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Fachartikel - Gastbeitrag im
Managementportal
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Mitarbeiterloyalität: Wie man sie erhält und wie sie
Unternehmen erfolgreich macht
Zurück zu Teil 1 des Beitrags
Was Mitarbeiterloyalität heute bedeutet
Loyale Mitarbeiter sind ihrem Arbeitgeber (wenn auch heute
nicht mehr auf Lebzeiten) treu, sie spüren eine emotionale Verbundenheit. Sie
machen sich Gedanken um das Wohl und Wehe ihres Unternehmens. Sie identifizieren
sich mit ihrer Firma und machen die unternehmerischen Interessen zu ihren
eigenen. Sie sprechen oft und gut, begeisternd und leidenschaftlich gerne über
ihre Firma – drinnen und draußen.
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All dies bekommt ein Unternehmen freilich nicht geschenkt.
Mitarbeiterloyalität muss man sich, genauso wie Kundenloyalität, immer wieder
neu verdienen. Hierbei
geht es natürlich
nicht um den
blinden Gehorsam und das selbstlose Pflichtgefühl früherer Zeiten, sondern
vielmehr um eine mündige, freiwillige Form der Loyalität – nennen wir sie doch
ganz trendig Loyalität 2.0. So sprechen wir auch nicht mehr von der guten alten
Mitarbeiterbindung - weil das Wort Bindung versagt.
Es hat so etwas Erzwungenes, fast möchte man an Fesseln denken. Selbst ‚goldene
Handschellen‘ können am Ende keine Loyalität erzwingen. Sie funktioniert
vielmehr wie eine Freundschaft: Man bekommt sie geschenkt. |
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Mitarbeiter-Loyalität bedeutet:
·
freiwillige,
anhaltende Treue
·
hohes
Engagement und Freude an der Arbeit
·
Ambitionen und
unternehmerisches Handeln
·
Identifikation
und emotionale Verbundenheit
·
aktive
positive Mund-zu-Mund-Werbung
So sind hiermit eben
nicht
die Mitarbeiter gemeint, die - seit
zwanzig, dreißig Jahren ein Unternehmen bevölkernd - nur noch auf die Rente
warten und sich lustlos jedem Wandel verschließen. Als in unserem Sinne loyale
Mitarbeiter können wir nur diejenigen ansehen, die alle Aspekte der Definition
erfüllen. Und wenn Sie solche Mitarbeiter haben: Analysieren Sie diese genau –
denn von der Art wollen Sie mehr! Und Ihre Konkurrenz wünscht sich diese am
meisten. Loyale Mitarbeiter
sind zweifellos die wertvollsten Mitarbeiter eines Unternehmens. Und sie sind
die besten Kundenloyalisierer. Denn Käufer- und Mitarbeiterloyalität stehen in
einem engen Zusammenhang. Sie verstärken sich gegenseitig – im Positiven wie im
Negativen.
Wie sich Mitarbeiterloyalität messen lässt
Eine Reihe von Indikatoren ermöglichen Rückschlüsse auf die
Zufriedenheit und Motivation eines Mitarbeiters und damit auch auf seine
Loyalität. Hierzu zählen beispielsweise: die Aktivität in Workshops und
Diskussionsrunden, die Teilnahme an Projektgruppen und Fortbildungsmaßnahmen,
der Wunsch nach Aufstiegsmöglichkeiten, das Interesse an Kundenbelangen, das
Einreichen von Verbesserungsvorschlägen, die Bereitschaft zu Überstunden, die
Fehlerquote, die Nörgelhäufigkeit sowie die Anzahl der Kranktage. Ein weiterer
Index: Mit welcher Freude tragen die Mitarbeiter sichtbare Zeichen der
Zugehörigkeit wie etwa das Firmenlogo? Oder vermeiden sie dies, womöglich aus
Scham und Angst vor unangenehmen Fragen und hämischen Bemerkungen ihrer
Umgebung?
