Dem Kunden
ganz nah - Teil 2
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Teil 1
Kundennähe
in der Chefetage
Die
meisten Manager kümmern sich um Vieles – aber viel zu wenig um ihre Kunden.
Manche haben noch nie einen Kunden lebend zu Gesicht gekommen. Sie verbringen
ihre Zeit lieber im Konferenzraum als im Kundengespräch. Sie kaufen eher teure Beratung
bei McKinsey & Co., anstatt mal ausführlich mit Kunden zu reden. Sie
glauben, für Kunden seien die Mitarbeiter aus dem Vertrieb und dem Marketing
zuständig.
Kundenfokussierung
muss, von oben beginnend, Abteilungsgrenzen und Hierarchiegehabe überspringen
und alle Unternehmensbereiche durchdringen. Die Tüftler müssen ihr stilles Kämmerlein, die
Manager den grünen Tisch und die CEOs ihre behütende Vorstandsetage verlassen,
um Feedback-Schleifen zu drehen. Sie sollten sich Mikrofone schnappen und die
Kunden inständig befragen. Sie müssten sich Kameras nehmen und hinter den Kunden
herlaufen, um aufzuzeichnen, wie sie agieren.
‚Go
and see for yourself‘ nennen die Amerikaner diesen Kurs. Man muss dem Kunden
aufs Maul schauen, um erfolgreich zu sein. Bei Ikea folgen interne
Beobachter den Kunden im Drei-Meter-Abstand, um zu ermitteln, wohin sie
schauen, wohin sie greifen, und was sie links liegen lassen. „Wonach haben die
Kunden denn heute gefragt“, sollte Standard werden im Kommunikationsrepertoire
einer Führungskraft. So können gerade ‚schwierige‘ Kunden als Leistungstreiber
nach innen genutzt werden. Unternehmen müssen täglich neu lernen, was die
Kunden wirklich wollen, um in Rekordgeschwindigkeit auf Marktveränderungen zu
reagieren.
Für
praxisferne Führungskräfte bedeutet dies, womöglich erstmals seit langem wieder
mit Kunden von Angesicht zu Angesicht zu reden. Dies ist jedenfalls sinnvoller,
als in
Outdoor-Camps auf Bäumen herumzuklettern oder ‚durch die Wüste’ zu spielen. In
der Wüste gibt es keine Menschen! Anstatt ihr Wissen durch Managerbücher mit
tierischen Protagonisten (Mäuse-Strategie, Pinguin-Prinzip, Moskito-Marketing,
Piranha-Selling, …) anzureichern, sollte die Führungsetage sich besser mit
Menschenversteher-Wissen versorgen. Anstatt über glühende Kohlen zu laufen,
sollten Manager besser nachsehen gehen, wo es beim Kunden brennt.
Der Kunde: TOP 1 auf der Tagesordnung
Durchforsten Sie doch einmal
systematisch alle internen Kommunikationsmedien auf der Suche nach positiven
Kundengeschichten: Mitarbeiterzeitungen, das Intranet, Meetingprotokolle usw.
Möglicherweise werden auch Sie erschreckt feststellen: Der Kunde kommt darin
höchst selten vor. Machen
Sie es sich zur Gewohnheit, an den Anfang eines jeden Meetings und an den
Beginn einer jeden Besprechung eine kundenbezogene Erfolgsstory zu setzen.
Unter
der Überschrift ‚Der Kunde spricht‘ erhält er einen festen Platz auf der
Agenda. Und reihum sollten alle Teilnehmer eine Geschichte zu berichten wissen.
Die Führungskräfte und Mitarbeiter aus kundenfernen Abteilungen haben dabei die
Aufgabe, gezielt nach aussagekräftigen Kundengeschichten zu recherchieren. Eine
Regel lautet dabei: die Erfolgsgeschichte zuerst. Und eine weitere Regel lautet: Auf
eine Problemgeschichte muss immer mit einer Lösungsgeschichte geantwortet
werden. Einfache Lösungen sind dabei komplexen Lösungen vorzuziehen. Denn
komplexe Lösungen kosten Zeit und Geld - und sie sind fehleranfällig.
Erfolgreiche
Unternehmensführer wissen genau wie Trainer im Sport: Niederlagen führen
gefährlich schnell zu weiteren Niederlagen. Erfolge hingegen
schweißen zusammen, geben Kraft und machen Unglaubliches möglich. Kein Sportler
würde seine Negativ-Erlebnisse vorkramen, wenn er zum nächsten Sieg eilen will.
Ganz im Gegenteil: Er führt sich seine größten Triumphe vor Augen. So kann es
schließlich zu einer ganzen Erfolgssträhne kommen. Also: Nur keine falsche
Bescheidenheit! Reden Sie über das, was gut funktioniert! Richten
Sie sich aufs Siegen ein. Und
ganz schnell verbreitet sich dann dieses wunderbare Gefühl: Wir
sind ein Unternehmen, das es krachen lässt!
Mitarbeiter kundenfokussiert führen
Im
unternehmerischen Wettbewerb erreicht man eine Vorrang-Stellung nicht länger
darüber, was man macht, sondern nurmehr darüber, wie der Kunde dies
wahrnimmt. Und für das Wie sind die Mitarbeiter zuständig. Jede Unternehmensstrategie
ist nur so gut, wie die Mitarbeiter, die diese umsetzen. Vonnöten ist also
nicht nur ein kundennahes Management sondern auch ein neuer Führungsstil: die
kundenfokussierte Mitarbeiterführung. Das bedeutet:
Führungskräfte
haben die Aufgabe, solche Rahmenbedingungen zu schaffen,
die es
den Mitarbeitern ermöglichen,
für die
Kunden ihr Bestes geben zu können und vor allem: zu wollen.
