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Erfolgreich verkaufen
von Anne M. Schüller
Ist Ihre Positionierung emotional genug?
Menschen
kaufen keine Produkte, sondern Problemlösungen und gute Gefühle. Sie
kaufen keine 'Hardfacts', sondern die Erfüllung von Hoffnungen, Wünschen
und Träumen. Sozusagen: Ein kleines Stück vom großen Glück. Die
Positionierung von Unternehmen und ihren Marken, Produkten und Services
muss also nicht nur eine faktische, sondern auch eine emotionalisierende
sein. Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der modernen Hirnforschung
lautet: Menschen entscheiden emotional und begründen diese
Entscheidungen dann rational – übrigens auch im BtoB-Geschäft. Emotionen
sind nicht nur in allen Entscheidungen vorhanden, sie sind sogar deren
treibende Kraft. Dabei lauten die drei Grundregeln:
· Die
Menschen suchen aktiv nach guten Gefühlen.
· Die
Menschen meiden negative Gefühle.
·
Emotionales hat für unser Hirn Vorrang.
Wir entscheiden uns erst wirklich für das Habenwollen,
wenn unser cerebrales Belohnungszentrum aktiviert wird. Dieses – und
nicht die Ratio - legt am Ende ‚den Hebel um‘ und entscheidet final über
Ja oder Nein. Das, was uns zu einer Entscheidung bewegt, mag je nach
Menschentyp, Geschlecht und Alter verschieden sein, doch ohne Emotionen
gibt es keine einzige Entscheidung.
Emotionale Erfolgsgeheimnisse
So heißt es also, das emotionale Erfolgsgeheimnis zu
finden, das tief im Kern unserer Produkte schlummert. Zum Beispiel:
Autos sind die modernen Reittiere des Mannes. Die Krawatte ist seine
Keule und die Weste sein Panzer. Große Damenhandtaschen sind Ersatz für
den männlichen Begleitschutz. Das Deo Axe verspricht einem nicht nur,
gut zu riechen, sondern auch Vorteile beim Paarungsspiel. Beim Zahnarzt
‚kauft‘ man ein strahlendes Lächeln und damit Hoffnung auf beruflichen
und privaten Erfolg – also letztlich die Aussicht auf Liebe.
Durch Studien ist hinlänglich bewiesen, dass schöne
Menschen mehr verdienen und eher Karriere machen. Bei einer Untersuchung
von Gerichtsakten kam sogar heraus, dass gut aussehende Angeklagte zu
leichteren Strafen verurteilt wurden. Andere Studien brachten zutage,
dass schöne Menschen eher Hilfe erhalten, wenn sie in Not geraten.
All das, weil schöne Menschen unser Hirn erfreuen. Das
kennt doch jeder: An Schönheit können wir uns nicht satt genug sehen. So
sind wir bereit, für Schönheit tief in die Tasche zu greifen.
Wohlgeformte Produkte und ästhetisches Design funktionieren nach dem
gleichen Prinzip.
Wenn unser Hirn sich freut, sitzt das Geld
locker
Wenn ein Unternehmen nichts Außergewöhnliches zu
bieten hat, wenn seine Produkte austauschbar sind und der Service alles
andere als begeistert, entscheidet immer der Preis. Dann soll es
wenigstens billig sein. So trösten wir uns (Trostpreis!) mit
Billigpreisen oder Rabatten über emotionale Mängel bzw. Enttäuschungen
hinweg. Gute Gefühle hingegen dürfen kosten. Wenn wir in guter Stimmung
sind, sitzt das Geld locker. Das kennen wir alle aus dem Urlaub.
Und auch, wenn wir es nicht wahrhaben wollen:
Blendwerk funktioniert. ‚Schöne Worte sind wie Edelsteine‘ sagt der
Schmeichler und strahlt. Denn er weiß: Wir können uns der Magie eines
Kompliments nicht einmal dann entziehen, wenn wir wissen, dass damit
Hintergedanken verbunden sind. Einer meiner Kollegen versendet seine
Angebote in einer goldenen Schatulle – und kann so teurer an Firmen
verkaufen.
Und weiter: Süßes macht süchtig, deshalb sind
Fertigprodukte so süß. Die Einnahme von Süßem verändert sogar das
Preisempfinden beim Konsumenten. In einem Experiment konnten
Wissenschaftler der Zeppelin University Friedrichshafen zeigen, dass
nach der Einnahme von Zuckerwasser höhere Preise eher als fair
akzeptiert werden. Ein Industrie-Verkäufer erzählte mir einmal, er
praktiziere beim Neukunden-Gespräch den Schoko-Einstieg, und der geht
so: „Wissen Sie eigentlich, wer mein liebster Kunde ist? Die
Schokoladenfirma xx! Probieren Sie mal!“
Menschenversteher gefragt
Kundenversteher statt Produktverkäufer sind fortan
dringend vonnöten. Denn es gilt zu verstehen, was Menschen in
Wirklichkeit kaufen: ein Vertrauensverhältnis ohne Enttäuschungsgefahr,
sichtbarer Erfolg im Business, Sorglosigkeit, Lebensqualität und
Seelenfrieden. Wer hektische Zwölf-Stunden-Tage abstrampelt, der kauft
sich Ruhe und Raum. Zeit ist für viele der größte Luxus. Durch Zeit und
nicht durch Geld erkauft man sich Freiheit, Selbstbestimmung und
Vergnüglichkeit. Wer sich solche Dinge kaufen kann und will, der schaut
nicht aufs Preisschild.
