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Experten-Tipps für ein dynamisches Projektmanagement

 

von Dipl. Wirtsch.-Ing. Ulf Pleissner

 

Um im globalen Markt wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen stets neue und innovative Produkte entwickeln und Prozesse verbessern. Dies erfordert komplexe Entwicklungsprojekte, die hohe Anforderungen an das Projektmanagement stellen. Denn die Durchführung komplexer Projekte ist ein dynamischer Prozess und erfordert daher auch ein dynamisches Projektmanagement. Doch wie meistert man hoch komplexe Projekte? Ulf Pleissner, Geschäftsführender Gesellschafter der TMG Technologie Management Gruppe Markt und Innovation GmbH, erläutert in elf exklusiven Tipps, wie Unternehmen ihre Projekte unter Einbindung der vorhandenen Toollandschaft erfolgreich planen und realisieren.

 

 

1. Ist- und Plan-Daten innerhalb eines Systems verwalten

Plan-Daten können nur dann richtig zur Entscheidung herangezogen werden, wenn die schon angefallenen Ist-Daten mitberücksichtigt werden. Da der Entscheidungsbedarf sich nicht nach einem periodisierten Berichtszeitpunkt, sondern nach einem tatsächlichen Situationsbedarf richtet, sollte ein Abgleich von Ist- zu Plan-Daten nicht von zwei getrennten Systemen abhängig sein. Das heißt, nicht nur die Feinheit der Planung ist entscheidend bei der Festlegung der DV-Systeme, sondern in erster Linie die Art der Datenrückmeldung.

  • Empfehlung:  Planung und Abrechnung erfolgt in einem DV-System.

 

 

2. Aufwandsplanung und Terminplanung getrennt betrachten

Eine Aufwandsplanung stellt immer eine quantitative Überprüfung der Projektentwicklung dar. Eine Terminplanung sollte sich dagegen an den zu realisierenden Inhalten und organisatorischen Schnittstellen orientieren. Sie dient der qualitativen Überprüfung der Projektentwicklung. Daher ist es nicht zwingend erforderlich, die Aufwandsplanung mit der Terminplanung als ein Planungsinstrument zu betrachten. Die meisten Unternehmen haben die interne Auftragsverwaltung (Aufwands- und Kostenplanung) von der inhaltsorientierten Terminplanung getrennt.

  • Empfehlung:  Die Aufwandsplanung am quantitativen Informationsbedürfnis und die Terminplanung am qualitativen Informationsbedürfnis ausrichten.

 

 

3. Ressourcenplanung am realisierbaren Reaktionsprofil ausrichten

Ziel einer Ressourcenplanung ist es zu erkennen, welcher quantitative Bedarf in Form von Ressourcen oder Skills durch die Projektlandschaft erzeugt wird. Da eine Anpassung der entsprechenden Ressourcen bzw. Skills sich meist nicht ad hoc realisieren lässt, ist eine zu feine Planung in kurzen Perioden nicht sinnvoll. Daher können die entsprechenden Planungselemente sich über einen längeren Zeitraum erstrecken.

  • Empfehlung:  Die Tiefe der Ressourcenplanung an dem maximal realisierbaren Reaktionsprofil ausrichten.

 

 

 

 

 

4. Perfekte Ressourcenplanung steuert Mitarbeiter

Betrachtet man die perfekte Ressourcenplanung, dann muss das Ziel sein, eine maximale Nutzbarkeit der Ressourcen zu realisieren. Hierzu ist es erforderlich, eine Planung auf der Ebene der Mitarbeiter vorzunehmen. Eine Aufwandsplanung auf der Ebene von Mitarbeitern setzt einen klaren Prozess mit kalkulierbaren Größen voraus. Meist steht diese Planungsart aber in direkter Konkurrenz zur Führungsstruktur, welche den Mitarbeitereinsatz letztendlich zu verantworten hat. Die Ressourcenplanung auf der Ebene von Skills ist in den meisten Fällen ausreichend. Die Verfügbarkeit der Skills richtet sich nach der Anzahl der eindeutig zugeordneten Mitarbeiter.

  • Empfehlung:  Die Ressourcenplanung erfolgt auf der Ebene der Skills.

