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Beschwerdemanagement - Wie Sie erfolgreich mit Reklamationen umgehen
von Anne M. Schüller
Der nachfolgende Beitrag ist dem e-Book
"Beschwerdemanagement Wie Sie erfolgreich mit Reklamationen umgehen" von Anne M.
Schüller entnommen. Am Ende des Beitrags finden Sie den Link auf das
vollständige e-Book.
Eine Reklamation ist keine Nörgelei oder Ruhestörung, sondern ein im
Nachhinein geäußerter Kundenwunsch – oder das Warnsignal eines absprungbereiten
Kunden. Denn bei jeder Unzufriedenheit denkt der Kunde sofort über einen Wechsel
nach. Und das wird er in Zukunft auch immer gnadenloser tun. Wer heute versagt,
bekommt von anspruchsvollen Kunden keine zweite Chance. Denn die Angebote am
Markt sind riesig. Und die Konkurrenz lauert schon. "Wenn Sie die Kultur eines
Unternehmens in zehn Sekunden kennen lernen wollen, dann machen Sie das am
leichtesten in allen Branchen bei einer Reklamation", sagt der Erfolgshotelier
Klaus Kobjoll vom Schindlerhof in Nürnberg.
„Unsere Kunden müssen ganz zufrieden sein“, meinte kürzlich ein
Mittelständler, „wir erhalten nur so um die vier Reklamationen pro Woche.“ Ein
fataler Irrtum! Wer keine Beschwerden hat, hat auch bald keine Kunden mehr! Denn
neben den vorgetragenen Beschwerden gibt es, so fanden amerikanische Studien
heraus, bezogen auf 100 Fälle 96 Personen, die nichts sagen, sondern still und
leise abwandern. 96 Prozent! Warum ist diese Zahl so unglaublich hoch? Weil
Kunden lieber die Flucht ergreifen statt auf Angriff zu schalten. („Eine
Reklamation bringt nichts als Ärger!“). Und weil hinter jeder Reklamation auch
emotionale Gründe stecken, die die meisten Menschen lieber verbergen wollen.
Warum also wird immer noch so selten reklamiert?
• Es ist eine Frage des Typs.
• Es macht zu viel Arbeit oder ist zu aufwändig.
• Es frustriert und zieht einen selber runter.
• Es erscheint als Lappalie im Vergleich zum möglichen Ausgang.
• Man weiß nicht, wo oder bei wem.
• Man hat schlechte Erfahrungen bei Anderen oder im selben Unternehmen gemacht.
• Man hat Angst, peinlich aufzufallen oder als Trottel dazustehen.
• Man hat Angst vor Unannehmlichkeiten oder Repressalien.
• Man hat Angst vor seelischen Verletzungen.
• Man glaubt nicht an die Bereitschaft zur Wiedergutmachung.
Wenn nun 96 Unzufriedene ihr Ungemach beispielsweise 13 Mal frustriert
weitererzählen, ergibt das 1248 negativ Beeinflusste. Passiert das an 52 Wochen
10 Jahre lang, so kommt man auf 648.960 negativ Beeinflusste. Das ist der
Schaden nach außen. Und der Schaden nach innen?
Unzufriedene Kunden
• kaufen weniger oder gar nicht mehr
• werden kritischer und suchen verstärkt nach weiteren Fehlern
• sind misstrauisch gegenüber allen neuen Angeboten
• stellen überhöhte Forderungen
• fordern Preisnachlässe
• sorgen für schlechte Stimmung bei den Mitarbeitern
• machen unnötige Arbeit und verursachen zusätzliche Kosten
• bewirken einen schlechten Ruf am Markt
• halten andere Kunden vom Kaufen ab
• und sorgen so für Umsatzverluste.
Noch verheerendere Auswirkungen als die real weitererzählten
Unzufriedenheiten haben jedoch die im Internet platzierten Kritiken.
