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<< Teil 1 <<
Das Kontenmodell im Unternehmen
Wenn Sparen eine Gewohnheit ist, dann kann man diese
Gewohnheit entwickeln. Bodo Schäfer schlägt dazu für die private Seite
ein Kontenmodell mit 3 bis 4 Konten vor: Ein Konto für die
Lebenshaltungskosten, ein Spaß-Konto und ein Spar-Konto. Gegebenenfalls
noch ein weiteres Spendenkonto. Der Witz ist, die Überweisung auf Spaß-,
Spar- und Spenden-Konto erfolgt nicht zum Monatsende, wenn nichts mehr
da ist, sondern zu Monatsbeginn per Dauerauftrag.
Das Konzept ist klasse. Ich würde es nur um ein
weiteres Konto erweitern: Ein Fortbildungskonto. Für Bücher, Seminare,
Coachings. Und in dieses Fortbildungskonto sollte mindestens so viel
Geld fließen wie in Ihr Auto. Angenommen, Sie zahlen monatlich 600 Euro
Leasingebühr plus Steuer, Versicherung und Benzin etwa 800 Euro, im Jahr
also knapp 10.000 Euro, dann sollte mindestens derselbe Betrag in Ihre
Ausbildung fließen. Wenn Sie nur 10.000 Euro im Jahr haben, darf das
Auto eben nur 5.000 kosten. Wie gesagt, es ist eine Frage der
Prioritäten: Was ist wichtiger? Die physische Bewegung von A nach B, gar
nur der Status, der mit einem schicken Auto verbunden wird? Oder die
persönliche geistige Weiterentwicklung von A nach B?
Meine Erfahrung ist ganz klar: Wer das im Privaten
nicht schafft, wird niemals ein gesundes Unternehmen aufbauen können.
Vielleicht gibt es Ausnahmen, die diese Regel bestätigen – ich habe sie
noch nicht getroffen.
Aber was noch viel wichtiger ist: Sie können dieses
Konzept auf Ihr Unternehmen übertragen. Legen Sie auch im Unternehmen
separate Konten an, auf die zu Beginn des Monats Geld überwiesen wird.
Und zwar ein bestimmter Anteil des Umsatzes. Und zwar bevor an
irgendjemanden sonst Geld überwiesen wird.
Das geht so weit, dass Sie auch Ihre
betriebswirtschaftliche Auswertung (BwA) abändern sollten. Gewinn ist
nicht das, was übrig bleibt (es bleibt nichts übrig...), sondern das,
was geplant in die Rücklagen oder den Topf für Zukunftsinvestitionen
fließt. Und deshalb sollte es in Ihrer BwA in der zweiten Zeile, direkt
unter den Erträgen eine Zeile für Ihren geplanten Gewinn geben. Und
dieser Betrag sollte auf ein extra Gewinn-Konto fließen. Und in der
dritten Zeile sollte ein Betrag für Weiterbildung in Ihrem Unternehmen
stehen, der auch abhängig vom Umsatz auf ein extra Konto gebucht wird.
Und schließlich, wir erinnern uns: Geld ist eine Energieform unter
vielen anderen, sollte in der vierten Zeile ein bestimmter Anteil des
Umsatzes beiseite gelegt werden, der zur Entwicklung und Verstärkung der
anderen Energieformen (Mitarbeiterbegeisterung, PR etc.) verwendet wird.
Fehlt Ihnen selbst die Disziplin, dann behandeln Sie
diese Konten eben wie Gehaltskonten für Mitarbeiter – am besten geben
Sie jemand anderem die Aufsicht darüber. Jemandem, der dafür sorgt, dass
diese Überweisungen auch tatsächlich gemacht werden und der Ihnen im
Zweifel auf die Füße tritt.
Sie können sich natürlich fragen, was das Ganze soll.
Ob diese Beträge oben oder unten in Ihrer BwA stehen, sei doch egal. Ist
es nicht! Sie planen anders! Sie fragen sich bei manchen Ausgaben eher,
ob sie wirklich sein müssen. Sie verändern damit Ihre Prioritäten. Und
damit verändern Sie Ihre Ergebnisse.
Finanzielle Reichweite
Noch ein weiterer praktischer Aspekt: Sie benötigen
auch die richtigen Zahlen. Als Finanzkennzahlen werden meist Umsatz,
Gewinn, Deckungsbeitrag, Bankguthaben oder ähnliche verwendet. Das ist
nicht unwichtig. Aber es fehlt noch etwas: Die finanzielle Reichweite.
