Kommentar
von Oliver Recklies
Die
nachfolgenden Ausführungen kommentieren den Beitrag "Warum scheitern
CRM-Projekte. 13 Gründe" aus der Galileo Business-Publikation "CRM
mit Methode - Intelligente Kundenbindung in Projekt und Praxis mit iCRM".
Darin erläutern Stengl, Sommer und Ematinger die Thematik CRM in Verbindung mit
Projekten. An bestimmten Passagen ihres Beitrags sind die Autoren jedoch nicht
genau genug und stellen nur in zu kurzer Form die grundlegenden Aspekte und
Hintergründe der Vertriebssteuerung und ihren Einfluss auf das CRM-Projekt dar,
so dass für den Leser wichtige Informationen, die für den erfolgreichen
Einsatz des CRM notwendig sind, verloren gehen. Der nachfolgende Beitrag
ergänzt daher den o.a. Beitrag und verschiebt dabei den Schwerpunkt auf die
Aspekte der Vertriebsgestaltung.
Die
Kundenbindung mittels CRM-Systemen ist nicht nur ein Thema für Unternehmen im
e-Business, sondern wichtig für alle Unternehmen, die kundenorientiert tätig
sein wollen. Effektive Kundenbindung und ein erfolgreiches Management der
bestehenden Kundenbeziehungen gelten heute als die Grundlagen für den
dauerhaften Geschäftserfolg. Schon F. Reichheld wies darauf hin, dass eine
Erhöhung der Kundenbindung um nur 5 % den Erfolg eines Unternehmens um 85 %
erhöhen kann. Um Kundenbindung und Kundenbeziehung auch großer Kundenbestände
zu bewältigen und die entsprechenden Impulse für die Vertriebssteuerung
elektronisch zu gewährleisten, setzen viele Unternehmen auf den Einsatz von
Customer Relationship Management (CRM) Systeme
Ebenso beginnen CRM-Projekte wie von den o.a. Autoren
ausgeführt auch nicht mit einer Vision, sondern sind eher als Konzept zur
Vertriebssteuerung und Marktbearbeitung zu verstehen. CRM-Projekte beginnen mit
einer Strategie, wie und warum Kundenbindung- und Betreuung,
Kundensignalverarbeitung und elektronische Impulssteuerung realisiert werden
soll. Bei der Einführung sollten CRM-Projekte mit der Strategie (insbesondere
der Strategie für die Wertschöpfung (jeder CRM-System muss sich rechnen!), die
Kundenbindung und das Management der Kundenbeziehung) beginnen und dann auf die
einzelnen Geschäftsprozesse und Divisionen bzw. Abteilungen heruntergebrochen
werden.
In
welcher Form sich das eigentliche CRM aber vollzieht (Papier oder elektronisch)
ist dabei von nachrangigem Belang.
Der eigentliche Hauptfehler
Die CRM-Software wird von dem
Bereich Organisation oder der IT-Abteilung eingeführt.
Die Einführung einer CRM-Lösung
ist bei genauer Betrachtung nur der letzte Schritt in der Vertriebsgestaltung
und (zukünftig neuen) Vertriebssteuerung. Vorher muss den Mitarbeitern, die im
Vertrieb tätig sind, erläutert werden, wie zukünftig der Vertrieb und die
Kundenberatung erfolgen sollen. Dazu gehört auch die Klärung, wie künftig
Kundeninformationen sowie Kundensignale erkannt und im Unternehmen weiterverarbeitet
werden. CRM wird in diesem Zusammenhang das zentrale Mittel zu
Vertriebsunterstützung. Erst wenn die Vertriebssteuerung und die
Vertriebsimpulse definiert sind, kann eine CRM-Lösung eingeführt werden. D.h.
auch, dass der Hauptteil der Vorbereitungsarbeiten im Bereich Vertrieb liegt
(wobei natürlich eine Zusammenarbeit mit dem Bereich Organisation oder IT
dazugehört). Idealerweise werden die Vertriebsmitarbeiter nach Vorstellung der
neuen Konzeption von sich aus fragen, ob es zur Unterstützung nicht eine
EDV-technische Lösung gibt.
Weitere Hinweise
Zur Anpassung der Infrastruktur
bei der Einführung eines Online-Shops gehören unter CRM-Gesichtspunkten auch
diese Anpassungen der Infrastruktur:
- Generierung der angestrebten
Wertschöpfungspotentiale – aber wie?
- Information der Mitarbeiter über den Hintergrund
und die Ziele des Onlineshops (dies beginnt mit der einfachen Information
über die URL des Shops)
- Einbindung des virtuellen Shops in das
Vertriebssystem des Unternehmen
- Abstimmung des Preissystems (Sonderpreise für
Online-Umsätze)
- Schulung der Mitarbeiter
- Organisatorische und rechtliche Belange (z.B.
Lieferzeiten, Verifizierung der Kunden und ihrer Bestellungen)
- Pflege der Produkt- und Preisdatenbanken
- Weiterverwertung der über den Onlineshop
erhaltenen Daten)
Problematisch in diesem Zusammenhang kann auch sein, dass
Mitarbeiter den Onlineshop als unternehmensinterne Konkurrenz sehen und diesem
daher die notwendige Unterstützung zur Einführung versagen.
Bei der Planung des
CRM-Projektes ist zu beachten, dass die Projektziele immer umsetzbar, messbar
und somit kontrollierbar sein müssen. Planung ohne Kontrolle führt die Planung
letzten Endes ad absurdum. Pauschale Erwartungen, wie z. B. "Wir wollen
unsere Kundenzufriedenheit erhöhen" lassen sich nicht direkt messen oder
erfordern ein sehr aufwendiges Verfahren wie eine Kundenzufriedenheitsanalyse,
wobei andere Einflussfaktoren in diesem Zusammenhang unberücksichtigt bleiben.
Trotz aller technischen Aspekte
ist zu beachten, dass ein CRM-Projekt ist aber gar kein eigentliches
IT-Projekt! Es ist und bleibt ein Projekt im Bereich „Marktbearbeitung“ oder
„Vertrieb“, je nachdem wie die Terminologie des betroffenen Unternehmens
ausfällt. Somit ist es zwingend erforderlich, dass das CRM-Projekt auch von
einer Führungskraft aus dem Bereich Vertrieb mitgeleitet, wenn nicht sogar gesteuert
wird. Daher kommt der Aspekt der Reorganisation auch nicht hinzu, sondern geht
dem Projekt vorn weg. Die IT-Applikation schließt das Projekt nur ab und bietet
den Mitarbeitern die elektronische Plattform zur effizienten Darstellung der
Vertriebsprozesse.
Beim Einsatz des CRM in der
Praxis muss der Grundsatz gelten: Alle haben die gleichen aktuellen Informationen
zum Kunden und zu seinem Auftrag (Beispiel: Kundendatenbank der Deutschen
Telekom). Dies setzt natürlich voraus, dass das Unternehmen definiert, wann von
wem welche Daten in welchen Datenfeldern zu erfassen sind. Oft scheitert die
effektive Nutzung eines CRM-Systems daran, dass Kundeninformationen nicht oder
gleiche Informationen in verschiedenen Feldern erfasst werden.
© Oliver Recklies, August 01