| |
Beautiful Exit
Wie ein geglücktes Trennungsmanagement
funktioniert
von Anne M. Schüller
Jetzt kündigen sie wieder. Unternehmen, die in die
Krise geraten, müssen sich von Mitarbeitern trennen. Oder Mitarbeiter
trennen sich von Unternehmen, die in die Krise geraten. Wobei dann nicht
selten die, die man gerne behalten hätte, als erste gehen. In beiden
Fällen braucht es ein vernünftiges Trennungsmanagement. Denn der nächste
Aufschwung kommt bestimmt.
Bei allem Bemühen um niedrige Fluktuationsraten: Die
neue Arbeitswelt macht für viele das ‚nomadische Jobben‘ unumgänglich.
So passiert es eben auch, dass gute Mitarbeiter kündigen. Reagieren Sie
nicht angesäuert! Verabschieden Sie sich würdig! Und bleiben Sie in
guter Erinnerung! Die Amerikaner nennen das einen ‚Beautiful Exit’.
Hierzu kann ein loyalisierendes Abschiedsritual entwickelt werden. Das
ist nicht nur gut für den, der Sie verlässt, sondern auch für all die,
die bleiben. Die merken, dass es honoriert wird, Ihrem Unternehmen über
viele Jahre loyal 'gedient' zu haben.
Außerdem hat man ja freundschaftliche Bande mit dem
bzw. der Scheidenden geschlossen. Ihr positives Verhalten zwingt nun
niemanden, plötzlich so zu tun, als sei er/sie durch die Kündigung zum
Aussätzigen geworden. Und Sie zeigen damit, dass Ihr Unternehmen ein
offenes Haus ist, mit einer offenen Tür. Kein Käfig, in dem man sich
eingesperrt fühlen müsste. Nicht der, der weggeht hat es gut, weil er in
eine bessere Zukunft entschwindet. Wer bleibt, bleibt gerne, weil er
will und nicht muss.
Und, Hand aufs Herz, bei manch einem fällt die
Trennung ja auch nicht ganz so schwer. Bei allen anderen lassen Sie eine
Brücke stehen. Schnüren Sie ein angemessenes, individuelles
Auf-Wiedersehen-Paket. Dabei können Sie anfragen, ob Ihr scheidender
Mitarbeiter weiterhin Ihren Newsletter oder Ihre Mitarbeiterzeitschrift
erhalten möchte. Oder Sie senden ihm ein kleines Viel-Glück-Geschenk.
Oder Sie geben ihm etwas mit, das ihn noch oft an diese (hoffentlich!)
schöne und erfolgreiche Phase seines Berufslebens erinnert. Das Ziel?
Eine gute Nachrede. Oder den Wunsch, bei Gelegenheit wieder
zurückzukommen.
Ein gutes Trennungsmanagement
Jede Trennung hat Einfluss auf
das Beziehungsgeflecht im Unternehmen. Immer wird sehr genau beobachtet,
wie die Firmenleitung mit gekündigten oder freigesetzten Kollegen
umgeht. Wird Wertschätzung ausgedrückt für das in der Vergangenheit
gezeigte Engagement? Verhalten sich die Vorgesetzten souverän? Oder
zeigen sie unterkühlte Sachlichkeit? Schieben sie fadenscheinige Gründe
vor? Oder wird die Trennungsmaßnahme durch unbegründete Kritik am
scheidenden Mitarbeiter gerechtfertigt? Wird der gar zum Tabu-Thema
erklärt? Fairness im Umgang mit Scheidenden sorgt automatisch für eine
größere Loyalität der Bleibenden.
Dass Mitarbeiterabbau manchmal unumgänglich ist, sei
unbestritten. Nur: Die Art und Weise, wie dies bisweilen geschieht, ist
völlig inakzeptabel. Nicht selten trennt man sich, ohne mit der Wimper
zu zucken, von Mitarbeitern, die für ein Unternehmen von unschätzbarem
Wert sind, zuerst: von älteren Menschen mit unersetzbarem
Erfahrungswissen oder von hoch engagierten Querdenkern, die trotz
unbequemer Fragen immer das Wohl der Firma im Auge hatten. Es kommt
sogar vor, dass Führungskräfte von weiter oben angestachelt werden, es
besonders ‚schmutzig‘ zu machen. „Der Schmitz, der stört hier nur rum.
Nun zeigen Sie mal, was sie drauf haben, Meyer!“ Und Meyer darf sich
nach vollbrachten ‚Heldentat‘ auch noch brüsten.
Im Trennungsmanagement geht es nicht nur um ein
gesetzeskonformes ‚Was‘, sondern vor allem um ein geglücktes ‚Wie‘. Das
hilft nicht nur den Entlassenen sondern tut auch den Bleibenden gut. Bei
denen werden sich nämlich nach der ersten Erleichterung, nicht selbst
betroffen zu sein, Verunsicherung, Ängste und manchmal auch
Schuldgefühle einstellen. Ist die Stimmung schlecht, drückt dies nicht
nur auf die Motivation, sondern auch auf die Produktivität. Dienst nach
Vorschrift, Krankheit und Desinteresse werden Einzug halten. Und die
verbliebenen Guten werden sich bei erstbester Gelegenheit von dannen
machen. Diese langfristigen internen Folgen werden ebenso wie die
externen Image-Folgen bei Entlassungen meist völlig unterschätzt.
weiter
zu Teil 2
|