 

 

5. Aufwandsplanung ist Basis für Kostenplanung

Neben der Information zum Ressourcenbedarf ist die Aufwandsplanung unter Berücksichtigung der Verrechnungseinheiten (Stundensätze) immer die Basis für die Kosten- bzw. Budgetplanung. Wenn ein Unternehmen die entsprechenden Entwicklungsaufwände zukünftig aktivieren möchte, muss die Aufwandsplanung und Kostenplanung zusammengeführt werden. Das heißt, die Aufwands- und Kostenplanung muss in einem DV-System erfolgen, da sonst über die erforderlichen Schnittstellen die Aktualität und Datengültigkeit nicht gewährleistet wird.

Mit der Forderung zur aktivierungsfähigen Kostenplanung und der damit beschriebenen Zwanghaftigkeit zur Aufwandsplanung, ist die DV-Systembasis für die Ressourcenplanung vorgegeben. Dies wird mit der Forderung zur Planung aller Aktivitäten innerhalb der Entwicklung verstärkt. Es gilt also, nicht nur Projekte, sondern auch Aufträge und interne Arbeiten innerhalb der Aufwandsplanung / Kostenplanung abzubilden.

  • Empfehlung:  Die Aufwandsplanung und damit Ressourcenplanung mit der Kostenplanung zusammenführen.

 

 

6. Terminplanung und inhaltliche Überprüfung gehören zusammen

Eine Terminplanung macht nur dann Sinn, wenn zu dem entsprechenden Zeitpunkt der bis dahin zu realisierende Inhalt auch überprüfbar ist. Der Zusammenhang zwischen einer Aufwandsplanung und einer Terminplanung, liegt nur in der zeitlichen Positionierung der Bedarfe. Dies kann aber auch über die Planung bzw. Verschiebung von Meilensteinen erreicht werden.

  • Empfehlung:  Die inhaltliche Überprüfung der terminierten Ziele (Meilensteine) in den Vordergrund stellen.

 

 

7. Strikte Erfolgsorientierung sicherstellen

Eine Ressourcenplanung ist ein sehr operativer Ansatz. Dieser ergibt sich aus der Tatsache, dass keine ausreichende Anzahl an Ressourcen zur Verfügung steht. Das bedeutet, die Finanzierbarkeit der Ressourcen steht in direkter Konkurrenz zum tatsächlichen Ressourcenbedarf. Daher sollte das primäre Ziel sein, nicht den Schwerpunkt alleinig auf die Verwaltung der knappen Ressourcen zu legen, sondern den Spielraum für die Finanzierbarkeit von Ressourcen zu erhöhen. Dies wird nur durch eine strikte Erfolgsorientierung erreicht.

  • Empfehlung:  Die Erfolgsorientierung im Projektmanagement mit den entsprechenden Instrumenten sicherstellen.

 

 

8. Ergebnisrechnung als Projektsteuerungsinstrument

Mit dem immer weiter zunehmenden Ertragsdruck wird die Produktentstehungsphase zum Schwerpunkt des zukünftigen Geschäftserfolgs. In einem sehr produktionsorientierten Unternehmen kann der Produkterfolg schon in der Produktentstehungsphase gewährleistet werden. Hierzu ist es allerdings erforderlich, dass die entsprechenden Projekte auch von den entsprechenden Prozessverantwortlichen geplant und überprüft wurden. Mit der zunehmenden Nachfrage nach System- bzw. Produktlösungen mit nicht erforderlichem Produktionswissen spielt die Steuerung des zukünftigen Geschäftserfolges mit Hilfe einer Produktergebnisrechnung eine entscheidende Rolle.

  • Empfehlung:  Die Simulation der zukünftigen Geschäftswirkung auf der Basis von Szenarien realisierbar gestalten und bei der Entscheidung abfragen.

 

9. Vertikale und horizontale Informationsbedürfnisse bestimmen Projektstruktur

Vor der Festlegung der erforderlichen DV-Systeme müssen die vertikalen und horizontalen Informationsbedürfnisse zwingend beschrieben werden. Vertikale Informationsbedürfnisse erfordern immer eine Abbildung über eine mathematische Baumstruktur. Diese Baumstruktur ist gleich zu setzen mit dem Projektstrukturbaum in den entsprechenden DV-Systemen. Um eine Vergleichbarkeit über die einzelnen Projekte hinweg zu ermöglichen, muss diese Baumstruktur allgemeingültig und spezifisch für die unterschiedlichen Strukturierungsarten definiert werden. Sie dient dann auch als Vorlage bzw. Vorgabe bei der Anlage von neuen Projekten.