Nehmen Sie Folgendes an: Morgen würden aus irgendeinem
Grund Ihre Umsätze auf 0 sinken. Wenn Sie ein Restaurant haben, hat
vielleicht die Presse über die pelzigen Tierchen in Ihrer Küche
berichtet (die vielleicht nur eine Erfindung der Konkurrenz sind). Wenn
Sie medizinische Software herstellen, ist vielleicht gerade der dritte
Patient durch Softwarefehler gestorben. Oder ein Anbieter aus China
bietet plötzlich dasselbe wie Sie auf dem deutschen Markt an, nur zu
einem Drittel der Kosten. Mit anderen Worten: Bis auf wenige
Ausnahmeunternehmen können alle Unternehmen in die Situation kommen,
dass von einem Tag auf den anderen die Umsätze radikal einbrechen.
Nehmen Sie deshalb also an, ab morgen hätten Sie
keinerlei Umsätze mehr. Wie lange würde es bei gleichbleibenden fixen
Kosten dauern, bis Sie die weiße Fahne schwenken müssten?
Tage? Wochen? Monate? Fakt ist: Eine finanzielle
Reichweite unter 2 Monaten ist der Normalzustand bei den meisten kleinen
und mittleren Unternehmen. Das ist Alarmstufe dunkelrot. Fast alle
Maßnahmen wie Strategieveränderung, Kündigungen etc. dauern nämlich
länger, bis sie sich in den Finanzen auswirken. Sie haben keine Zeit
mehr zum Handeln.
Unter 3 Monaten ist Alarmstufe rot, unter 6 Monaten
Warnstufe gelb. Und ab 6 Monaten könnten Sie sich zurück lehnen. 10
Monate sind ideal. Alles was darüber liegt, ist jedoch ein Anzeichen für
übergroße Vorsicht oder fehlende Investitions-Phantasie.
Interessant ist die finanzielle Reichweite, weil sie
nicht nur die Überlebensfähigkeit bei radikalen und schnellen
Umweltänderungen drastisch erhöht, sondern weil sie auch Potenzial für
wirkliche Verbesserungen des Unternehmens schafft.
Ein weiterer Nebeneffekt ist die Umgehung einer sehr
häufigen Wachstumsfalle. Angenommen, Sie haben zum Start Ihres
Unternehmens 20.000 Euro liquide Mittel und monatliche fixe Kosten von
5.000 Euro, dann wäre Ihre finanzielle Reichweite 4 Monate. Ihr
Unternehmen wächst und Sie reinvestieren nun sämtliche Gewinne. Nach
einem Jahr haben sich zum Beispiel Ihre Umsätze und Kosten verdoppelt,
Ihre liquiden Mittel sind aber gleich geblieben (sie haben diese ja
reinvestiert). Das Ergebnis: Ihre finanzielle Reichweite ist auf 2
Monate gesunken. Wenn jetzt etwas halbwegs Unerwartetes passiert, haben
Sie schon ein mächtiges Problem. Und wenn Ihre Umsätze und Kosten sich
nochmals verdoppeln würden, dann wären Sie jedem unerwarteten Ereignis
hilflos ausgeliefert. Diese "Bewegungsfähigkeit" erkennen Sie an der
finanziellen Reichweite. Und die Maßnahme ist simpel: Legen Sie sich
Ziele für Ihre finanzielle Reichweite fest, messen Sie diese monatlich
und investieren Sie nur das strategisch Nötigste, wenn Sie unter diesen
Wert fallen.
Erinnern wir uns nun nochmals an die Eingangsaussage:
Geld ist eine Energieform neben anderen. Ähnliche Fragen können Sie auch
bei anderen Energieformen stellen. Z.B. welche Fehler könnten Sie als
Unternehmer machen, bis Ihre besten Mitarbeiter zu einem anderen
Unternehmen wechseln? Oder: Wie viele potenzielle Mitarbeiter (also
solche die gerne bei Ihnen arbeiten würden) haben Sie? (Tipp: Diese Zahl
sollte etwa um den Faktor 50 größer sein als die Zahl an Mitarbeitern,
die Sie tatsächlich im nächsten Jahr brauchen. Wenn Sie also nächstes
Jahr so wachsen wollen, dass Sie 3 neue Mitarbeiter brauchen, dann
sollten Sie etwa 150 potenzielle Mitarbeiter, die bei Ihnen arbeiten
möchten, in einer Datenbank haben).