Bei der kaufstarken und loyalitätsaffinen
50plus-Generation und auch bei vielen jungen Menschen ist heutzutage die
Sinnfrage angesagt. Haltung und Stil statt ‚Bling-Bling‘ sind wieder
gefragt. Und manche stellen dabei zunehmend fest: All die guten Gefühle,
die man mit Geld erkaufen kann, sind nichts gehen das gute Gefühl, das
man spürt, wenn man anderen Menschen helfen konnte.
Und wenn ein Produkt trivial und austauschbar ist?
Dann sucht man nach einer Problemlösung. So berichtet der
Marketingexperte Don Peppers von dem niederländischen Energieversorger
Eneco, der die Betreiber von Treibhäusern mit individualisierten
Regulierungssystemen versorgte, so dass jede Pflanzenart unter optimalen
klimatischen Bedingungen wachsen konnte.
Problemlösungen und gute Gefühle
Menschen kaufen keine Produkte, sondern
Problemlösungen und gute Gefühle. Niemand interessiert sich dafür, was
ein Produkt kann, uns interessiert vielmehr, was es für uns tut. Doch
immer wieder drängen sich während eines Verkaufsgesprächs die
Produkteigenschaften in den Vordergrund. Bei vielen Präsentationen geht
das eine halbe Stunde lang so: Wir sind… Wir haben… Wir können… Wir
bieten… ! Mit anderen Worten: Ich erzähle Ihnen jetzt mal, wie toll wir
sind.
Deshalb rate ich Verkäufern: Erstellen Sie zunächst
eine Liste der Produktmerkmale und schreiben Sie daneben in zwei
getrennte Spalten, welche Zielsituation durch eine kundenfokussierte
Problemlösungen angestrebt wird und welche guten Gefühle dies dem Kunden
dann bringt. So kommen Sie vom ‚was‘ zum ‚wie‘ und ‚warum‘– und begeben
sich gedanklich auf die Kundenseite.
Ein Paradebeispiel für solches Vorgehen? Der
Schraubenhersteller Würth. Das Kundenproblem? Immer dann, wenn es
besonders dringlich ist, gehen notwendige Schrauben aus – oder sie sind
unauffindbar. Und das bedeutet: Ärger! So entstand das
Lagermanagementsystem ORSY. Durch Lösungen wie diese wurde Würth
Weltmarktführer mit Low-Interest-Produkten, die genormt, billig und –
mit Verlaub – völlig unsexy sind.
Relevanz entscheidet
Sie wissen genau, was Ihre Kunden brauchen? Wir alle
neigen gerne dazu, zu glauben, andere sähen die Welt ein wenig wie wir.
Und sind dann völlig erstaunt, wie jemand eine ganz andere Sicht der
Dinge haben kann. Doch so wie jedes Gesicht einzigartig ist, so ist auch
das Gehirn bei jedem Individuum anders gebaut. Also gilt es, die
Kaufmotive aufzuspüren und dann die Botschaften zu senden, die für den
jeweiligen Kunden relevant sind - und damit sein Belohnungssystem zum
Jubeln bringen.
Die Schlüsselfragen, die deshalb vor jedem
Verkaufsgespräch zu stellen sind, lauten:
Welcher ‚Typ‘ ist der Kunde? Und wie ‚tickt’ er
emotional? Was will und braucht er wirklich? Was hält er von unserer
Leistung? Und was fängt er damit an? Wie können wir unsere Kunden
erfolgreich und damit glücklich zu machen?
Und wie erfahren Sie all das? Nicht am grünen Tisch,
nicht durch Studien und Statistiken, sondern durchs Eintauchen in die
Kundenwelt und regelmäßige, vertrauensvoll-offene Dialoge! Wir können
den Menschen nur vor die Stirn schauen! Kundenfokussiert verhandeln
heißt: Nicht glauben, zu wissen, was der Kunde nötig hat und nützlich
findet, sondern beobachten und fragen. So gibt Ihnen dann ein
klitzekleines Wissensdetail den Vorsprung, den Sie brauchen, um Ihrer
Konkurrenz meilenweit voraus zu sein.
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Das Buch zum Thema
Anne M. Schüller Erfolgreich verhandeln –
erfolgreich verkaufen Wie Sie Menschen und Märkte gewinnen
BusinessVillage 2009, 224 Seiten 24,80 Euro [D] / 25,60 Euro
[A] / 37.90 CHF ISBN-13: 978-3-938358-95-5
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Die Autorin
Anne M. Schüller ist Management-Consultant und gilt
als führende Expertin für Loyalitätsmarketing. Über 20 Jahre lang hat
sie in leitenden Vertriebs- und Marketingpositionen verschiedener
internationaler Dienstleistungsbranchen gearbeitet und dabei mehrere
Auszeichnungen erhalten. Die Diplom-Betriebswirtin und achtfache
Buchautorin gehört zu den besten Keynote-Rednern im deutschsprachigen
Raum. Sie arbeitet auch als Business-Trainerin und lehrt an mehreren
Hochschulen. Sie gehört zum Kreis der ‚Excellent-Speakers‘. Ihr Buch
‚Kundennähe in der Chefetage‘ erhielt den Wirtschaftsbuchpreis 2008. Zu
ihren Kunden zählt die Elite der deutschen, schweizerischen und
österreichischen Wirtschaft.
Kontakt:
www.anneschueller.de
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