Horizontale Informationsbedürfnisse erfordern immer eine Selektion von Datenfeldern. Diese müssen in den entsprechenden DV-Systemen umgesetzt und mit einem eindeutig identifizierbaren Wertevorrat versehen werden. Das Ergebnis einer horizontalen Auswertung von Daten ist heute z. B. im Business Warehouse von SAP realisiert. Es wird dringend empfohlen, vor der Festlegung einer DV-Systemlandschaft eine klare Abgrenzung der horizontalen und vertikalen Informations- und Entscheidungsbedürfnisse vorzunehmen.

  • Empfehlung:  Vor der Auswahl sowie Festlegung von DV-Systemen stets die vertikalen und horizontalen Informationsbedürfnisse für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung festlegen.

 

 

10. Ein DV-System ist nur so gut wie sein Anwender

KISS – Keep it stupid and simple: Der Anwender muss einen substanziellen Vorteil durch die zu definierenden DV-Systeme erhalten und diese auch in ihrer Anwendung ohne einen großen Schulungsaufwand nutzen können. Daher bieten sich immer einfache bzw. bekannte DV-Systeme an.

  • Empfehlung:  Der Anwender sowie der zu steuernde Innovationsprozess müssen im Mittelpunkt der DV-Systemauswahl stehen.

 

 

11. Die Zukunft kennt keinen Standort

Spätestens mit der Einführung von weltweit verfügbaren Netzen (www) steigt der Bedarf, auch weltweit auf die erforderliche Information zurückgreifen zu können. Diese Anforderung muss zukünftig erfüllt werden.

  • Empfehlung:  Heute schon an die weltweiten Netzwerke von morgen denken.

 

Die Zielsetzung für die Festlegung der erforderlichen DV-Systemlandschaft im Unternehmen muss sein:

  • die Ertragskraft nachhaltig sicher zu stellen,
  • die Reaktionsgeschwindigkeit zu steigern und
  • die Verantwortlichkeit in den Projekten zu installieren.

 

 

 

 

 

Der Autor

Ulf Pleissner, Jahrgang 1961, verfügt über eine langjährige Erfahrung im Bereich des Innovationsmanagements für die produzierende Industrie. Nach dem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens an der TU Darmstadt, Fachrichtung Elektrotechnik mit den Schwerpunkten Marketing und Innovationsmanagement war er von 1991 bis 1995 Leiter der Stabsgruppe für Forschungs- und Entwicklungsmanagement bei der VDO Adolf Schindling AG (heute Siemens VDO Automotive). 1995 erfolgte dann der Einstieg in die TMG Technologie und Management Gruppe Markt und Innovation in Karlsruhe als Innovationsberater. Seit 1999 ist Ulf Pleissner Geschäftsführender Gesellschafter der TMG Markt und Innovation und seit 2002 Geschäftsführender Gesellschafter der TMG Technologie und Engineering (www.tmg-karlsruhe.de).

 

 

Zudem ist Ulf Pleissner seit 2001 Vorstandsmitglied des Verbandes Deutscher Wirtschaftsingenieuere e.V. (VWI). Hier organisiert er in Zusammenarbeit mit weiteren Experten den Deutschen Wirtschaftsingenieurtag (DeWIT). Dem Ruf zu dieser interdisziplinären Veranstaltung folgen alle zwei Jahre mehr als 300 Wissens- und Entscheidungsträger aus der deutschen Wirtschaft und Wissenschaft.

 

 

 

 

 

Kontakt zur TMG

TMG Technologie Management Gruppe Markt und Innovation GmbH Pfinztalstraße 90
D-76227 Karlsruhe
Tel.: 07 21/82 80 60
Fax: 07 21/82 80 6-10
E-Mail: info@tmg-karlsruhe.de
www.tmg-karlsruhe.de

 

 

 

 

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Februar 2007

 

 

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