Die
leistungsfähigsten Kommunikationssysteme, die in großen Unternehmen
bereits seit geraumer Zeit eingesetzt werden, beruhen auf
Breitbandsystemen im ATM-Modus (siehe Glossar), bei dem die Informationen
mit einer Geschwindigkeit von 155 Mbit/sec übermittelt werden. Diese
Hochgeschwindigkeitsübertragung großer Datenmengen - zum Beispiel
PAO-Dokumente oder CAD-Entwürfe, Multimedia-Produkte oder Videosignale -
steigern Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens ganz
erheblich. Allerdings ist eine derartige Kommunikationsinfrastruktur nach
wie vor kostspielig, und fehlende Anpassungsmöglichkeiten haben kleine
Unternehmen bisher davon abgehalten, diese Technologie einzusetzen.
1995 wurde mit Unterstützung des europäischen Programms über
fortgeschrittene Kommunikationstechnologien und -dienste (ACTS) das
Projekt Bourbon (Broadband Urban Rural Based Open Networks) gestartet, um
ein sowohl rentables als auch entwicklungsfähiges Instrument verfügbar
zu machen, das auch KMU Zugang zu diesen Spitzentechnologien ermöglicht.
Ziel des Projekts ist, auf europäischer Ebene das Interesse dieser
Unternehmen für solche Anwendungen zu wecken, indem ihnen die Übernahme
neuer Systeme für internationale Märkte erleichtert wird. An dem
Projekt, das von dem irischen Unternehmen Lake Communications koordiniert
wird, nehmen Partner - in erster Linie Forschungsinstitute - aus neun Ländern
der EU teil. Die Ergebnisse dieser technologischen Zusammenarbeit, die KMU
unbeschränkten Zugang zur Informationsgesellschaft verschaffen soll,
wurden letzten November auf der Konferenz IST '99 in Helsinki vorgestellt.
Maßgeschneidert
für KMU
"Die Entwicklung neuer Dienste ist einfach, wenn man es mit einem
einzigen großen Unternehmen zu tun hat. Um dagegen den unterschiedlichen
Bedürfnissen von KMU Rechnung zu tragen, sind sehr viel komplexere Lösungen
erforderlich. Es ist ungeheuer wichtig, die Logik der Unternehmens- und
Geschäftsprozesse eines jeden Kunden zu verstehen", betont Aimo
Maanvilja, Forschungsleiter bei der Telefongesellschaft von Helsinki HPY,
einem der Hauptakteure des Projekts Bourbon.
Um dieses Ziel zu erreichen, mussten Ansätze entwickelt werden, die
sowohl dem Benutzerprofil als auch der Technik entsprachen. Von Anfang an
hatten die Partner eine klare Vorstellung von den Vorteilen, die
Breitbandkommunikationssysteme bieten sollten. Sie gingen von dem
Grundsatz aus, daß die Systeme leicht zugänglich und benutzbar sein müssen,
da kleine Unternehmen es sich normalerweise nicht leisten können,
Fachpersonal für den Informatik-Support einzustellen. Außerdem stand die
Entwicklungsfähigkeit der angebotenen Dienste im Vordergrund, die es den
Anwendern erlaubt, von späteren Innovationen zu profitieren, ohne erneut
hohe Summen in ihre betriebsinternen Systeme investieren zu müssen.
Bei Projektbeginn im Jahr 1995 stellte der Preis für ATM-Breitbandsysteme
mit Übertragungsgeschwindigkeiten von 115 Mbit/sec für die am Projekt
beteiligten KMU noch eine unüberwindbare Barriere dar. Sie wirkten daher
nur als assoziierte Partner an Versuchen "vor Ort" mit, die in
mehreren Testsektoren in verschiedenen Ländern durchgeführt wurden.