Eine
kundenfokussierte Mitarbeiterführung ist folgendermaßen geprägt:
·
Die
Mitarbeiter sind in die Unternehmensstrategie aktiv eingebunden.
·
Die
Führungskraft lebt Kundenfokussierung sichtbar vor.
·
Management
by walking and talking around.
·
Der Kunde
ist in Gesprächen und Meetings stets positiv präsent
·
Die
Mitarbeitermotivation wird regelmäßig gemessen - und sie ist hoch.
·
Kundenfokussierung
wird gefördert, gelobt und belohnt.
·
An
kundenfokussierter Prozess-Optimierung wird ständig gearbeitet.
Die
kundenfokussierte Mitarbeiterführung ist äußerst facettenreich. Sie hat nichts
mit punktuellem Aktionismus zu tun. Sie lässt sich weder durch Standards noch
durch eine schnelle Checkliste vermitteln. Patentrezepte gibt es nicht.
Vielmehr braucht es erstens eine kundenfokussierte Unternehmenskultur, zweitens
Kontinuität und drittens Konsequenz. Am Ende geht es um eine Summe wohldurchdachter
Details, die sich - wie die Eisenspäne bei einem Magneten - auf das gleiche
Ziel ausrichten: den Mitarbeitern durch passende Rahmenbedingungen zu
ermöglichen, kundenfokussiert denken und handeln zu können - und dies vor allem
zu wollen. In meinem Buch ‚Kundennähe in der Chefetage‘ findet der Leser
hierzu eine Fülle praxisnaher und unverzüglich umsetzbarer Anregungen.
Der
‚Return on Kundenfokussierung‘
Manager, die neu ins Unternehmen kommen, beschäftigen sich zuerst
mit den Kosten, den Finanzen, der Organisation und den Mitarbeitern. Die Kunden
werden kaum beachtet. Das ergab eine 2007 online durchgeführte Studie des IFAM
Instituts in Düsseldorf. An der Befragung nahmen 211 Manager aus Konzernen
sowie Unternehmen des Mittelstandes teil. Die Studie bestand nur aus einer
offenen Frage: „Wenn Sie ein Unternehmen nicht kennen – welche fünf Aufgaben
würden Sie unabhängig von einer Detailanalyse auf jeden Fall anfassen?“.
Weniger als fünf Prozent der Befragten nannten spontan die Wertschöpfung, die
durch eine intensivere Auseinandersetzung mit den Kunden verbessert werden
könne.
Der Kunde gehört nicht an die letzte, sondern an die erste Stelle.
Denn die einzigen,
die das Überleben eines Unternehmens auf Dauer sichern, sind dessen Kunden. Und
zwar begeisterte, ja geradezu glückliche, dem Unternehmen durch und durch
verbundene treue Immer-wieder-Kunden, die zudem als aktive Mundpropaganda-Macher
das Neugeschäft sichern. Gerade bei strategischen Überlegungen wird immer noch
viel zu oft übersehen, dass die effizientesten Wachstumstreiber all die Kunden
sind, die die Angebote eines Unternehmens regelmäßig weiterempfehlen. Sie sind
die wahren ‚Marktführer‘, Navigatoren in einer von Vertrauensschwund
gezeichneten zunehmend komplexen Business-Welt.
Eines
ist sicher: Das Machtverhältnis zwischen Anbieter und Verbraucher hat sich
umgekehrt. Der Kunde hat sich vom passiven Konsumenten zum aktiven
Marktgestalter gewandelt. Nicht
länger die Unternehmen, sondern deren Kunden bestimmen inzwischen die
Spielregeln, nach denen 'verkaufen' gespielt wird. Der Kunde ist der wahre
Boss. Er stellt die Anforderungen und
die Unternehmen führen sie aus – und zwar bitte möglichst sofort! Wer nicht nach den Regeln der
Kunden spielt, spielt morgen nicht mehr mit. Denn Geldscheine sind Stimmzettel.
Damit wählen wir, oder wir wählen ab. Der Kunde hat heute die Macht –
und damit im Unternehmen das Sagen! Und
wenn dem Kunden was nicht passt, bleibt sein Portemonnaie eben zu. Und er
erzählt der ganzen Welt, warum!
Der
kundenfokussierten Unternehmensführung gehört also die Zukunft. Und siehe da:
Eine erste Studie zeigt, dass mit wachsender Marktorientierung auch die
Börsen-Performance steigt. Die BBDO Consulting untersuchte zusammen mit
dem Lehrstuhl für innovatives Markenmanagement der Universität Bremen 254
börsennotierte Unternehmen und fand heraus, dass die marktorientiertesten 20
Prozent innerhalb von fünf Jahren einen um 46 Prozent höheren Total Shareholder
Return (Kurssteigerungen und Dividende) erzielt hatten als die restlichen 80 Prozent.
Zur Autorin
Anne M. Schüller
ist Management-Consultant und gilt als führende Expertin für
Loyalitätsmarketing. Über 20 Jahre lang hat sie in leitenden Vertriebs- und
Marketingpositionen verschiedener internationaler Dienstleistungsbranchen gearbeitet
und dabei mehrere Auszeichnungen erhalten. Die Diplom-Betriebswirtin und
achtfache Buchautorin gehört zu den besten Keynote-Rednern im deutschsprachigen
Raum. Sie arbeitet auch als Business-Trainerin und lehrt an mehreren
Hochschulen. Sie gehört zum Kreis der ‚Excellent-Speakers‘. Zu ihren Kunden
zählt die Elite der deutschen, schweizerischen und österreichischen Wirtschaft.
Kontakt:
www.anneschueller.de
Das Buch zum Thema