Unengagierte, illoyale Mitarbeiter sind die größten Umsatzvernichter eines
Unternehmens. Sie hemmen dessen Innovationsfähigkeit, das organische Wachstum
und die betrieblichen Zukunfts-Chancen. Denn (chronisch) unzufriedene
Mitarbeiter sind nicht nur öfter krank, sondern vor allem auch destruktiv. Die
auf diese Weise entstehenden Produktivitätseinbußen schätzt man auf 20 Prozent
und mehr. Und weil solche Mitarbeiter durch ihr ständiges Gejammer einen
Negativ-Strudel in ihrem Umfeld erzeugen, sinkt die Produktivität der Kollegen,
die dies erdulden müssen, um geschätzte zehn Prozent.
Das alles ist schon schlimm genug.
Schlimmer noch ist,
wenn Mitarbeiter draußen schlecht über die Firma reden und somit Vertrauens- und
Imageverluste auslösen.
Geht es nämlich
um die Bereitschaft, ihr Unternehmen als Arbeitgeber weiterzuempfehlen, so tun
dies laut der IFAK-Studie 68 Prozent der Gebundenen, aber nur 5 Prozent der
Beschäftigten ohne Bindung. Der Studie zufolge hat eine hohe Mitarbeiterbindung
auch einen erheblichen Einfluss auf die positive Mundpropaganda: Lediglich 16
Prozent der ‚ausgeklinkten‘ Mitarbeiter sind gewillt, die Produkte oder Services
ihres Arbeitgebers weiterzuempfehlen. Bei einer hohen Bindung hingegen tun dies
stolze 82 Prozent.
Wenn man nun davon ausgeht, dass in manchen BtoC-Branchen nahezu Jeder als
potenzieller Kunde infrage kommt, sind loyale Mitarbeiter in dreifacher Hinsicht
Erfolgsmacher: indem sie erstens ihre ganze Leistungskraft ins Unternehmen
einbringen, sowie zweitens als Motivator nach innen und drittens als Botschafter
nach außen agieren.
Die größten Loyalitätszerstörer
Loyalität ist heutzutage ein rares Gut. Doch die Ursachen für hohe
Abwanderungswilligkeit haben nicht nur mit der Arbeitsmarktlage oder verändertem
Sozialverhalten zu tun - in den meisten Fällen sind sie hausgemacht. So haben
viele Unternehmen die Loyalität ihrer Mitarbeiter systematisch verspielt. Und
nun, da es der Wirtschaft besser geht und gute Mitarbeiter Mangelware sind,
bekommen sie die Quittung: Alte Rechnungen werden beglichen. Die Mitarbeiter
wandern in Scharen ab. Denn Loyalität ist keine Einbahnstraße. Sie beginnt beim
Management.
Die größten Loyalitätszerstörer heißen:
- emotionale Kälte und Mangel an Menschlichkeit
- Vertrauensschwund
- ständige innerbetriebliche Umstrukturierungen sowie Unternehmensverkäufe und
Fusionen
- ein schlechtes Trennungsmanagement
Wer nur allein
an diesen Punkten ansetzt, kann die Mitarbeiterverbundenheit beträchtlich
erhöhen und damit seine Fluktuationsraten deutlich senken.
Bei genauerer
Betrachtung ergeben sich übrigens drei Loyalitäten:
-
die zum Unternehmen als solchem
-
die zur direkten Führungskraft
-
die zu den Kollegen und Ansprechpartnern
Wenn etwa Führungskräfte in schnellen Karriereschritten
durchs Unternehmen gejagt werden und alle sechs Monate die Abteilung wechseln,
wie soll da Loyalität entstehen? Wenn man Teams, die sich gerade erst
zusammengerauft haben, zwangsweise wieder auseinander reißt, wie soll da
Verbundenheit wachsen? Die unaufhörlichen Strukturveränderungen, mit denen
Mitarbeiter oft ohne jede Wahlmöglichkeit konfrontiert werden, sind Gift für den
Vertrauensaufbau. Nach Phasen der Hektik muss also ausreichend Ruhe einkehren,
damit die Leute sich finden können. Um eine Gruppe langfristig zusammenzuhalten,
müssen deren Mitglieder ihre sozialen Beziehungen zueinander pflegen können. Und
das braucht Zeit.
