgegeben. Heute
stehen unter www.mynutella.com der Community alle möglichen Tools zur
Verfügung, um völlig unkontrolliert ‚Personal Sites‘ anzulegen, Fanclubs
zu gründen, Nutella-Partys zu organisieren und auf diese Weise gemeinsam
ihre Lieblingsmarke zu feiern.
Der ‚Mein-Baby-Effekt‘
Kunden lieben und loben Produkte umso mehr, je intensiver sie
beim Entwicklungsprozess mitreden dürfen. Marktforscher kennen diesen
Effekt schon seit langem: Wenn man Menschen zeigt, dass man sich für
ihre Meinung interessiert, verändert sich deren Haltung zum Unternehmen
positiv.
Das partnerschaftliche Einbinden der Kunden ist in
jedem Fall erfolgversprechender als der mühsame Aufbau von
Wechselbarrieren. Wechselbarrieren richten sich gegen den Kunden, sie
sind aggressiv und damit letztlich kontraproduktiv. Der durchschlagende
Erfolg der partizipativen und dialogisch geprägten Web-2.0-Welt hingegen
zeigt: Kooperation funktioniert besser als Konfrontation.
Wer als Kunde in die Produkt- und Serviceentwicklung
aktiv eingebunden wird und Marketingprozesse mitgestalten kann, der
hängt an seinem Anbieter und wird sein Wohl und Wehe rührig begleiten.
Er wird ‚seinem’ Unternehmen und ‚seinem‘ Ansprechpartner die Treue
halten und beide wärmstens weiterempfehlen. Das ist im Übrigen die beste
Prävention vor Kundenverlusten. Denn schließlich: Wer lässt schon gerne
sein ‚eigenes Baby’ im Stich? Weitere Infos:
www.empfehlungsmarketing.cc.
Literaturtipp
Die Autorin
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Anne
M. Schüller ist Management-Consultant und gilt
als führende Expertin für Loyalitätsmarketing. Über 20 Jahre hat sie in
leitenden Vertriebs- und Marketingpositionen verschiedener
Dienstleistungsunternehmen gearbeitet und dabei mehrere Auszeichnungen erhalten.
Die Diplom-Betriebswirtin und achtfache Buchautorin gehört zu den besten
Wirtschafts-Speakern im deutschsprachigen Raum. Sie arbeitet als Referentin und
Trainerin und lehrt an mehreren Hochschulen. Zu ihrem Kundenkreis zählt die
Elite der Wirtschaft. |
Kontakt:
www.anneschueller.de