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Orientierung für MBA-Interessierte
von Oliver Recklies
1. Ausgangslage Die nachfolgenden Ausführungen zur Beurteilung von MBA-Programmen basieren auf meinen Erfahrungen aus der Suche nach einem MBA-Programm als auch aus dem „Abgleich“ von Erwartung mit Erfahrungen als Direkt-MBA-Student am Henley Management College (Henley on Thames, UK).
Ausgelöst wurden sie durch den Beitrag „Speakers Corner: Was halten Sie eigentlich davon, dass sich auf dem MBA-Markt bislang kein Qualitätssiegel durchgesetzt hat, dass dem MBA-Interessierten Orientierung bietet?“ in der Zeitschrift „managerseminare“ Juni 2005 (S. 16 – 17). Autor dieses Beitrags dort ist Frau Dr. Eva Niemann, Director of studies für das DBA-Programm der Universität Nimbas. Zentrale Inhalte des Beitrags waren u.a.
Diese Aussagen sind zutreffend und beschreiben sehr gut die Problemlage, mit der sich MBA-Interessierte auseinanderzusetzen haben. Auf der Grundlage eigener Erfahrungen ergeben sich folgende Ergänzungen und Hinweise, wobei hier bewusst die Perspektive des Inländers (Bundesrepublik) angenommen wird, da sich dadurch auch besser Vor- und Nachteile der unterschiedlichen am Markt erhältlichen Programme diskutieren lässt.
2. Der Markt braucht kein neues Siegel Ich bin nicht der Ansicht, dass „der Markt“ ein weiteres Qualitätssiegel braucht, um die verschiedenen MBA-Programme zu unterscheiden: a) Ein einziges einheitliches Qualitätssiegel setzt voraus, dass zentral die Kriterien festgelegt werden, nach denen alle angebotenen Programme einheitlich bewertet werden. Ob dies bei der Vielzahl, Regionalität/Internationalität und den Strukturunterschieden zu sinnvollen Bewertungsergebnissen führen kann, steht nicht zweifelsfrei fest. Ich denke da nur an das Thema „Bio-Produkte“…. · b) Auf internationaler Ebene bestehen bereits allgemein anerkannte Akkreditierungen, die für die Bewertung des jeweiligen Programms hinreichende Aussagekraft haben. Für die „Güte“ eines Programms kann sprechen, wenn eine Akkreditierung durch min. 2 Einrichtungen erfolgt ist. o EQUIS (Equal Quality Improvment System) o AMBA (Association of MBAs = die britische Akkreditierung) o AACSB (American Assembly of Collegiate of Schools of Business = die US-amerikanische Akkreditierung) · c) Neben den Akkreditierungen werden - von zum Teil sehr renommierten Quellen - Rankings der Business Schools inkl. Zeitreihenvergleich erstellt. Diese Rankings bieten aus verschiedenen Gründen (z.B. da sie auch durch Rückmeldung der Programmteilnehmer beeinflusst werden können als auch durch den Einbezug nicht validierbarer Daten [z.B. Gehaltssteigerung der Teilnehmer nach der Absolvierung des MBA-Studiums]) keine 100%ige Objektivität. Sie bieten aber dem Beurteilenden (z.B. dem Unternehmen, welches einen MBA-Absolventen einstellen will) eine allgemeine Einschätzung der Programmqualität. Meines Erachtens ist es weniger von Bedeutung, ob eine Business School auf Rang 5 oder 15 der Top-Programme in Europa „auftaucht“. Ist sie jedoch nicht unter den ersten 50 oder 75 sollte jedoch der betreffende Interessent genauer prüfen, welche Gründe zu diesem Abschneiden geführt haben und ob diese seinen eigenen Zielsetzungen beeinflussen können. Ranking Quellen sind: o Financial Times Global MBA Ranking o Economist Intelligence Unit: Which MBA? · d) In der Bundesrepublik gibt es ferner das Informationssystem zur Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse „anabin“. In der Datenbank sind Bewertungen der Bildungseinrichtungen und der verschiedenen Abschlusstypen zu finden, so dass u.a. sog. „Titelmühlen“ von tatsächlichen Universitäten und Hochschulen unterschieden werden können. Für Europa ist die Datenbank relativ aussagekräftig. Für den Bereich USA ist dies nicht so: Wer zum Beispiel der University of Phoenix Online sucht – eine der größten privaten Bildungseinrichtungen in den USA mit über 100.000 Studenten – wird keinen Eintrag finden.