Illoyalität hausgemacht
Es gibt Unternehmen, die pflegen ihre Büroräume besser als
ihre Mitarbeiter. Ungefragt werden dort Menschen wie Ware von einem Bereich in
den anderen verschoben, neu zusammengewürfelt oder einfach abserviert. Gerade in
den zurückliegenden Jahren haben viele Arbeitnehmer mit ansehen müssen oder am
eigenen Leib erlebt: Loyalität lohnt sich nicht. Den Sachzwängen wurde die
Menschlichkeit geopfert. Dass Mitarbeiterabbau vielfach unausbleiblich ist, sei
unbestritten. Nur: Die Art und Weise, wie dies bisweilen geschieht, ist völlig
inakzeptabel. Allzu oft hat man sich gerade von den Mitarbeitern, die für das
Unternehmen von unersetzlichem Wert waren, ohne mit der Wimper zu zucken
getrennt. Vor allem die hoch engagierten Loyalen, die das Wohl des Unternehmens
im Auge hatten und deshalb auch mal unangenehme Fragen stellten, wurden wie
heiße Kartoffeln einfach fallen gelassen.
Personalabbau ist für alle
Beteiligten eine sehr belastende Situation und von daher eine äußerst sensible
Managementaufgabe. Jede Trennung hat Einfluss auf das Beziehungsgeflecht im
Unternehmen. Immer wird sehr genau beobachtet, wie die Firmenleitung mit
gekündigten oder freigesetzten Kollegen umgeht. Wird Wertschätzung ausgedrückt
für das in der Vergangenheit gezeigte Engagement? Verhalten sich die
Vorgesetzten souverän oder zeigen sie unterkühlte Sachlichkeit? Schieben sie
fadenscheinige Gründe vor? Oder wird gar die Trennungsmaßnahme durch
unbegründete Kritik am scheidenden Mitarbeiter gerechtfertigt? Werden
Mitarbeiter, die von sich aus kündigen, in den Dreck gezogen oder zum Tabuthema
erklärt? Fairness im Umgang mit Scheidenden sorgt automatisch für eine größere
Loyalität der Bleibenden.
Loyalität beginnt mit der Loyalität des Managements den
Mitarbeitern, Kunden und Partnern gegenüber. Vorstände, die oben ihre Tantiemen
erhöhen, während sie unten Massenentlassungen vornehmen, Bosse, die eine
seelenlose Machtkultur schaffen, Vorgesetzte, die nur ihren persönlichen Ehrgeiz
stillen, Spitzenmanager, die sich auf Firmenkosten persönliche Vorteile
verschaffen, all die brauchen sich nicht zu wundern, wenn plötzlich auch das
Personal nur noch den eigenen Vorteil sucht. Denn wenn Chefs in Hinterzimmern
mauscheln, heißt das für die Mitarbeiter, sie können auch mal krumme Sachen
machen.
Und: Wie sollen Mitarbeiter, die nicht (länger) daran
glauben können, dass ihre Firma vollstes Engagement verdient, volles Engagement
für die Kunden bringen? Können 'kleine' Angestellte überhaupt Loyalität
entwickeln, wenn sich zum Beispiel ihre Chefs in Positionskämpfen mehr oder
weniger öffentlich demontieren? Wenn Aktienkurse wichtiger sind als Mitarbeiter
und Kunden? Wenn der Boss lautstark und bissig über die Kunden flucht? Oder der
ganzen Welt erzählt, wie schlecht seine Leute sind. Und kann ein Mitarbeiter
überhaupt noch Loyalität schenken, wenn er selbst schon einmal, zweimal, dreimal
von seinen Chefs enttäuscht wurde?
Wie Loyalität entsteht
Fehlende Loyalität des Arbeitgebers erzeugt automatisch
fehlende Loyalität bei seinen Arbeitnehmern. Wer also Loyalität will, muss diese
- beim Topmanagement beginnend - aktiv vorleben, fördern und fordern. Von dort
muss der Loyalitätsfunke auf das ganze Unternehmen überspringen. Denn alle
Mitarbeiter orientieren sich an der Führungsspitze.