Weltweit am Pranger
Die Gefühlslagen enttäuschter Verbraucher lassen sich in aller
Deutlichkeit auf Meinungs- und Boykott-Seiten, auf Bewertungsportalen sowie in
Foren und Blogs ablesen. Manche Unternehmen sind dort negativer präsent, als
ihnen vielleicht lieb ist. Auf internationaler Bühne wird ihr Pfusch nach
Robin-Hood-Manier an den Pranger gestellt. Solche negativen Berichte, gerne auch
als ‚Blogstorms’ bezeichnet, erreichen oft innerhalb weniger Stunden die breite
Öffentlichkeit - und werden von den sensationshungrigen Medien dankbar
aufgenommen. Dies kann eine digital losgetretene Lawine Image schädigender
Reaktionen und sogar veritable Unternehmenskrisen auslösen – wenn die
Unternehmen die Angriffe der Internetgemeinde überhaupt bemerken. Denn die
wenigsten Unternehmen haben bislang die ‚Blogosphäre’ auf dem Radar. So fanden
die Marktforscher von CHD Expert Ende 2007 heraus, dass nur dreißig Prozent
aller Hoteldirektoren regelmäßig die Bewertungen ihres eigenen Betriebs auf den
Hotel-Bewertungsportalen lesen. Über fünfzig Prozent interessierten sich
grundsätzlich nicht dafür, den meisten sei das einfach zu viel Arbeit!
Demgegenüber informieren sich bereits rund 80 Prozent aller Reiselustigen vor
einer Buchung auf Bewertungsportalen im Internet.
Auch bei anderen Dienstleistern orientieren sich Interessenten zunehmend an
webbasierten Rankings und Kommentaren. Wer als Anbieter aktives Blog-Monitoring
betreibt, kann kostenlos und schnell eine Menge über neue Kundenbedürfnisse,
sich abzeichnende Trends, die eigene Position im Markt und das Abschneiden der
Mitbewerber erfahren. Selbst, wenn nicht jeder Eintrag glaubwürdig ist:
Digitalen Vandalismus und zerstörerische Negativ-Kommentare, die von
missgünstigen Konkurrenten über Strohmänner eingestellt wurden, schätzt der
Online-Experte Torsten Schwarz auf maximal fünf Prozent. Erkennbar sind solche
‚Trolle‘ (wie man sie im Online- Jargon nennt) meist an der schlechten
Ausdrucksweise oder an jeglichem Fehlen konstruktiver Hinweise - und im Fall von
Eigenpromotion an der zu werblichen Darstellung. Im Übrigen filtern gute
Bewertungsportale unakzeptable Kommentare sowie Schmähattacken und
Marketingprosa im Vorfeld schon aus.
Eines ist sicher: Wer heutzutage konsumieren oder investieren will, glaubt
eher den Botschaften seiner Freunde und Arbeitskollegen oder den Beiträgen im
Web, als den oft trügerischen Hochglanzbroschüren der Anbieter am Markt. So
kommt es dann, dass viele potenzielle Kunden bereits verloren sind, bevor es
einen ersten Kontaktversuch gibt. Dabei hat das Internet ein
Elefantengedächtnis: Was einmal dort steht, ist so gut wie nie mehr zu löschen.
Die Schlussfolgerung: Bringen Sie Unzufriedene zum Reden, bevor sie es woanders
tun! Je mehr sich die Leute bei Ihnen beschweren können, desto weniger tun sie
es hinten herum.
