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Ideenmanagement: Verbesserungsvorschläge als Motivationsinstrument
von Prof. Dr. Jürgen Rothlauf
Wie relativ einfach es ist, das Wissen der Mitarbeiter abzurufen und durch eine entsprechende Honorierung ihrer Verbesserungsvorschläge sie auch zu motivieren, zeigt das nachfolgende Beispiel der Müllmänner von Gütersloh.
Dabei geht es zunächst nicht um den Einzelvorschlag, der zu einer entscheidenden großen Veränderung im Unternehmen führt und mit einer hohen Geldprämie verbunden ist. Viel wichtiger ist es aufzuzeigen, dass es gerade die kleinen Verbesserungen sind, die in ihrer Summe Unternehmen helfen können, Kosten zu senken und so zu einer Qualitätsverbesserung der Produkte/Dienstleistungen einen Beitrag zu leisten. Dem Mitarbeiter das Gefühl zu vermitteln, dass seine Vorschläge erwünscht sind und ihm gleichzeitig Wege aufzuzeigen, die letztendlich in der Feststellung münden, diesen Verbesserungsvorschlag hätte auch ich einreichen können, sind ein probates Mittel, um Mitarbeiter für das Unternehmen zu gewinnen.
Um eine entsprechende Motivation freizusetzen, bedarf es allerdings eines Unternehmensklimas, das Verbesserungsvorschläge als Teil der Unternehmensphilosophie betrachtet. Auf einer derartigen Grundlage wird dann sehr schnell erkennbar, dass jeder Mitarbeiter in der Lage ist, mit seiner eigenen Kreativität einen Beitrag zur verbesserten Kosten- und damit Wettbewerbssituation seines Unternehmens zu leisten.
Eine der ersten Verbesserungsmaßnahmen, die z.°B. Ignacio Lopez ergriff, umschrieb er mit folgenden Worten:
„Wir sahen, dass wir, um graue Teppiche für die Autos zu fabrizieren, weiße Fasern einkauften und diese dann färbten. Und nun sagten wir uns: Wenn wir weiße und schwarze Fasern kaufen und diese dann mischen, wird das Ergebnis sehr ähnlich sein, aber viel billiger. Wir sparen uns Farbe. Wir konnten jährlich 42 Millionen DM sparen“.
Die Aufforderung, Verbesserungsvorschläge einzureichen, betreffen alle Unternehmensebenen und sind nicht das Privileg einer bestimmten Mitarbeitergruppierung. Das Beispiel von Lopez hat darüber hinaus gezeigt, dass es nicht eines speziellen Wissens bedarf, um Veränderungen herbeizuführen. Daraus lässt sich der Schluss ziehen, dass Vorschläge zur Unternehmensoptimierung nicht nur auf den eigenen Arbeitsplatz oder die Abteilung begrenzt sind, sondern alle beobachtbaren Vorgänge im Sinne eines unternehmerischen Denkens für den Mitarbeiter Anlass sein sollten, über Verbesserungsmöglichkeiten bereichsübergreifend nachzudenken.
Das nachfolgende fiktive Beispiel zeigt, welche Möglichkeiten sich für Mitarbeiter eröffnen, wenn sie bereit sind, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen: Unterstellen wir, dass unser Mitarbeiter in der Marketingabteilung beschäftigt ist und seit längerer Zeit weiß, dass das Unternehmen seine Angehörigen aufgefordert hat, Schwachstellen bzw. Defizite zu definieren und zu ihrem Abbau Lösungsvorschläge einzureichen.
Was zeigt dieses Beispiel? Zunächst macht es deutlich, dass jeder betriebliche Vorgang bzw. jede Verfahrensweise verbessert werden kann. Allerdings bedarf es dazu Mitarbeiter, die bereit sind, sich über das Alltagsgeschäft hinaus mit dem Unternehmen und seinen Zielen positiv auseinanderzusetzen. Ihre Motivation ist gefragt. Dies wiederum setzt voraus, dass das betreffende Unternehmen ein Arbeitsklima schafft, das ein derartiges Denken und Handeln ermöglicht. Das Beispiel hat darüber hinaus aber auch klar gemacht, dass neben den Verbesserungen am eigenen Arbeitsplatz Veränderungen auch an anderen Stellen möglich sind, die nicht in direktem Bezug zur gegenwärtigen Aufgabenstellung stehen.
Damit es nicht zu Kreativitätsblockaden kommt, sind neben extrinsischen Motivationsanreizen in Form von Geld- und/oder Sachprämien auch Führungseigenschaften gefragt, die Lob und Anerkennung als Stimulation einsetzen. Die Erkenntnisse der Herzberg-Studie, die intrinsische Motivatoren als wesentlich für den Unternehmenserfolg ansehen, sind dabei Teil eines in sich geschlossenen Verbesserungswesens. Fazit: Ein Ideenmanagement kann nur dann erfolgreich umgesetzt werden, wenn es gelingt, die Mitarbeiter so zu motivieren, dass sie bereit sind, ihr ohne Zweifel reichlich vorhandenes Kreativitätspotential auch abzurufen und in den Dienst des Unternehmens zu stellen. Eine win-win-Situation für alle Beteiligten sollte Ansporn genug sein, das Ideenmanagement mit Leben zu erfüllen.
Der Experte
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Literaturtipps
Dezember 2006
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