Loyalität hat viel mit guten Gefühlen zu tun. Sie entsteht aus
einer Summe von Details und bei jedem ein wenig anders. Sinnvolle Dinge zu tun
und ein geachtetes Mitglied einer Gemeinschaft zu sein, das sind wesentliche
Voraussetzungen. Verbundenheit verstärkt sich durch Zuneigung, ein
vertrauensvolles Miteinander und gemeinsames Handeln. Begleitet werden diese
Prozesse durch einen körpereigenen Botenstoff namens Oxytocin. Das auch gerne
Kuschelhormon genannte Oxytocin erhöht unser Glücks- und Genusspotenzial. Es ist
neurochemischer Balsam für die Seele. Es wirkt entspannend und
gesundheitsfördernd - und lässt sogar Wunden schneller heilen. Es wird dann
verstärkt hergestellt, wenn es zu einer Begegnung kommt, die feste Bindungen
einleiten soll. Es erhöht die Bereitschaft, Vertrauen zu schenken. Gleichzeitig
stabilisiert es Beziehungen, die zu seiner Ausschüttung geführt haben. Es
belohnt also positive soziale Kontakte und Geselligkeit.
„Bewusst oder unbewusst tendieren wir dazu, unser Verhalten so
zu organisieren, dass es in uns zu einer Ausschüttung dieser Substanz kommen
möge“, so der Gehirnforscher Joachim Bauer, und weiter: „Personen, die durch
ihre Zuwendung, durch ihre Anerkennung oder Liebe unsere Oxytocin-Produktion
stimuliert haben, werden zusammen mit der Erinnerung an die mit ihnen erlebten
guten Gefühle in den Emotionszentren unseres Gehirns abgespeichert.“ Deshalb
freuen wir uns, wenn wir gute Freunde und angenehme Kollegen sehen – und diese
freuen sich auf uns. Und deshalb gehen wir für geliebte Chefs durchs Feuer – und
den ungeliebten laufen wir davon.
Auch wenn die
neue Arbeitswelt für viele das ‚nomadische Jobben‘ unumgänglich macht:
Führungskräfte tun gut daran, Gemeinschaft und Zusammenhalt unternehmensweit zu
fördern. Ein starkes ‚Wir-Gefühl‘ entwickelt sich vor allem durch gemeinsam
erzielte gute Ergebnisse und durch Stolz auf die Firma. Dies trägt der
Mitarbeiter durch positive Erzählungen schließlich nach draußen.
Das Bindemittel par Excellence ist übrigens die
zwischenmenschliche Kommunikation. Studien der Boston University haben gezeigt,
dass dabei körperlich anwesende Personen tendenziell positiver beurteilt werden
als virtuelle. Die höchste Qualität der dialogischen Kommunikation und damit die
größte Loyalisierungs-Chance hat demnach das gut geführte direkte
zwischenmenschliche Gespräch. Wenn man Leuten von Angesicht zu Angesicht
gegenübersteht, ist es viel schwieriger, ihnen die kalte Schulter zu zeigen.
Dies alles spricht für den persönlichen Dialog – und eher gegen Videokonferenzen
und virtuelle Teambesprechungen.
Loyalität
funktioniert wohl dann am besten, wenn die Werte eines Unternehmens und die
persönlichen Werte seiner Mitarbeiter ein hohes Maß an Übereinstimmung zeigen.
Sich voll und ganz mit einem Unternehmen identifizieren zu können heißt auch,
sich selber treu zu sein.
Die Autorin
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Anne
M. Schüller ist Management-Consultant und gilt
als führende Expertin für Loyalitätsmarketing. Über 20 Jahre hat sie in
leitenden Vertriebs- und Marketingpositionen verschiedener
Dienstleistungsunternehmen gearbeitet und dabei mehrere Auszeichnungen erhalten.
Die Diplom-Betriebswirtin und achtfache Buchautorin gehört zu den besten
Wirtschafts-Speakern im deutschsprachigen Raum. Sie arbeitet als Referentin und
Trainerin und lehrt an mehreren Hochschulen. Zu ihrem Kundenkreis zählt die
Elite der Wirtschaft. |
Kontakt:
www.anneschueller.de
Bibliographie
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