Oder: Wenn Sie jetzt Kapital bräuchten, wie viel
würden potenzielle Investoren sofort investieren? Oder: Wenn Sie die
Unterstützung der Öffentlichkeit bräuchten, wie viele Menschen wären
spontan bereit, Ihr Unternehmen in irgendeiner Form zu unterstützen?
Es ist mir wohl bewusst, dass die meisten Unternehmer
sich diese Fragen noch nie gestellt haben. Und dass sie bei den meisten
dieser Fragen nur mit den Schultern zucken würden. Aber darum geht es
nicht. Es geht darum, ob Sie das zugrundeliegende Prinzip als nützlich
ansehen und ab jetzt beginnen, solche Zahlen zu erfassen und sich
regelmäßig diese Fragen zu stellen. Dann wird sich nämlich mittelfristig
auch Ihr Handeln ändern.
Langfristig versus kurzfristig – Ihre
Glaubenssätze
Natürlich sind sowohl das Kontenmodell als auch die
Kennzahl der finanziellen Reichweite nur praktische Hilfsmittel. Diese
werden immer wieder von den Unternehmern selbst sabotiert, wenn die
Glaubenssätze nicht passen. Dann kommt nämlich unter Garantie "eine
gaaaanz dringende Ausgabe" (oder gaaaaaanz wundervolle
'Investitionsmöglichkeit'), die alles über den Haufen wirft. Oder
"gaaaaaaanz plötzlich" erlauben es die Umsätze nicht mehr. Oder was auch
immer für Ausreden gefunden werden. Allerdings haben diese praktischen
Mittel einen ganz tollen Vorteil: Sie bieten Ihnen eine Überprüfung
Ihrer Glaubenssätze. Halten Sie diese praktischen Maßnahmen über mehrere
Jahre durch und haben sogar Freude daran, dann stimmen die Glaubenssätze
wohl. Andernfalls wohl eher nicht.
Das heißt nicht, dass Sie die anderen Aufgaben des
Unternehmers schlecht ausführen würden. Vielleicht haben Sie ein tolles
Händchen für Strategie-Entwicklung oder Mitarbeiterauswahl. Aber es
heißt, dass Sie mit Sicherheit keinen langanhaltenden Erfolg haben
werden, weil Ihnen die Energie zumindest in ihrer finanziellen Form
immer wieder entweichen wird.
Glaubenssätzen liegen bestimmte Motive zugrunde. Beim
Umgang mit Geld ist es immer dies: Wer der kurzfristigen
Bedürfnisbefriedigung Vorrang vor der langfristigen Entwicklung
einräumt, wird nie zu Vermögen kommen. Oder umgekehrt: Für denjenigen,
für den der kurzfristige Schmerz des Verzichts auf Dinge größer ist, als
der langfristige Schmerz, seine Ziele nicht zu erreichen, der wird immer
arm bleiben. Und als Unternehmer nie etwas von Bedeutung schaffen.
Der Haken ist: Was uns am unmittelbarsten zu
Handlungen motiviert, ist kurzfristiger Schmerz. Danach kurzfristige
Freude, dann langfristiger Schmerz, dann langfristige Freude. Die
Preisfrage ist also: Wie können Sie es schaffen, dass die langfristige
Freude wichtiger wird als der kurzfristige Schmerz?
Sicher lässt sich über mentales Training einiges
erreichen. Sie können die emotionale Bedeutung ihres langfristigen
Traums verstärken und Sie können die Bedeutung kurzfristiger Schmerzen
oder Ängste reduzieren. Der Weg der Wahl zur Änderung dieser Emotionen
ist Storytelling (vgl. auch Unternehmersystem). Aber eines der
effektivsten Instrumente ist auch hier: Den Verstoß gegen das, was
langfristig die Freude bringen soll mit kurzfristigen Schmerzen zu
verbinden. Das ist wie beim Fitness: Die kurzfristigen Schmerzen, durch
die mich mein Trainer durchtreibt, bringen langfristigen Erfolg.
Schluss
Durch eine Kombination aus praktischen Maßnahmen und
einer Änderung Ihrer Glaubenssätze können Sie einen anderen Umgang mit
Geld erlernen. Dies ist wichtig und zentral, führt aber langfristig nur
zum Erfolg, wenn auch die Strategie Ihres Unternehmens stimmt. Auch die
Entwicklung einer Strategie lässt sich lernen (vgl. Strategie und
Positionierung für kleine und mittlere Unternehmen).