Durch die Brille des Reklamierenden betrachtet
Versetzen wir uns zunächst in die Lage eines Reklamierenden. Er
reagiert spontan, subjektiv, verärgert, impulsiv, manchmal verletzend und
verallgemeinernd. Er hat sich auf seinen Beschwerde-Anruf gut vorbereitet. Oder
verwendet Stunden seiner wertvollen Zeit, um einen womöglich mehrseitigen
Reklamationsbrief zu schreiben. Dabei kommt der ganze Frust noch einmal hoch, so
dass er Mühe hat, sachlich zu bleiben. Während er auf Antwort wartet, gehen
seine Gedanken mit ihm durch: Wird es zu einer Auseinandersetzung kommen? Wird
man mir betrügerische Absichten unterstellen? Wird man mich beschimpfen? Wird
sich der ganze Aufwand überhaupt lohnen? Wird man mir eine Entschädigung
zukommen lassen? Im Geiste stellt er sich schon auf das Schlimmste ein. Und nun
kommt Ihre Reaktion. Er hofft auf eine faire Behandlung –und Sie übertreffen
jede seiner Erwartungen. Er erhält mehr, als er dachte. Dies gibt ihm das
erhabene Gefühl, etwas bewegt zu haben. Darüber wird er stolz auf der nächsten
Party berichten. Wer hingegen in bürokratischen Strukturen oder einem
Hierarchie-Sumpf unterlag, wird sich wie ein kleines Würstchen fühlen – und sich
wutentbrannt rächen.
Am eigenen Leib habe ich kürzlich erlebt, was sich emotional abspielt, wenn
eine berechtigte Reklamation inkompetent angenommen, über Monate verschleppt,
lieblos mit Textbausteinen beantwortet und schließlich abschlägig beschieden
wird. Der Vorfall ist bei der Lufthansa passiert, die offensichtlich den
arroganten Geist der einstigen Monopol-Stellung immer noch nicht ganz hinter
sich gelassen hat. Seitdem habe ich jede Lufthansa-Tat mit Argus-Augen
beobachtet und sehr viel Negatives gesehen. Im Austausch mit anderen
Vielfliegern habe ich weitere haarsträubende Geschichten gehört. Vor allem aber
habe ich die attraktiven Angebote der Billigflieger entdeckt, für die ich früher
blind und taub war. Den läppischen 154 Euro, um die es bei der Reklamation ging,
stehen zwischenzeitlich Umsatzeinbußen für die Lufthansa im fünfstelligen
Bereich gegenüber.
„Weise ist nicht der, der die wenigsten Fehler macht, sondern der, der am
meisten aus ihnen lernt“, sagt der Erfolgsautor Harvey Mackay. Das klingt jetzt
banal? Dann gehen sie mal selbst reklamieren. Über manche Reaktion werden Sie
sich sehr wundern! Es soll ja immer noch Firmen geben, die Beschwerdepost nicht
mal beantworten! Nach Angaben des Serviceanbieters Vocatus wird von den
elektronisch eingehenden Kundenanliegen im Schnitt nur ein Drittel beantwortet.
Eine Vocatus-Studie brachte zutage, dass dreißig Prozent der Kunden, die auf ihr
Anliegen eine Antwort erhielten, bei dem Anbieter auch wieder gekauft haben,
während es bei denen, die keine Antwort erhalten hatten, nur zehn Prozent waren.
Und einer Studie von Inworks zufolge haben über fünfzig Prozent der Befragten
schon mal das Unternehmen gewechselt, weil sie mit der zeitlichen oder
inhaltlichen Reaktion auf eine Reklamation unzufrieden waren. Eine Reklamation
kostet? Die penible Neukundengewinnung kostet noch viel mehr!
Die Autorin
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Anne
M. Schüller ist Management-Consultant und gilt
als führende Expertin für Loyalitätsmarketing. Über 20 Jahre hat sie in
leitenden Vertriebs- und Marketingpositionen verschiedener
Dienstleistungsunternehmen gearbeitet und dabei mehrere Auszeichnungen erhalten.
Die Diplom-Betriebswirtin und achtfache Buchautorin gehört zu den besten
Wirtschafts-Speakern im deutschsprachigen Raum. Sie arbeitet als Referentin und
Trainerin und lehrt an mehreren Hochschulen. Zu ihrem Kundenkreis zählt die
Elite der Wirtschaft. |
Kontakt:
www.anneschueller.de
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