Viel wichtiger wäre m.E. eine „Blacklist“ von solchen Einrichtungen, die nicht führbare Titel vergeben (oder besser verkaufen). Wobei hier auch wieder die Probleme bestehen, alle „Programme“ zu erfassen.
3. Mögliche Kriterien für ein MBA
Grundsätzlich sollte sich jeder MBA-Interessierte auch selbst fragen, welche Gründe ihn oder sie wirklich bewegen, sich für einen (ganz bestimmten) MBA-Studiengang zu entscheiden und eine solche Bildungsinvestition zu leisten. Je nach Programm und Logistik können schnell zwischen 50.000 und 75.000 EUR zusammenkommen. Für die Entscheidung für ein ganz bestimmtes MBA-Programms kann eine Vielzahl von Gründen sprechen, wobei ich einige hier exemplarisch einmal anreißen möchte:
Neben den vergleichsweise gut eingrenzbaren Kriterien (wie 4, 6, 7, 12) sollte man auch in Betracht ziehen, dass ein MBA nicht nur ein Studium ist, sondern auch eine Lebenserfahrung ist. Ich habe diesen Satz vor dem MBA nicht so richtig geglaubt. Nach dem MBA kann ich ihn unterschreiben. Es ist auch schwer abgrenzbar, welche Einzelaspekte letzten Endes gerade den Reiz ausmachen / die Herausforderung darstellen und auch den erwarteten Entwicklungsschub bringen. Grundsätzlich gilt aber ein ganz wichtiger Aspekt: Du DARFST lernen. Am Henley Management College (und bestimmt auch an den anderen gutes Business Schools) hast Du alle Möglichkeiten zum Lernen (Ob Du sie nutzt, Deine Verantwortung!) Bis zur Grenze der Belastbarkeit und oft auch ein Stück darüber hinaus. Zwei Fallstudien noch lesen – Du hast doch noch Zeit, es ist erst 22.00 Uhr. Präsentation vorbereiten – machen wir morgen früh in der Gruppe gleich um 7.00 Uhr. Mittag – wir besprechen die aktuelle Research-Ergebnisse, bevor es mit dem Unterricht weiter geht. Ich denke sehr gerne an die gute Streitkultur in den Gruppenarbeiten. Gruppenarbeiten laufen nicht immer harmonisch ab; was in einer gewissen Form auch dem Sinn des MBA-Studiums (m.E. müssen Führungskräfte auch Konflikte austragen können) widersprechen würde. Die Gruppenassignments (die ganze Gruppe bekommt die gleiche Note) waren in der Regel mit Termindruck verbunden (durch andere Assignments), so dass aus der Mixtur von Terminstress, eigenem Erarbeiten von Hintergrundwissen sowie den eigenen Prioritäten, unterschiedlichen Arbeitsweisen sowie verschiedenen kulturellen Backgrounds (und den damit verbundenen verschiedenen Arbeitsstilen) der Gruppenmitglieder eine explosive Mischung entstehen kann. Die Kunst der Gruppenarbeit lag darin - wie beim Benzinmotor - den richtigen Zeitpunkt und die richtige Wirkungsrichtung zu erzeugen. Und: Im normalen beruflichen Umfeld ist es doch oft genauso….
Für mich persönlich liegen die zentralen Katalysatoren des MBA-Programms hierin:
Wer meine persönlichen „Favoriten“ (Kapitel 3) betrachtet, wird feststellen, dass etliche in Deutschland derzeit angebotenen MBA-Studiengänge aus meinem Blickwinkel definitiv nicht in Frage kommen würden. Frau Dr. Niemann schrieb in dem Eingangs aufgeführten Beitrag dazu: „…so kann ich die wirklich empfehlenswerten Programme an zehn Fingern abzählen…“ Mir geht es genau so.
4. Fazit In gewisser Art und Weise ist die Auswahl des richtigen MBA-Programms die erste Aufnahmeprüfung für den entsprechenden Aspiranten. Dabei gibt es nicht das „richtige“ MBA-Programm. Meines Erachten sollte jeder Interessent mindestens zwei Themenbereiche prüfen: 1.Welche persönlichen und beruflichen Ziele verfolge ich mit meinem MBA-Studium? 2. Welchen Status / welche Reputation hat meine Business School in den verschiedenen Blickwinkeln?
5. Links zur eigenen Recherche (soweit nicht bereits im Text erfasst)
© Oliver Recklies Mai 06
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