Geteilte
Erfahrung
Zunächst fand eine Reihe von sorgfältig strukturierten Interviews in
allen Testsektoren statt, um bereits vorhandene Informationen
zusammenzutragen und eine exakte Bestandsaufnahme der spezifischen
Anwenderbedürfnisse durchzuführen. Diese ständig aktualisierte
Informationsbasis war Ausgangspunkt für Untersuchungen in bezug auf die
Integration der Netze, die Entwicklung der Anwendungen und die Planung der
Tests.
Diese Tests konnten dank der Zusammenarbeit zwischen
Telekommunikationsbetreibern, Dienstleistern und KMU, rund zwanzig europäische
Unternehmen (aus Irland, Finnland, Österreich, Frankreich, Deutschland,
Schottland, Italien, Griechenland, die Niederlande) realisiert werden und
betrafen ein breites Spektrum von Breitbandübertragungsdiensten und
-netzen mit Benutzeranschlüssen unterschiedlicher Geschwindigkeit via
ISDN- und XDSL-Techniken und Glasfaserverbindungen.
Das gemeinsame Lernen bot den KMU Gelegenheit, die Möglichkeiten der
neuen Technologien zur Lösung ihrer spezifischen Probleme im praktischen
Einsatz zu entdecken. Die Bildung nationaler KMU-Anwendergruppen hat
ebenfalls zu konstruktivem Ideen- und Erfahrungsaustausch geführt.
Angesichts des unterschiedlichen nationalen Umfelds erlaubte diese
Zusammenarbeit den Dienstleistern andererseits, langfristig mehr über die
Erfordernisse in Verbindung mit der Einführung generischer Dienste zu
erfahren, die flexibel genug sind, um den unterschiedlichen Bedürfnissen
Rechnung zu tragen.
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"Die Entwicklung der neuen Dienste ist einfach, wenn man
es nur mit einem einzigen großen Unternehmen zu tun hat. Um
dagegen den unterschiedlichen Bedürfnissen von KMU Rechnung zu
tragen, sind sehr viel komplexere Lösungen erforderlich."
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Kontakt |
Jim Clarke
Lake Communications Ltd - Sligo (IRL)
Fax: +353 71 71181
Jclarke@lake.ie
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Glossar
ADSL:
Asymmetric digital subscriber line (digitale, asymmetrische
Anschlußleitung)
Innerhalb einer Familie neuer Techniken und Systeme, unter dem
generischen Namen xDSL bekannt, ermöglicht dieses digitale
Telekommunikationssystem über das normale Telefon-Kupferkabel den
Datenaustausch mit hoher Geschwindigkeit zwischen
"Client" und "Server". Die ADSL-Technologie
ist sehr viel schneller als das ISDN-Netz und bietet Übertragungsgeschwindigkeiten
von bis zu 9 Mbit/sec für den Empfang und von bis zu 640 kbit/sec
für den Versand von Daten.
ATM: Asynchronous transfer mode (Asynchroner Übertragungsmodus)
Das Besondere dieser Übertragungs- und Vermittlungstechnologie
besteht darin, daß sie erlaubt, eine Bandbreite "auf
Anfrage" zu verwenden. Ermöglicht wird dies durch die
Errichtung einer festen Verbindung zwischen zwei Punkten zu Beginn
der Datenübertragung, was die Verfolgung und Fakturierung der
Daten erleichtert. Diese Technik gilt als ideale Lösung für
bestimmte Anwendungen wie "Video on demand". ATM
funktioniert mit herkömmlichen Telefon-Kupferkabeln und Koaxial-
oder Glasfaserkabelnetzen.
ISDN: Integrated Services Digital Network (diensteintegrierendes,
digitales Netzwerk)
Dieser internationale Kommunikationsstandard ist heute weitgehend
für die Sprach-, Bild- und Datenübermittlung per digitaler oder
analoger Telefonleitungen im Einsatz. Die Euro-ISDN-Norm erlaubt
eine gänzlich transparente Interoperabilität zwischen allen
europäischen Ländern. Die Übertragungsgeschwindigkeit ist
jedoch auf 64 Kbit/sec beschränkt.
xDSL: Digital subscriber line
An emerging family of similar techniques and devices including
ADSL, and other DSL technologies.
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