Persönlicher Nachtrag
In der öffentlichen Diskussion wird viel über
Vermögende hergezogen. Mal abgesehen von den Managern (nicht
Unternehmern!), die den (finanziellen) Vorschusslorbeeren, die sie
bekommen haben, nicht gerecht wurden, handelt es sich meiner
Einschätzung nach um eine völlig verfehlte Neid-Debatte.
Geld erhält man für seinen Beitrag zur Gemeinschaft –
oder für den erwarteten Beitrag. Vor diesem Hintergrund ist es geradezu
pervers, wenn Politiker und andere Grüppchen, die mit Geld nicht umgehen
können, davon sprechen, die Wohlhabenden müssten der Gemeinschaft etwas
"zurück geben". Als ob diese unterwegs etwas geschenkt bekommen hätten.
Diejenigen, die wohlhabend geworden sind, haben ihren Wohlstand zumeist
gerade dadurch erreicht, dass sie umgekehrt der Gemeinschaft etwas
gegeben haben. Unternehmer, die der Gemeinschaft nämlich nichts geben,
werden in der Regel ziemlich schnell mit der Pleite bestraft.
In Wahrheit gehören die, die wohlhabend wurden, zu den
wenigen, die ihre Mittel in die Zukunft investieren, statt sie sofort zu
konsumieren.
Und viele davon spenden auch gerne und viel. Nur nicht
dem bürokratischen Filz. Nur nicht da hin, wo 90 Prozent der Ausgaben in
Konsumtion (=kurzfristige Freude oder Schmerzvermeidung) fließen wie in
unserem Staatshaushalt.
Will man eine psychische Ursache für den Niedergang
großer Reiche ausmachen, so liegt sie immer darin, dass die Konsumtion
im Vergleich zur Investition immer weiter zunahm. Die Menschen haben
nicht nur ihre langfristige Vision verloren, sondern auch nichts mehr
dafür getan (sprich nichts mehr investiert).
Lesetipp: Das Unternehmerbuch vom Autor
des Artikels:
http://www.unternehmercoach.com/coach-unternehmer-erfolg-weg-zum-erfolgreichen-unternehmer-neue-dynamik.htm
Infos zum Autor:
Seit 1995
freiberuflich tätig, seit 1997 Inhaber und Geschäftsführer von
Software-Unternehmen. Seit 2004 Unternehmercoach. Da ich mit
einem solchen Angebot der Erste auf dem deutschen Markt war,
waren auch die Domains "unternehmercoach" noch frei :-) Und den
Strategiepreis 2009
bekam ich dafür noch oben drauf :-) Mitte 2007: Verkauf meines
zweiten Softwareunternehmens und Umwandlung von
Unternehmercoach.com in eine GmbH. Im Vordergrund des Verkaufs
stand dabei der Wunsch, mit der Unternehmercoach GmbH meinen
unternehmerischen Traum zu verwirklichen. Und dazu benötigte ich
Bewegungsfreiheit und Fokussierung. Träume verwirklichen
bedeutet auch, sich von Überflüssigem trennen zu können.
Vorträge für Semigator, das Deutsche Franchise-Institut, bei
Messen etc. Sowie eigene
Seminare.
Div.
Veröffentlichungen
in Fachzeitschriften und bei einschlägigen Internet-Portalen
(z.B. Focus-Online, Blickpunkt KMU oder Business Wissen).
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Buchveröffentlichungen:
"Der Weg zum erfolgreichen Franchisegeber"
(2006) und
"Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer"
(2008) Weiterbildung durch jährlich 5-10 Seminarbesuche, 120-150
Fachbücher und vielen erfolgreichen kleinen und mittleren Unternehmern.
Vor allem aber Weiterbildung durch das Leben, indem ich Dinge
ausprobiere und aus meinen Fehlern lerne. Div. Preise (z.B.
Gründerwettbewerb Multimedia des BMWi), zuletzt:
Strategiepreis 2009
für die Entwicklung einer exzellenten Unternehmensstrategie. Mitglied in
der
Beratergruppe Strategie,
beim
Strategieforum e.V. und bei der German
Speakers Association.
Anfragen zum Autor:
www.onlinemarketingcoach.de
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